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Stadt Willich
Eine Premiere mit Lachtränen

Stadt Willich. Einen Angriff auf die Lachmuskeln starteten die Laienschauspieler des Vereinigten Männerchores 1820 Willich. Mit dem Schwank "Currywurst und Kaviar" begeisterten sie die Besucher. Von Bianca Treffer

Kaum hat Michael Atsuki seinen ersten Begrüßungssatz gesprochen, da sind schon die ersten Lacher zu hören. "Wir präsentieren heute Abend eine adlige Verwechslungskomödie, bei der sie genauestens zuhören müssen. Es gibt nämlich einen Abschlusstest, bei dem wir gucken, wer zugehört hat. Es sind so rund 200 Fragen", scherzt der Vorsitzende des Vereinigten Männerchores 1820 Willich. Eine Ansage, die die Besucher schmunzeln lässt. Und dann geht es auch schon los mit dem Aufpassen.

Die Bühne im Saal der Willicher Gaststätte Krücken ist zum Schloss derer von Schippenstiel mutiert. Genauer gesagt geht es in den Salon der adligen Familie. Der gemauerte Kamin, über dem das Hirschgeweih thront, die Bilder in dicken Goldrahmen, die silbernen Kerzenleuchter auf dem Kaminsims, weitere Geweihe an den Wänden, der gemütliche Ohrensessel in der Ecke - es strotzt nur so vor Vornehmheit. Aber irgendetwas scheint nicht zu stimmen, denn Gräfin Eleonore (Annelene Makowski) sitzt in dicker Fellweste, mit dem Muff um den Hals hängend, im Ohrensessel. Auch Butler Johann (Franz Schüller), den Staubwedel schwingend, kommt mit Weste und Mütze samt heruntergeklappten Ohrenteilen daher. Des Rätsel Lösung hat Johann parat: "Es ist kein Heizöl mehr da", informiert er. Es wird auch keins kommen, denn die letzte Rechnung ist noch nicht bezahlt. Die Familie von Schippenstiel ist pleite, und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Gräfin Eleonore hat in der Zeitung entdeckt, dass der Wurstkönig Moritz Knackfrisch (Werner Kruse) gern einen Adelstitel hätte - und zwar eingekauft gegen eine entsprechende Geldsumme. Sie beschließt kurzerhand, ihn zu adoptieren, ohne allerdings ihren Mann, Graf Leopold von Schippenstiel (Jochen Makowski) zu informieren. Also reist die gesamte Familie Knackfrisch samt Ehefrau Hilda (Brigitte Schiffer), Tochter Jo (Nicky Küsters) und Oma Serafine (Annemie Küppenbender) ins hochherrschaftliche Schloss. Ihr erster Aufritt sorgt für Lachtränen pur. Er in Glitzerjackett mit Unmengen von Ringen an den Fingern, samt dicker Goldkette um den Hals und Sonnenbrille im pomadigen Haar, sie im schrillen bunten Outfit samt Federboas, Oma Serafine mit Zigarre und Hut sowie Tochter Nicky im Gammellook mit Lederjacke.

Sie sind aber nicht die einzigen Gäste. Aufgrund eines Unfalls im Pfarrhaus sind Pfarrer Tebartz van Elst (Atsuki) und seine Haushälterin Jolante (Johanna Greis) ebenfalls ins Schloss gezogen, und Matthias Rosenfels (Heinz Jakob Gather), der Neffe von Butler Johann, weilt auch zu Besuch. Und damit nehmen die Verwechslungen ihren Lauf.

Graf Leopold wird von seiner einstigen Affäre und deren Ergebnis eingeholt, wobei der Pfarrer allerdings verdächtigt wird, der Urheber des unehelichen Sohnes zu sein, weil er für seinen Freund, den Grafen, dessen Alimente zahlte. Herrliche Szene, wenn der blasierte Butler Johann das Wort schwingt, Haushälterin Jolante in rußgeschwärzter Bluse samt Schürze dem Pfarrer beichtet, dass sie aus Versehen das Pfarrhaus in Brand gesetzt hat oder Neffe Matthias über seine Ähnlichkeit mit dem Grafen stolpert.

Lautes Gelächter, als Hilde und Moritz Knackfrisch vor Neffe Matthias auf die Knie fallen, weil sie ihn für den Grafen halten und Tochter Nicky Aufklärungsarbeit leisten muss. Fantastisch die Dialoge zwischen Graf und Pfarrer, die dazu noch von der schwerhörigen Oma Serafina verwechselt werden. Die zehn Schauspieler setzten das Stück "Currywurst und Kaviar" von Beate Irmisch unter der Regie von Makowski mit Bravour um. Das Publikum dankte es dem Ensemble, indem es nicht mit Applaus geizte.

Quelle: RP
 
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