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Stadt Willich
Ein Theater-Abend voller neuer Konstellationen

Stadt Willich. Der Literaturkurs des Schiefbahner Gymnasiums führte das Stück "Drei Mal Leben" von Yasmina Reza auf. Von Bianca Treffer

Das Bühnenbild ist spartanisch. Lediglich zwei Sofas mit Kissen und ein Wohnzimmertisch sind vor dem bordeauxfarbenen Vorhang auf der Bühne im Forum des St.-Bernhard-Gymnasiums zu sehen. Auf einem davon sitzt Sonja (Annabell Ewert) im Bademantel und Pantoffeln, wobei sie in Unterlagen vertieft ist. "Er verlangt einen Keks" - mit diesem Satz betritt Henri (Malte Lüttgens) die Szenerie. "Er hat sich gerade die Zähne geputzt", kommentiert Sonja den Satz ihres Ehemannes. Damit wird eine Maschinerie in Gang gesetzt, die erschreckende Züge annimmt und tief in das Eheleben der beiden blicken lässt.

Der einfache Kinderwunsch ihres sechsjährigen Sohnes Amaud nimmt Ausmaße an, die demonstrieren, dass der Haussegen mehr als schief hängt. Ein plärrendes Kind - unsichtbar hinter der Bühne - und zwei Menschen, die sich voller Hass anschreien. Kurzer Szenenwechsel: Im hinteren Teil der Bühne ist das Ehepaar Finidori aufgetaucht. Auf den wenigen Metern zur Bühne wird hier ebenfalls klar: Die beiden sind kein Traumpaar. Ines Finidori (Dominique Muller) klagt über eine Laufmasche im Strumpf, die ihr Mann Hubert (Henri Calaminus) als völlig nebensächlich abtut. Die Nerven beider Paare sind bereits angespannt, als sie aufeinandertreffen. Denn die Finidoris sind bei Sonja und Henri eingeladen, allerdings tauchen sie einen Tag zu früh auf. Eine Katastrophe bahnt sich an.

Der Literaturkurs des Schiefbahner Gymnasiums führte das bekannte Stück "Drei Mal Leben" von Yasmina Reza auf. Die Oberstufenschüler konnten dabei auf der ganzen Linie auf ein opulentes Bühnenbild verzichten, denn sie überzeugten allesamt in ihren Rollen. Da ist der beruflich erfolgreiche Hubert, der dies deutlich zur Schau stellt, und das nicht nur gegenüber seinem weniger erfolgreichen Kollegen Henri, sondern auch gegenüber dessen Frau sowie seiner eigenen Ehefrau. Ein Henri, der katzbuckelt, aber unverkennbar Aggressionen gegenüber seiner Frau entwickelt. Sonja, der der Kragen platzt und die einige ungeschminkte Wahrheiten aufs Tapet bringt. Dazu Ines, die genau weiß, wie sie von ihrem Mann behandelt wird, aber machtlos dagegen ist. Jeder geht jeden verbal an.

Dann ein Wechsel. Das Ganze wird wieder auf Null gestellt, und alles fängt von vorn an. Wobei Maxime Bleuzé, Leiter des Literaturkurses, diesmal auf eine völlig neue Besetzung setzt. Emma Günther ist Sonja, Jean-Luc Laffin spielt Henri, Bjarne Koll verkörpert Hubert, und Viktoria Sprung ist in die Rolle von Ines geschlüpft. Vor dem Hintergrund, dass der Handlungsstrang als solcher zwar gleich ist, aber die Personen anders agieren, ist es eine neue Herausforderung für die rund 60 Zuschauer. Eine Tatsache, die ebenfalls für die dritte Runde gilt. Filiz Müller stellt Sonja dar, Lüttgens übernimmt noch einmal Henris Part, Amira Menke wird zu Hubert und Rika Schnitzler zu Ines. Die Besucher sahen sich mit neuen Konstellationen, Koalitionen und Manövern konfrontiert, die zeigten: Es geht auch ganz anders.

Am Donnerstag, 29. Juni, 19 Uhr, zeigt der Literaturkurs das Stück "Der Gott des Gemetzels" im Forum des St.-Bernhard-Gymnasiums.

Quelle: RP
 
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