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Stadt Kempen
Eine Hymne an das Leben mitten im Ersten Weltkrieg

Stadt Kempen. Die Kempenerin Ingrid Wolters weist auf Felix Timmermans Buch "Pallieter" hin, das vor genau 100 Jahren erschien. Von Heribert Brinkmann

Sein Erscheinen war wie die Sonne, die durch die schwärzesten Wolken brach. So kündigte Gaston Durnez, Autor einer Timmermans-Biografie, im Dezember 2015 ein ganz besonderes Jahr an: "Vor 100 Jahren ist der bekannteste Held von Felix Timmermans in die weite Welt gezogen. ,Pallieter' erschien 1916, mitten im Ersten Weltkrieg." Anfang Juli hat der flämische Felix Timmermans-Kring in Lier bei Antwerpen den ganzen "Pallieter" gelesen. "Es dauerte 7 Stunden und 45 Minuten, und wir waren sehr erschöpft, aber auch ein bisschen stolz", schrieb der Vorsitzende an die "lieben Freunde" in Kempen.

Mit den lieben Freunden sind Paul und Ingrid Wolters gemeint. Sie war über viele Jahre Vorsitzende der deutschen Felix-Timmermans-Gesellschaft, zusammen mit ihrem Mann Paul, der durch seine Großmutter Niederländisch spricht, hat sie etliche Timmermans-Werke neu ins Deutsche übersetzt. Doch die Deutsche Gesellschaft ist aufgelöst, und ihre langjährige Vorsitzende räumt auf. Sie trennt sich von vielen Timmermans-Büchern, die sie über einen Büchertisch vor ihrer Haustür anbietet (siehe Kasten).

Vor 100 Jahren, am 5. Juli 1916, erhielt der flämische Dichter Felix Timmermans zu seinem 30. Geburtstag das erste Exemplar seines Buches "Pallieter", gedruckt in Amsterdam in einer Auflage von 1.225 Exemplaren. Es wurde sein erstes Erfolgsbuch. In Deutschland erschien "Pallieter" nach Ende des Ersten Weltkrieges erst 1921, und danach in 13 weiteren Sprachen, zuletzt 1980 in Polnisch und 2004 in Japanisch. Der deutsche Pallieter erschien im Insel-Verlag in Leipzig. Die erste Auflage betrug 4.000 Exemplare, 1940 waren davon bereits 160.000 Bücher verkauft, und 1959 dann 284.000 Exemplare. Die 50. deutsche Auflage wurde 1993 gedruckt. "Kein flämischer Dichter ist in Deutschland mehr gelesen und geliebt worden als Felix Timmermans. Auch eine neue Generation kann in seinen Werken die Daseinsfreude, die Poesie der kleinen Dinge, die Liebe zur Natur und andere verlorengegangene oder bedrohte Werte wiederfinden. Denn Timmermans ist mehr als Literatur", sagte José de Ceulaer, von 1972 bis 1992 Vorsitzender der flämischen FTG.

Als 1998 der Roman-Navigator von Rolf Vollmann "Lieblingsromane" aus 200 Jahren auflistete, stand unter 1916 "Pallieter" von Felix Timmermans. "Es ist kein gewöhnlicher Roman, sondern ein buntes Mosaik von Episoden, verbunden durch die einzigartige Type des 'Tagesmelkers' Pallieter", heißt es im Lexikon der Weltliteratur von 1961: "ein Werk von dionysischer Lebensfreude, eine überschwengliche Hymne an das Leben und die herrliche Natur". Von Carl Zuckmayer ist der Ausspruch überliefert: "Jedes Buch von Timmermans ist herrlich. Seinen Pallieter aber soll man immer wieder lesen." 1941 nahm Timmermans am Weimarer Dichtertreffen teil. Wegen seiner guten Kontakte nach Deutschland wurde er 1945 in seiner Heimatstadt Lier unter Hausarrest gestellt. Er starb 1947.

Quelle: RP
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