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Stadt Kempen
Einfach mal den Mund halten . . .

Stadt Kempen. Paartherapeut Hubert Geurts über Schuld und Vergeben in einer Beziehung. Von Heiner Deckers

Ob eine Kleinigkeit oder etwas Gravierendes - in jeder Beziehung gibt es Situationen, in denen es um Schuld und Vergebung geht. Für den Kempener Paartherapeuten Hubert Geurts, der seine Praxis an der Engerstraße hat, sind solche Situationen beruflicher Alltag. Ein Streit sei meist ein Zeichen für Unzufriedenheit in der Beziehung - ein Signal, dass man sich nicht wohlfühlt. Oft sind solche Auseinandersetzungen "historisch" bedingt: "Der Grund liegt in der Vergangenheit, und keiner weiß mehr so genau, worum es eigentlich geht." Oft sei einer der Kontrahenten der Meinung, der der andere habe irgendetwas getan und wolle es nicht zugeben.

Eine Möglichkeit, die Wogen zu glätten, bestehe, so Geurts darin, eine Schuld für etwas zu übernehmen, wenn man gar keine hat. Es gehe nämlich oft gar nicht um die Sache selber, sondern um tiefer liegende Ursachen: "Wenn bei einem Auto die Öllampe brennt, wechsele ich nicht die Lampe aus, sondern kontrolliere den Ölstand." Auf den Streit bezogen: "Man entfernt sich meist vom eigentlichen Kern."

Kann man streiten lernen? Ja, sagt Geurts, wenn man konsequent um eine Sache kämpfe, wenn man gemeinsam nach einer tragfähigen Lösung sucht. Problematisch werde es in dem Moment, in dem ein Streit auf eine persönliche Ebene gerät und das Sachthema verlässt. Das könne so weit führen, dass man denkt: Der andere hat ja Recht, aber das würde ich niemals zugeben. "Dann geht es nur noch darum, den anderen zu erniedrigen", sagt Geurts.

Wie soll man reagieren, wenn man ein schlechtes Gewissen hat und sich aus irgendwelchen Gründen schuldig für etwas hält? Für Geurts die beste Lösung: "Mann sollte die Sache offen und zeitnah ansprechen und keinem die Schuld geben." Dann solle man erst einmal den Mund halten und nicht nach Rechfertigungen suchen: "In solchen Situationen wird oft zu viel als zu wenig gesprochen." Geht beispielsweise einer der Ehepartner fremd und hat ein schlechtes Gewissen, sei es nicht zwangsweise so, dass er sich schuldig fühlen muss. Er solle aber auch nicht hingehen und die Schuld beim anderen suchen.

Es sei auch definitiv der falsche Weg, ein leidiges Thema nicht anzusprechen, sondern totzuschweigen. "Man kennt sich doch genau und merkt, wenn mit dem Partner etwas nicht stimmt, dass ihn etwas bewegt", sagt der Therapeut.

Dann gibt es die Möglichkeit, dass der Partner den anderen dabei erwischt, etwas zu tun, was es besser nicht tun sollte. Das muss nicht Fremdgehen sein, oft sind es eher Kleinigkeiten. Man verspricht, keine Schokolade mehr zu essen, und wird mit einer halben Tafel in der Hand ertappt. Leugnen sei zwecklos, sagt Geurts, obwohl der eine oder andere es aus reinem Reflex versuche. Wichtig sei es in diesem Fall, nicht zu viel zu versprechen. Je nach Situation solle man besser einfach mal gar nichts sagen, ansonsten drohe ein Streit mit Eskalationspotenzial, an dessen Ende wahrscheinlich keine Vergebung stehe. Der größte Fehler sei es zu sagen, das komme nie mehr vor. Man solle besser zusagen, sein Bestes zu tun, den Fehler nicht noch einmal zu begehen - quasi eine goldene Brücke auf dem Weg zur Vergebung.

Quelle: RP
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