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Stadt Kempen
Die Samba-Trommler vom Niederrhein

Stadt Kempen: Die Samba-Trommler vom Niederrhein
Aus dem Interesse für das Chorsingen entstand die Samba-Gruppe. Die Mitglieder sind angetan von den afroamerikanischen Rhythmen. FOTO: kn
Stadt Kempen. Kürzlich machten sie wieder beim Kempener Altstadtlauf auf sich aufmerksam und feuerten mit südamerikanischen Rhythmen die Läufer an. Auch bei Stadtfesten treten die Musiker von "Grupo Samba Percussion" auf. Von Willi Schöfer

Vor mehr als drei Jahren hatte sich die Kempenerin Doris Dahmen für das Chorsingen interessiert. Deshalb ging die diplomierte Umweltwissenschaftlerin damals zur Musikschule "Music Art". Durch Zufall hörte sie dort das Spiel einer Samba-Gruppe und war davon fasziniert. Sie blieb dabei, stieß zu der Gruppe hinzu, besorgte sich wenig später ein gebrauchtes Trommelinstrument, die etwa sechs Kilogramm schwere "Surdo resposta".

Die Begeisterung für diese afroamerikanischen Rhythmen erwischte auch viele andere Männer und Frauen, darunter Berufskraftfahrer, Erzieherinnen, Taxifahrerinnen oder Heilpraktiker. Einige machten erst beim holländischen Maestro und Musiklehrer Twan Wijnhoven bei "MusicArt" so eine Art Grundausbildung, ehe sie sich mit anderen vor etwa einem halben Jahr privat unter dem Namen "Grupo Samba Percussion" zu einer neuen Formation zusammenschlossen. Und die Gruppe, die nach wie vor von Twan Wijnhoven geführt wird, wächst kontinuierlich an.

"Es war schon stark und sorgte bei mir selbst für eine Gänsehaut, als die Sportler mit dem Daumen hoch an uns vorbei liefen und die Zuhörer klatschten und sich rhythmisch zu den Klängen bewegten", sagte Angelika Hengsten, ebenfalls aus Kempen. Die Altenpflegerin meint damit den Auftritt der Gruppe kürzlich beim Altstadtlauf in der Thomasstadt. Schon Jahre davor war die Formation dort unter einem anderen Namen aufgetreten. "Das hat mich so begeistert, da habe ich mitgemacht", erzählt Christel Vespai, für die es der richtige Ausgleich zu ihrer Tätigkeit als Krankenschwester ist.

Gerade trifft sich das Ensemble, das sich je nach Bedarf und Anlass im schwarzen oder weißen Outfit zeigt, zum wöchentlichen Training im großen und ansprechenden Partyraum von Peter Borghs auf dem Woltershof, am Rande von Straelen gelegen. "Wir wurden hier mit offenen Armen empfangen, nachdem wir zunächst in der Straelener Jugendeinrichtung "Wigwam" geprobt hatten und es doch für die Nachbarschaft etwas zu laut wurde", meint Gregor Beckmann. Der 52-jährige Kempener und gelernte Kfz-Mechaniker macht derzeit die PR-Arbeit, muss aufgrund einer Schulter-OP eine Pause einlegen. Beckmann, der viele Jahre Standard- und Latein-Tänzer war, hatte vor Jahren bei "MusicArt" an einem Batucada-Workshop teilgenommen und ist nach wie vor von dieser Musik, die ursprünglich einmal die Sklaven nach Brasilien gebracht hatten, begeistert.

Wie übrigens auch Musiklehrer Twan Wijnhoven. Der 59-Jährige hatte zunächst viele Schlagzeug-Workshops geleitet, ehe er selbst die Samba-Musik entdeckte und sich erst einmal vor vielen Jahren bei zwei längeren Aufenthalten in Brasilien unterrichten ließ. Wijnhoven erinnert sich nach der Probe: "Es war unfassbar, mit welcher Lebensfreude gerade in den brasilianischen Armenvierteln, den Favelas, Samba gespielt wird." Der Musiklehrer schreibt die Kompositionen selbst, einige heißen "Funky Fantasia" oder "Samba Reggae". Bald will er mit seiner Gruppe das neue Stück "Sessao" einstudieren.

Die Musiker kommen von überall her, unter anderem aus Geldern, Kerken, Wachtendonk oder Straelen. Und nahezu wöchentlich werden es mehr: spielten anfangs acht sind es derzeit schon 22. Zum Schnuppern ist gerade die in Straelen wohnende Angelika Messing auf dem Woltershof. Sie hatte die Gruppe "Samba Percussion" beim Straelener Stadtfest gesehen und gehört, darf jetzt erst einmal dreimal mitmachen, ehe sie sich dann für eine regelmäßige Teilnahme entscheiden kann.

So beschwingt die Rhythmen auch sind, dahinter steckt eine Menge Arbeit. Nach dem zweistündigen Training, das erst einmal mit Bewegungs- und Dehnübungen für Finger und Hände beginnt, sind viele geschafft. Aber auch dabei ist ihnen die Freude und Begeisterung anzusehen, gemeinsam in der Gruppe gute Stimmung zu verbreiten und damit bei den Auftritten anderen eine Freude zu machen.

Quelle: RP
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