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Stadt Kempen
Ein Bretone schaut über den Atlantik

Stadt Kempen: Ein Bretone schaut über den Atlantik
Christian Ramond, Bass, Olivier Robin, Schlagzeug, und Pierrick Pédron, Altsaxophon, bei ihrem Auftritt im Campus. FOTO: HERIBERT BRINKMANN
Stadt Kempen. Eigentlich sollte der amerikanische Tenorsaxophonist JD Allen mit seinem Trio kommen, direkt aus Belfast eingeflogen. Doch Allen musste seine gesamte Europa-Tournee mit Stationen in München, Berlin, Prag, Graz und Lugano absagen - eine Woche vor dem Konzerttermin. Das treibt beim Veranstalter den Blutdruck nach oben. Aber Martin Klapheck vom Kulturamt hatte schnell coolen "Ersatz" organisiert. So kam ein französischer Saxophonist aus Paris nach Kempen: Altsaxophonist Pierrick Pédron brachte den deutschen Bassisten Christian Ramond und den französischen Schlagzeuger Olivier Robin mit. Das Trio war kein Lückenfüller, sondern absolut hörenswert.

Aber im Grunde genommen blieb die Musik des Abends doch transatlantisch. Pédron zählt zwar seit über 20 Jahren zu den herausragenden Protagonisten der französischen Jazzszene, seit 2001 ist er auch für die Pariser Saxophon-Manufaktur Selmer Referenz-Musiker. Doch in seiner musikalischen Vorliebe ist Pédron sehr amerikanisch - nicht weil er mal mehrere Monate in New York ein Album aufnahm, sondern eher, weil er sich explizit auf den afroamerikanischen Jazzpianisten und Komponisten Thelonious Monk beruft. Anfang der 1940er Jahre gehörte er in Harlem zu den afroamerikanischen Jazzern, die abseits des Swings der Big Bands in kleineren Combos nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten suchten. Damals wurde der Bebop geboren, ein Modern Jazz, der sich von der Populär- und Tanzmusik wegentwickelte und dem Solisten mehr Raum bot.

Beim Konzert im Campus hatte sich das Trio zuerst auf Monk-Kompositionen geeinigt, nach der Pause folgte eine Referenz an den Londoner Altsaxophonisten Peter King, stilistisch von Charlie Parker, Stan Getz, John Coltrane beeinflusst. Die drei Musiker verstanden sich auf der Bühne auch ohne viele Proben; alle drei Musiker haben mehrere CDs eingespielt und auf ungezählten Konzerten mitgewirkt. Pédron ließ den beiden anderen auf der Bühne viel Platz für eigene Soli. Herzlicher Beifall vom Campus-Publikum.

(hb)
 
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