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Stadt Willich
Digitalisierung verändert Familienleben

Stadt Willich: Digitalisierung verändert Familienleben
Torben Kohring, Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW, referierte bei der Jahresversammlung des Netzwerkes Frühe Hilfen Willich über die Mediennutzung bei Kleinkindern. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Mit dem Thema Medien setzte sich das Netzwerk Frühe Hilfen Willich beim jährlichen Treffen auseinander. Torben Kohring von der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW war als Referent zu Gast. Von Bianca Treffer

Mütter, die Kinderwagen wie ferngesteuert fahren, weil das Smartphone in einer Halterung am Griff klemmt und alle Aufmerksamkeit beansprucht. Kinder, die das Smartphone in der Hand, Verkehrssituationen völlig vernachlässigend, unterwegs sind. Es sind etliche Situationen, die Anette Horst aufgefallen sind und sie in ihrer Funktion als Netzwerkkoordinatorin beim Geschäftsbereich Jugend und Soziales der Stadt Willich auf die Idee brachten, das Thema Medien bei der jährlichen Versammlung des Netzwerkes Frühe Hilfen Willich auf die Tagesordnung zu setzen. Unter dem Titel "Medien in der frühkindlichen Erziehung" referierte Torben Kohring, Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW, sowohl über die Auswirkungen der elterlichen Mediennutzung auf Kleinkinder und Kinder als auch die Chancen der Mediennutzung für die Erziehung.

"Die Mediennutzung ist bereits im Kleinkinderalter angekommen. Der Bildschirm an sich ist nicht schädlich, aber das Alter, die Inhalte und der Zeitrahmen müssen passen. Schädlich ist hingegen die Abwesenheit von Dingen, die durch das Smartphone blockiert werden. Die zusammenverbrachte Zeit ist wichtig. Wer nur vor dem Bildschirm hängt hat diese nicht", sagte Kohring. Er bezeichnete die Digitalisierung als einen Kulturwandel. Die Digitalisierung verändert Familien und ihre Strukturen. Kinder wachsen mit digitalen Medien auf, wobei sie durch das Medienverhalten ihrer Eltern geprägt werden. Laut Aussagen von Ärzten nutzten 70 Prozent der Kinder im Krippen- und Kitaalter das Handy ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Die Risiken reichen nach der BLIKK Studie von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis zu Konzentrationsstörungen im Grundschulalter. Mit Bildschirmmedien wie Fernsehen, DVD-Player, Tablet oder Smartphone können Babys nichts anfangen. Auch Kleinkinder ziehen aus Angeboten wie zum Beispiel digitalen Spielen keinen Nutzen. Diese Bereiche sowie das Fernsehen sollten bis zu drei Jahren nicht genutzt werden.

Leicht umsetzbare Tipps als Alternativen hatte Kohring dabei. Schon Babys hören gern entspannende, fröhliche Musik wie aus Spieluhren. Ab etwa sechs Monaten werden Bilderbücher interessant. Der Fachmann empfiehlt mit kleinen Kindern so oft wie möglich gemeinsam Bilderbücher anzusehen und dem Kind zu erzählen, was es alles zu sehen gibt als auch einfache Dinge vorzulesen. Das gilt ebenso für eine Gute-Nacht-Geschichte. Schlichte Varianten können den Kleinsten vorgetragen werden. Wenn eine CD gehört wird, sollten Eltern die Reaktionen ihrer Kinder beobachten und jederzeit ansprechbar sein. Zudem sollte über das Gehörte gesprochen werden. "Wenn Medien, dann sollen sie als Gemeinschaftserlebnis gestaltet werden. Medien als Babysitter sind nicht förderlich", betonte Kohring. Ein wichtiges Stichwort ist die Selbstregulation. Von klein auf sollten Kindern lernen, dem Medienkonsum selbst ein Ende zu setzen. "Wenn das Sandmännchen im Fernsehen kommt, ist Schluss", nannte der Fachmann als Beispiel. Wichtig ist es, Kinder an die Medien entsprechend ihres Alters heranzuführen, sie damit nicht alleine zu lassen und klare Regel aufzustellen. Kinder müssen das Erlebte kognitiv umsetzen können. "Dosiert, qualitativ und altersgerecht", fasste es Kohring zusammen. Dann kann Medienbildung für ein Leben in Balance wirken.

Quelle: RP
 
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