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Stadt Willich
Ein Haus trotzte dem Abriss

Stadt Willich: Ein Haus trotzte dem Abriss
Christel Hinzen lädt ein in ihr schmuckes Haus an der Kreuzstraße, in dem sie. . . FOTO: RPO
Stadt Willich. Wie ein kleiner Fels in der Brandung steht es direkt neben der mächtigen Willicher Pfarrkirche St. Katharina, fast Mauer an Mauer liegt es vor dem Kirchenschiff: das quadratische kleine Haus an der Kreuzstraße 12. Von Wolfgang Dille

Bei den Willichern ist das kleine Haus direkt hinter der Pfarrkirche (Kreuzstraße 12), als "Hinzen-Haus" bekannt. Gebaut wurde es 1876, und Heinz Hinzen übernahm von seinem Vater nach dem Zweiten Weltkrieg das Zigarren- und Spirituosengeschäft.

Seit 1969 wohnt Christel Hinzen in dem urigen Häuschen und führt seit dem Tod ihres Mannes vor 27 Jahren das Geschäft alleine. "Ich habe eines der letzten kleinen Geschäfte im Ort", erzählt Hinzen mit leuchtenden Augen: "Und heute kommen sogar viele Hinzugezogene zu mir, um Zigarren oder Schnaps zu kaufen."

Das Hinzen-Haus ist das einzige Haus, das von der ehemaligen so genannten "Kirchen-Inselumbebauung" übrig geblieben ist. Mitte des 18. Jahrhunderts war es noch Bestandteil einer engen Reihenbebauung, denn einst stand Haus um Haus rund um die Kirche verteilt. Bei ihrer Errichtung im Jahre 1146 lag Willichs Pfarrkirche noch alleine auf weiter Flur, doch das änderte sich im Laufe der Jahre.

Der damalige Willicher Kirchhof umspannte das Gotteshaus quadratisch und war schon im 15. Jahrhundert durch eine freistehende Mauer geschützt. Als die Einwohnerzahl wuchs und die Baufläche im befestigten Dorfbezirk abnahm, erlaubte der Kirchenvorstand den Bewohnern, ihre Häuser gegen eine jährliche Abgabe unmittelbar an die Mauer anzulehnen.

Inselbebauung rund um die Kirche

So erhielt unter anderem Peter Tremen im Jahr 1602 von Pastor und Kirchmeister die Erlaubnis, auf die dem Pastorat gegenüberliegende Mauer ein Haus zu bauen. Er wurde damals allerdings verpflichtet, die Mauer "in guter Besserung und Notbau" zu halten, ist im Buch "Willich und seine Pfarrkirche" zu lesen.

Die Kirchmeister behielten sich dagegen vor, bei Bedarf eine neue Kirchhofspforte an seinem Haus verankern zu dürfen. So entstand im Laufe der Zeit die Inselbebauung rund um die Willicher Kirche.

Dies blieb auch noch so, als Ende Dezember 1898 das alte Gotteshaus abgerissen wurde. Am 18. April 1901 feierte die Pfarre dann die feierliche Einweihung der neuen Kirche. In den nächsten 80 Jahren setzte in Folge des Kirchenbaus die Freilegung des Kirchplatzes ein. Der Halbkreis der schmalbrüstigen Häuser, die einst den alten Kirchhof umgeben hatten, wurde immer dünner. So mancher älterer Willicher kann sich noch an die alten Fachwerkhäuser an der Hülsdonkstraße erinnern, die dort standen, wo heute die Bäume stehen.

Alle Häuser mussten weichen, da die neue Pfarrkirche von den sie umgebenden kleinen Häusern freigelegt wurde. Nur das Hinzen-Haus trotzte der Abrissbirne und erinnert damit heute noch an längst vergangene Zeiten. 2010 feiert Christel Hinzen einen runden Geburtstag: "Aber ich möchte nicht, dass Sie schreiben, wie alt ich werde. Wer mich kennt, weiß das schon", sagt sie schmunzelnd.

Quelle: RP
 
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