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Stadt Willich
Eintauchen in die Welt des alten Ägypten

Stadt Willich: Eintauchen in die Welt des alten Ägypten
Ägyptologe Dr. Wolfgang Boochs mit seinem neusten Buch "Die Kopten. Kirche der Märtyrer". Die "Nofretete" in seinem Neersener Eigenheim ist allerdings nur eine Gipskopie. Das Original steht im Neuen Museum Berlin. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Der Neersener Ägyptologe Wolfgang Boochs hat ein neues Buch geschrieben: "Die Kopten. Kirche der Märtyrer" erschien vor wenigen Tagen. Der Erlös geht an die Stiftung "Christen in Not"des koptischen Bischofs Anba Damian. Von Heribert Brínkmann

Im Resümee kommt der Autor zum Schluss: "Christsein war noch nie so gefährlich wie heute. Weltweit werden fast 100 Millionen Christen diskriminiert, bedroht, verfolgt und ermordet." Eine Kirche, die in ihrer nahezu 2000-jährigen Geschichte fast immer verfolgt war, ist die der koptischen Christen in Ägypten. Der in Neersen lebenden Ägyptologe Dr. Wolfgang Boochs hat über ihre Geschichte ein neues Buch geschrieben: "Die Kopten. Kirche der Märtyrer" erschien vor wenigen Tagen im Bernardus-Verlag.

Bei seinem letzten Ägypten-Aufenthalt im Herbst begegneten Boochs in Kairo auch vereinzelt Männer mit der schwarzen Fahne vom Islamischen Staat. Doch im Moment hat sich die Lage für die Kopten in Ägypten beruhigt. Starke Staatslenker wie Nasser und aktuell as-Sisi, der die Armee hinter sich weiß, bedeuten mehr Sicherheit und Schutz für die religiöse Minderheit der orthodoxen Kopten, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Das entspricht etwa 12 Millionen Christen in Ägypten.

Was Boochs an den Kopten so fasziniert, ist ihre alte Geschichte. Die Kopten stammen aus dem alten Ägypten. Der Apostel Markus kam als Missionar nach Alexandria. Bis ins 7. Jahrhundert wuchs die Zahl der Christen in Ägypten. Die Kopten gehören zu den altorientalischen Kirchen (wie Syrer und Armenier), die an die vollkommen göttliche Natur von Christus glauben. Erst mit der Eroberung Ägyptens durch die Araber begann wieder ihre Unterdrückung und Verfolgung. Sie wurden vom Staat auch mit hohen Steuern belegt, um sie zum Übertritt zum Islam zu überzeugen.

Der Umschlag des neuen Buches zeigt die orthodoxe St. Georgs-Kathedrale in Beirut. Der Turm der Kirche erscheint auf den ersten Blick wie ein Minarett - bis auf den Abschluss mit einem Kreuz. Das Bild verdeutlicht ziemlich gut, wie sehr sich die koptische Kirche in der islamisch geprägten arabischen Welt eingerichtet hat. Doch mit den Unruhen und Regierungswechseln im Zuge des Arabischen Frühlings begannen wieder die Schwierigkeiten und Überfälle in Ägypten. Schon früher sind viele Kopten ins Ausland geflüchtet.

In Deutschland leben etwa 6000 Kopten in elf Gemeinden. Die nächste Gemeinde befindet sich in Düsseldorf. Mitte der 1990er Jahre lernte Wolfgang Boochs den Bischof der deutschen Kopten, Anba Damian, kennen. Wie Boochs erzählt, war es für ihn ein menschlich sehr bewegendes Erlebnis. Der Bischof begrüßte ihn wie einen alten Freund mit großer Herzensfreude. Bis heute haben sie ein freundschaftliches Verhältnis. Im vergangenen Jahr haben sie gemeinsam die Stiftung "Christen in Not" gegründet, die Boochs als Treuhänder verwaltet. Auch der Erlös des neuen Buches soll in diese Stiftung fließen, ebenso von seiner Broschüre "Fragen und Antworten zum koptischen Christentum", die Boochs mit Zeichnungen von Joachim Stallecker selber herausgegeben hat. Vor zehn Jahren hatte Boochs bereits als Herausgeber das Buch "Geschichte und Geist der Koptischen Kirche" initiiert, das inzwischen ins Arabische, Englische, Französische und Russische übersetzt wurde und Aufsätze namhafter Koptologen enthält.

Woher kommt das große Interesse an den Kopten und ihrem Schicksal? Schon zur Schulzeit hatte Boochs ein Faible für die alten Sprachen, er war gut in Latein und Griechisch. Damals keimte der Wunsch auf, Archäologie zu studieren. Doch sein Vater wollte, dass sein Sohn "etwas Vernünftiges" lernte. So belegte Boochs Jura und ging als Referendar in die Finanzverwaltung, für seinen Vater das "Allervernünftigste". Im Finanzamt in Kempen fing Boochs 1976 an. Aber sein Traum der Altertumswissenschaften war weiter lebendig. So schrieb er sich erneut an der Uni ein und fuhr jeden zweiten Tag nach Feierabend von Kempen nach Köln und studierte acht Semester Ägyptologie. Auch wenn es anstrengend war, hat ihm diese Zeit Spaß gemacht, bekennt Boochs. Seine Dissertation zum Thema Siegel im alten Ägypten untersuchte und interpretierte juristische Papyri - ein Thema, das Jura und Ägyptologie verband und ihm auf den Leib zugeschnitten war. Heute ist der 72-Jährige längst pensioniert und als Anwalt und Steuerberater freiberuflich tätig. Und er ist ein fleißiger Autor, wie die Liste seiner Bücher zu juristischen Themen und zu den Kopten in Ägypten beweist.

Quelle: RP
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