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Stadt Willich
Direktor mit Spinnrad und Rettungshund

Stadt Willich: Direktor mit Spinnrad und Rettungshund
Seit drei Wochen ist Thomas Prell-Holthausen Leiter des "LMG". Sein erster Eindruck: "Ich sehe hier auf keinen Fall dringenden Handlungsbedarf, aber Potenziale zur Weiterentwicklung. Eine Schule ist nie fertig." FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Seit Anfang des Monats leitet Thomas Prell-Holthausen das Lise-Meitner-Gymnasium in Anrath. Die Architektur und das pädagogische Konzept der Schule überzeugen ihn. Den Spagat will er schaffen zwischen klarem Profil und großer Breite. Von Marc Schütz

Wenn Thomas Prell-Holthausen morgens aus seinem Auto steigt und vom Parkplatz aus auf das Lise-Meitner-Gymnasium zugeht, sagt er sich: "Ja, das hast du richtig gemacht." Er meint damit die Entscheidung, sich auf die Stelle des Schulleiters zu bewerben. Seit Anfang des Monats hat er dieses Amt nun inne und wirkt äußerst zufrieden. Er freut sich auf die Arbeit mit 904 Schülern, 72 Lehrern, zwei Sekretärinnen und dem Hausmeister. "Schule ist zu vergleichen mit einem mittelständischen Betrieb", sagt er.

Das Erste, was Prell-Holthausen auf dem Weg in sein Büro wahrnimmt, ist die "unglaubliche Architektur" des Gebäudes mit großen Glasflächen, breiten Gängen, dem Forum für 250 Menschen und der Schulbibliothek, die der neue Direktor als "Perle" bezeichnet.

Doch das "LMG" hat für den 51-Jährigen weit mehr zu bieten als außergewöhnliche Architektur und gute technische Ausstattung: "Mich reizt das didaktische Konzept der Schule. Hier wurden schon moderne Formen des Unterrichts umgesetzt, als das an anderen Gymnasien noch nicht geschah. Das LMG ist mit Konzepten wir Projekt- und Freiarbeit gestartet und hat diese Tradition in den 17 Jahren seit der Gründung gelebt." Jedes Kind habe seinen eigenen Lernweg und seine eigene Lerngeschwindigkeit, darauf müsse Unterricht eingehen.

Nach einer anfangs typischen Lehrerlaufbahn mit viel Fachunterricht fand Prell-Holthausen schnell große Freude an Schulkonzepten und -programmen, bewarb sich daher 2011 auf die Stelle als stellvertretender Schulleiter des Clara-Schumann-Gymnasiums in Viersen-Dülken und nun eben auf die Direktoren-Stelle in Anrath, die er von Astrid Kampmann übernahm. Kinder und Jugendliche haben äußerst unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten, die eine Schule fördern muss, findet Prell-Holthausen. Deswegen muss ein Gymnasium aus seiner Sicht den Spagat zwischen einem klaren Profi und einer großen Angebotspalette hinbekommen. Zum Vergleich zieht der Lehrer einen Autoreifen heran: "Der hat ein klares Profil, aber mehr als eine Rille." Reine naturwissenschaftliche, neusprachliche oder humanistische Gymnasien seien nicht mehr zeitgemäß. Daher biete das LMG beispielsweise die Chorklasse in den Stufen 5 und 6, fördere naturwissenschaftlich begabte Schüler, setze auf Fremdsprachen und ganz gezielt auf Sozialkompetenz - etwa mit dem "Miteinander-Theater", einer Kooperation mit dem Haus Anrode, bei der Mädchen und Jungen mit und ohne Behinderung miteinander auf der Bühne stehen. "Junge Menschen müssen lernen, für einander Verantwortung zu übernehmen."

Das Thema "Verantwortung" spiegelt sich auch in der knappen Freizeit des Deutsch- und Geschichtslehrers. Er lebt mit seiner Frau in Brüggen, hält dort Hühner, hat Katzen und vier Hunde. Hündin Luna bildet er derzeit als Rettungshund aus. Zudem hilft er seiner Frau beim Spinnen: Sie betreibt eine Handspinnerei, verarbeitet Wolle von regionalen Schäfern. Und so kommt es vor, dass Thomas Prell-Holthausen seinen Anzug gegen Leinenhose, Baumwollhemd und selbst gestrickte Mütze tauscht und auf Märkten hinter dem Spinnrad sitzt. Der gebürtige Moerser fühlt sich wohl auf dem Land, und auch das gefällt ihm am LMG. "Eine Schulleitertätigkeit im großstädtischen Raum könnte ich mir nicht vorstellen. Die ländliche Umgebung schafft Ruhe, die sich auf die Kinder und das gesamte Leben überträgt."

Quelle: RP
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