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Stadt Willich
Duisburger begeistert in Neersen

Stadt Willich: Duisburger begeistert in Neersen
Der Kabarettist Kai Magnus Sting aus Duisburg gastierte am Samstagabend im Ratssaal des Neersener Schlosses. FOTO: Harald Hoffmann
Stadt Willich. Der Kabarettist Kai Magnus Sting gastierte mit seinem neuen Programm.

Hach, ist das Leben schön - wenn da bloß nicht Freunde, Familie und andere Katastrophen des Alltags wären. Folgerichtig lässt sich festhalten: "Immer ist was, weil sonst wär ja nix." Das gleichnamige Programm des Duisburger Kabarettisten Kai Magnus Sting begeisterte am Samstagabend 130 Gäste im Ratssaal des Neersener Schlosses.

"Alle um mich werden jünger", stellt Sting erschrocken fest und erzählt von seinem neuen Hausarzt, dessen Diagnosen mitunter hanebüchen ausfallen: "Eine Lungenentzündung ist kein Beinbruch." Reine Verzweiflung macht sich bei Sting da breit, nicht zuletzt weil Kinder im Publikum sitzen: "So'n Elfjähriger denkt doch, der Opa da vorne hat gekifft und erzählt vom Krieg!" Und auch das noch: "Wie erklär' ich denen jetzt ein Telefonbuch?" - Nein, leicht hat es der 1978 geborene Duisburger wahrlich nicht.

Als Kamikaze-Kabarett angekündigt, serviert Sting schnell gesprochene Kurzgeschichten, die dank Ruhrgebiets- und Niederrhein-Dialekt allerlei Identifikationsmomente beinhalten. Hier die klugen Oma-Sprüche à la "Ja, man steckt nicht drin", mit denen man laut Sting "in der Psychiatrie landet", dort die lokale Maßeinheit "wat weiternähen", welche exakt 2,75 Zentimetern entspricht. Stings künstlerische Nähe zu Hanns Dieter Hüsch ist unverkennbar.

Überzeugend gespielt ist das Programm allemal, und auch der Wiedererkennungswert ist ziemlich hoch. Wenn Sting von Butterkuchen, Wählscheiben-Telefon mit Häkel-Schutz oder Pkw-Fenster samt Kurbelheber erzählt, grinst so mancher in seliger Erinnerung wissend. Flugs wechselt Sting den Modus vom Gestern aufs Heute und lästert über die Autobahnraststätten-Toilettengutscheine von Sanifair: "Ich sammel die Bons und schmeiß' irgendwann ne Piss-Bon-Party!"

Seine "ständige Begleiterin", wie Sting seine angebliche Partnerin nennt, hält ihn ebenso auf Trab. Klar, Kommunikation zwischen den Geschlechtern ist immer ein Lacher wert. So die Feststellung, dass Männer "nur sitzen und gucken" können, so dass selbst riesige Abwaschberge aus ihrer Wahrnehmung verschwinden, während Frauen alles mit Kürbissen volldekorieren und Deckchen "über Ecke" auf Möbel legen.

Ganz klar: Zwei Stunden Sting unterhalten bestens. Am Ende gibt es satten Applaus vom Publikum.

(tone)
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