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Stadt Willich
Eine etwas andere Zeitreise

Stadt Willich: Eine etwas andere Zeitreise
Das Haus Anrode der Lebenshilfe und das Lise-Meitner-Gymnasium sind nicht nur Nachbarn, eine gemeinsame Theatergruppe probt regelmäßig das neue Stück bis zur Premiere am 13. Mai. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Inklusion ist für das "Miteinander Theater" keine Theorie. Jeden Mittwoch treffen sich Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums und Menschen aus dem Haus Anrode, um für ein Theaterstück zu proben. Von Bianca Treffer

"Wir fangen mit der zweiten Szene an", gibt Christine Schierbaum vor. In die vielköpfige, bunt altersgemischte Schauspielerschar im großen Klassenraum des Lise- Meitner-Gymnasiums kommt Bewegung. Schüler nehmen Menschen mit Behinderung an die Hand und gemeinsam geht es in Richtung des ausgelegten Kunstrasens, der mit seinen beiden Toren ein Fußballfeld darstellt, wobei auf dem Grün sogar Gänseblümchen in Form von liebevoll gestalteten Papierblumen wachsen. "Wo sind die Handys?", möchte Schierbaum wissen, was etliche der jungen Darsteller in die hinteren Hosentaschen greifen lässt, wo die selbstgebauten Handys in XXL-Format stecken. Während Lars und Kaan die zweite Szene mit ihrem Telefongespräch starten, zieht Brigitte mit Hilfe von Schierbaum eine grüne Gartenschürze an und erhält noch ein paar bunt gemusterte Gartenhandschuhe dazu. "Ich spiele die Oma", verrät Brigitte, die genau wie Hans-Dieter, der in die Rolle des Opas schlüpft, im Haus Anrode wohnt. Beide bereiten sich auf die nächste Szene vor, die in ihrem Garten stattfinden wird, der schon an den Requisiten in Form von Gartenzwerg, Gieskanne, Blumenkästen, Körben und jeder Menge Obst und Gemüse zu erkennen ist.

Jeden Mittwoch verwandelt sich der Klassenraum in ein Probenzimmer für das "Miteinander Theater". Schüler des Gymnasiums und Menschen mit Behinderung spielen hier zusammen Theater. Aktuell wird dabei das Stück "Heute und Gestern sind wir Jetzt - Ein Stück vor und zurück" einstudiert. Seit dem vorigen Jahr kooperiert die Anrather Wohnstätte "Haus Anrode" der Lebenshilfe mit dem benachbarten Lise-Meitner-Gymnasium. Unter der Leitung von Lebenshilfe-Mitarbeiterin Schierbaum arbeiten die Schüler und Anwohner für je zwei Stunden zusammen, Für die Schüler finden die Proben im Rahmen des Schulangebotes "Soziale Kompetenz" statt. "Ich habe mir damals gedacht, wir sind Nachbarn, laufen aber aneinander vorbei", erinnert sich Schierbaum. Sie sprach die Schulleitung an und stieß auf offene Türen.

Bei den ersten Proben griff die Theatergruppe noch auf die Räumlichkeiten von Haus Anrode zurück. Schnell kristallisierten sich die Räumlichkeiten aber als zu klein heraus und man zog ins schräg gegenüberliegende Gymnasium um. "Ganz toll ist, dass die Schüler unsere Bewohner mittwochs immer abholen und sie gemeinsam zum Gymnasium gehen", freut sich Schierbaum. Sie ist von den neun Achtklässlern begeistert, die völlig ungezwungen und selbstverständlich mit ihren 13 gehandicapten Theaterkollegen umgehen.

Das neue Stück hat dabei ein besonderes Thema zum Inhalt. Es geht um Demenzerkrankungen und die Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis eines Erkrankten, so dass die Szenen immer zwischen heute und früher springen. "Die heutige Handygeneration steigt quasi in die Welt von gestern ein", informiert Schierbaum. Die Enkel besuchen im Theaterstück Oma und Opa und lernen ein stückweit die Vergangenheit mit Waschküche, Kohlenkeller und Jahrmarkt kennen. Durch die finanzielle Unterstützung des inklusiven Projektes von Aktion Mensch konnte das "Miteinander Theater" modernes technisches Equipment anschaffen.

Quelle: RP
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