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Stadt Kempen
Ein wunderschön singendes Cello bei Kammermusik in Paterskirche

Stadt Kempen: Ein wunderschön singendes Cello bei Kammermusik in Paterskirche
Die niederländische Cellistin Harriet Krijgh (Jahrgang 1991) spielte in Kempen auf einem Violoncello von Giovanni Paolo Maggini aus dem Jahre 1620. Ein privater Sammler stellt ihr das wertvolle Cello zur Verfügung. FOTO: nancy horowitz
Stadt Kempen. Die niederländische Cellistin Harriet Krijgh und ihre aus Russland stammende Klavierbegleiterin Magda Amara begeisterten beim letzten Kammerkonzert dieser Saison mit Romantik. Von Heide Oehmen

Es ist schon schwindelerregend, zu welchen Gipfeln es manche Künstler in jungen Jahren bringen. Beispielsweise die 26-jährige Harriet Krijgh, die mit einem bemerkenswerten Abend die Kammerkonzertreihe in der Paterskirche für diese Saison beendete.

Die völlig natürlich und unbelastet, fast noch mädchenhaft wirkende Cellistin mit dem wehenden Pferdeschwanz und einer an die große Jaqueline du Pré erinnernden Attitüde gehört schon jetzt international zu den führenden Cellistinnen der jungen Generation. Das Concertgebouw Amsterdam ist ihr ebenso vertraut wie die Wigmore Hall in London, der Musikvereinssaal in Wien oder die Tonhalle Zürich. Mit der "Academy" und Sir Neville Marriner ging sie auf Tournee, demnächst debütiert sie in Boston und Sydney. Außerdem ist sie die Künstlerische Leiterin des Festivals "Harriet and friends" und des Kammermusikfestivals in Utrecht.

Für die Paterskirche hatten Krijgh und Magda Amara, ihre Begleiterin am Flügel, Romantisches und Spätromantisches gewählt. Die "Drei Romanzen" op. 94 von Robert Schumann - im Original für Oboe und Klavier, hier bearbeitet für Cello und Kalvier - schufen einen lichten, dem warmen Sommerabend angepassten Einstieg. - Mit dem ersten Satz seiner einzigen Sonate für Cello und Klavier g-Moll, op.65, haderte Frédéric Chopin so sehr, dass er ihn bei der Uraufführung, bei der er den Widmungsträger, den Cellisten Auguste Franchomme, begleitete, kurzerhand wegließ. Dieser Satz wirkt tatsächlich formal wenig unübersichtlich, unterschiedliche Gedanken haben wenig Eigenprofil. Das ist natürlich in keiner Weise den Interpretinnen anzulasten, wenn auch bereits hier - wie im Laufe des Abends noch häufiger - in virtuosen Fortepassagen das brillante und hochkarätige Spiel von Magda Amara so dominierte, dass manchmal der Celloton völlig unterging. Ein nur halb geöffneter Flügel wäre sicher hilfreich gewesen.

Das kapriziöse Scherzo der Chopin-Sonate mit dem cantablen Trio und mehr noch das Largo an dritter Stelle gaben der Cellistin die Möglichkeit, die Klangschönheit ihres Giovanni Paolo Maggini-Instrumentes aus dem Jahre 1620 nachdrücklich in Szene zu setzen. Mit dem schwungvollen Finale, bei dem die interpretatorisch gut harmonierenden Musikerinnen scheinbar spielerisch ihre anspruchsvollen Parts meisterten, wurde das Publikum in die Pause entlassen.

In Abänderung des gedruckten Programms kündigte Harriet Krijgh, die sich, auch im Namen ihrer Duopartnerin, herzlich bedankte, in Kempen spielen zu dürfen, die große, viersätzige Sonate g-Moll op.19 von Sergej Rachmaninow an. "Wenn Sie aber davonrennen wollen, dann tun sie das jetzt, das wäre der richtige Zeitpunkt", fügte die Künstlerin scherzhaft hinzu. Selbstverständlich verließ niemand die sehr gut gefüllte Paterskirche - das wäre auch ein Jammer gewesen, denn Krijgh und Amara beglückten mit einer in jeder Phase fesselnd- glutvollen Wiedergabe dieser 1901 entstandenen Tonschöpfung, die geprägt ist von melodischem und harmonischem Reichtum, gepaart mit emotionaler Dichte und Spontaneität. Zum interpretatorischen Gipfelpunkt geriet das mit Tiefenschärfe und Ausdrucksintensität meisterlich gestaltete Andante.

"The song oft the birds" hieß die Zugabe, mit der sich die von Beifall umrauschten Musikerinnen bedankten. Der berühmte Cellist Pablo Casals ist der Komponist des anmutigen kleinen Tongemäldes, und damit schloss sich der Kreis. Rachmaninow hatte seine Cellosonate mehrfach mit Casals als Solisten aufgeführt.

Quelle: RP
 
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