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Willich
Eine musikalisch-literarische Zeitreise mit Joachim Ringelnatz

Willich. Seit vielen Jahren ist der Erprathshof der Familie Furth in Tönisberg ein beliebter Aufführungsort für Veranstaltungen der alle zwei Jahre stattfindenden "Muziek Biennale Niederrhein". Auch dieses Mal, da es hieß "Denn alles, was lange währt, ist leise - Musik und Lyrik im Dialog" konnte die weiträumige Scheune des stattlichen Hofes die Besucher kaum fassen. An Tischen sitzend und gut versorgt mit Getränken, verfolgte das sich offensichtlich weitgehend vertraute Publikum zwei Stunden lang mit ungebrochener Aufmerksamkeit und, wenn geboten, auch eifrig mitreimend, Gedichte und Erzählungen von Joachim Ringelnatz. Der 1883 geborene Heinz Bötticher, der sich erst im Jahre 1909 den bekannten Künstlernamen zulegte und den Erich Kästner einmal "einen verkannten Dichter" nannte, streift in seinen Betrachtungen fast jede menschliche Befindlichkeit - mal witzig, mal tieftraurig, mal total widersinnig, dann wieder mit einer sinnlichen Tiefe, die unter die Haut geht. Von Heide Oehmen

Der Schauspieler und Rezitator Bernt Hahn traf genau den richtigen Ton für die Vielfalt der Vorträge - dank sorgfältiger Diktion, die jedoch immer locker blieb und selbst bei tragischen Passagen jegliches falsche Pathos mied.

Der Nachmittag hieß "Musik und Lyrik", doch die Musik kam ein wenig zu kurz. Schon die Tatsache, dass es keine Programmblätter gab, auf denen die vorgetragenen Werke verzeichnet waren, wurde den ausführenden Künstlern nicht gerecht. Dazu kam, dass zumindest im ersten Teil die langen Textpassagen ruhig von weiteren Musikbeiträgen hätten aufgelockert werden können. Ungeachtet dessen erwiesen sich der Geiger Werner von Schnitzler und der Pianist Cosmin Boeru als erstklassige Künstler, die nicht nur ihre Instrumente traumwandlerisch sicher beherrschen, sondern auch in unterschiedlichsten Stilistiken zu Hause sind.

Der Geiger, 1978 in Köln geboren, studierte u.a. bei Igor Ozim, Viktor Tretjakow und Pinchas Zukermann, er kann auf zahlreiche Preise sowie Rundfunk -und Fernsehauftritte verweisen. Bei vielen namhaften Orchestern trat er als Solist auf.

Der Rumäne Cosmin Boeru (geb. 1979) gab bereits im Alter von elf Jahren sein Debüt als Solist mit Mozarts Klavierkonzert KV 246. Im Jahre 1990 übersiedelte er nach Italien und setzte seine Studien dort fort. Einer seiner Förderer war Alexis Weissenberg. Boeru, inzwischen Dozent an der Hochschule für Musik in Köln, konzertierte beim Beethoven-Fest Bonn und diversen Festivals in Griechenland, Ungarn, Rumänien und Italien. Im Erprathshof überzeugte das bestens miteinander harmonierende Duo mit Kompositionen von Jean-Marie Leclair, Dmitri Schostakowitsch, Igor Strawinsky, Francis Poulenc, Maurice Ravel, Eric Satie und Fritz Kreisler.

Quelle: RP
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