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Mit Margret Müller
Ein Jahr nach dem Erdbeben in Nepal

Willich. Die Projektreferentin von Action Medeor, Margret Müller, berichtet nach ihrer Rückkehr über ihre Arbeit in Nepal.

VORST (RP) Margret Müller ist als Projektreferentin bei Action Medeor verantwortlich für die Projekte in Nepal. Im März reiste sie zuletzt für zwei Wochen in den Himalaya-Staat, um sich ein Bild von der Situation der Menschen zu machen und die weitere Arbeit von Action Medeor mit den lokalen Partnerorganisationen abzustimmen.

Wie geht es den Menschen in Nepal heute - ein Jahr nach dem Erdbeben?

MARGRET MÜLLER Ehrlich gesagt, noch nicht sehr gut. Das letzte Jahr war ein hartes Jahr für die Nepalis. Erst zerstörte das Erdbeben die Lebensgrundlagen von 2,8 Millionen Menschen, dann folgte nach einer Regenzeit mit zahlreichen Erdrutschen die Benzinkrise, die monatelang das Land lahmlegte. Die Blockade beeinträchtigt alle Wiederaufbauaktivitäten sehr stark. Die Menschen warten noch auf ihre Unterstützung vom Staat, um ihre Häuser wieder aufbauen zu können, überall leben Menschen in provisorischen Wellblechhütten.

Was sind die größten Probleme?

MÜLLer Das Erdbeben ist das Eine, zu einer Katastrophe wurde es durch die fragile Infrastruktur: Das beginnt bei instabilen Hütten und Gebäuden, wenig Katastrophen-Vorsorge, einer schwach ausgebauten medizinischen Versorgung oder auch schlechten Straßen. Nepal hat viel weniger Kapazitäten, nach so starken Beben wieder auf die Beine zu kommen als andere Länder, die in diesen Bereichen besser aufgestellt sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es eine Art politisches Nachbeben nach sich zieht, was den Wiederaufbau entscheidend verlangsamt. Scheinbar Alltägliches ist zur Mangelware geworden. Das bedeutet stundenlanges Anstehen um Benzin, Kochgas, nur stundenweise Strom, Wasser einmal wöchentlich. In den Dörfern sind Wasserquellen versiegt, Straßen verschüttet.

In welchen Bereichen engagiert sich Action Medeor in Nepal?

MÜLLER Action Medeor war sehr schnell nach dem Erdbeben vor Ort und hat in Kathmandu ein temporäres Medikamentenlager aufgebaut. Von dort aus konnten Medikamente und medizinische Materialien an Gesundheitsstationen und medizinische Teams in den betroffenen Gebieten verteilt werden. Gleichzeitig starteten wir neue Partnerschaften und Projekte mit lokalen Organisationen. Wir bauen sanitären Anlagen an Schulen wieder auf und sensibilisieren Lehrer und Schüler für Hygiene. In Kathmandu betreiben wir eine Praxis für marginalisierte ("unberührbare") Frauen, die nach dem Erdbeben aus ihren Dörfern in temporäre Unterkünfte in die Hauptstadt kamen. Wir bieten ihnen medizinische Versorgung, Begleitung zu Ämtern, sozial-psychologische Betreuung im Neuanfang, Alphabetisierungskurse und Handarbeitskurse, damit sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. In anderen Projekten bauen wir Gesundheitsstationen in abgelegenen Regionen wieder auf oder organisieren Selbstverteidigungskurse, da die Gewalt gegen Frauen nach dem Beben leider sehr zugenommen hat.

Quelle: RP
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