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Stadt Willich
Eine Alternative für Berufspendler

Stadt Willich: Eine Alternative für Berufspendler
Die Regiobahn-Station in Kaarst Mitte. Seit 1999 ist die Regiobahn (S 28) ein nicht mehr wegzudenkendes Verkehrsmittel mit steigenden Fahrgastzahlen. Zurzeit wird die Strecke von Mettmann nach Wuppertal verlängert. FOTO: MICHAEL REUTER
Stadt Willich. Auf einer offenen Fraktionssitzung der Willicher CDU-Fraktion informierte Stefan Kunig, Geschäftsführer der Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft, über neue Entwicklungen bei der S 28. Die CDU will die Strecke verlängern. Von Willi Schöfer

CDU-Fraktionsvorsitzender Johannes Bäumges konnte es nicht abwarten. "Wenn Sie Ende 2019 mit der Voll-Elektrifizierung der Regiobahn fertig sind, dann haben Sie doch Kapazitäten frei - oder?", fragte er Stefan Kunig, der seit Juni 2014 der neue Geschäftsführer der Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft ist. Die Union hatte zu einer offenen Fraktionssitzung ins Technische Rathaus eingeladen. Es ging um die Weiter-Verlängerung der S 28, vom Kaarster See bis zum Viersener Bahnhof. Kunig nickte.

Radio Eriwan würde zu dieser von Willich und Viersen gewollten Realisierung der Verlängerung der Linie vom Kaarster See über Schiefbahn nach Viersen sagen: "Im Prinzip ja, aber..." Und um dieses Aber auszuräumen, will die Willicher CDU jetzt erst einmal ihre Kollegen in Mönchengladbach überzeugen, dass es zu einer gemeinsamen Absichtserklärung aller drei beteiligen Stadträte kommt. Auch im Regionalrat und bei der VRR-Verbandsversammlung wollen sich jetzt verstärkt Unionspolitiker dafür stark machen, so Nanette Amfaldern und Guido Görtz. "Wir brauchen unbedingt diesen regionalen Konsens", wünschte Willichs Bürgermeister Josef Heyes, der mit seiner Technischen Beigeordneten, Martina Stall, gekommen war.

Gladbach steht der 14,3 Kilometer längeren Strecke derzeit sehr skeptisch gegenüber. In erster Linie deshalb, weil offenbar der weitere Anschluss bis nach Venlo derzeit nicht realistisch ist, von daher Gladbach keinen großen Nutzen sieht. Natürlich sind auch die Kosten ein Thema. Zuletzt war von jährlich ungedeckten Betriebskosten von annähernd acht Millionen Euro die Rede gewesen, die dann die Kommunen aufbringen müssen, durch die die verlängerte Strecke geht. Dies hängt natürlich auch vom Fahrgastaufkommen und von den erzielten Einnahmen ab.

Natürlich hatte Stefan Kunig als Vertreter der Regiobahn ein großes Interesse, das Trassennetz weiter auszubauen, weil eben diese Bahn seit der Inbetriebnahme ein Erfolgsprojekt sei. Kunig untermauerte dies mit den seit 1998 stetig gestiegenen Fahrgastzahlen auf der Strecke von Kaarst nach Düsseldorf: von vorher bei der DB täglich nur etwa 500 bis derzeit über 23.000.

Kunig stellte den derzeitigen Ost-Ausbau vor, von Mettmann bis zum Wuppertaler Hauptbahnhof. Das Ausbauprojekt kostet 76 Millionen Euro, wobei alleine die Elektrifizierung mit 29 Millionen zu Buche schlägt. Es soll in diesem Jahr realisiert werden. In den Jahren 2017 bis 2019 verabschieden sich dann die bislang mit Diesel betriebenen Bahnen ganz von der S 28-Strecke, die vollelektrifiziert werden soll.

Nach ersten Berechnungen würde eine Verlängerung bis nach Viersen rund 60 Millionen Euro kosten, plus neun Euro für den elektrischen Betrieb. Aus Fördermitteln des Landes und Bundes seien Zuschüsse von 80 bis 90 Prozent möglich. Und die erste Prognose der dann zu erwartenden täglichen Fahrgäste sei gut. Derzeit würde die Regiobahn an den Haltepunkten Kaarster See und Ikea von werktags täglich etwa 5.700 Fahrgästen benutzt. Bei einer Verlängerung sei ab Viersen mit täglich 3.700 Kunden zu rechnen, ab Schiefbahn (die Anschlussstelle ist in der Nähe des alten Schiefbahner Bahnhofes angedacht) seien dies 3.400, ab Kaarster See etwa 4.000 Fahrgäste.

Mönchengladbach erhielte keinen zusätzlichen Anschlusspunkt. Die neue Strecke an Neuwerk und an der Donk vorbei führt auch nur etwa zwei Kilometer auf Gladbacher Stadtgebiet. Könne man diese Trasse nicht ändern, war eine Frage in Willich. Davon hielt der Regiobahn-Verantwortliche überwiegend aus Kostengründen nicht all zu viel.

Man sei bereit, so Kunig weiter, ein mindestens zwei Jahre dauerndes Planfeststellungsverfahren mit den entsprechenden Umweltverträglichkeitsüberprüfungen einzuleiten, wenn es diese gemeinsame Absichtserklärung der drei Städte gäbe. Johannes Bäumges nannte eine sehr optimistische Zielvorstellung: "Uns muss es gelingen, dass wir dieses Planfeststellungsverfahren bis Ende 2019 über die Bühne bekommen."

Nicht allzu viele Bürger kamen zu dieser offenen CDU-Fraktionssitzung. Zu den Besuchern gehörten unter anderem das Schiefbahner Ehepaar Gerhard und Ursula Tobay, Vertreter vom Fahrgastverband "Pro Bahn" und vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Quelle: RP
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