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Stadt Willich
Elektroautos fehlt noch der Schwung

Stadt Willich. In Willich und Tönisvorst fahren bisher nur recht wenige Elektroautos. Daran ändert auch die Kaufprämie nichts. Ein Grund: Das Tankstellennetz ist noch recht lückenhaft. Beliebt sind hingegen Elektrofahrräder. Von Willi Schöfer

Auch in den Städten Willich und Tönisvorst gibt es offenbar nicht den großen Zulauf, den sich die Politiker durch die Umweltprämie von bis zu 4000 Euro beim Kauf von Elektroautos erwartet hatten. Dies bestätigen zumindest einige Autohäuser. In der Anschaffung zu teuer, im Einsatz als Dienst- und Nutzfahrzeug, so für den städtischen Ordnungsdienst oder in den Bauhöfen, nicht effektiv genug. Allerdings gibt es eine stete Nachfrage nach E-Bikes.

Anfang August waren beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erst etwas mehr als 800 Zuschussanträge eingegangen. Seit dem 2. Juli gibt es Fördergelder beim Kauf der teuren E-Autos. Besonders auf die Elektro-Mobilität will die Stadt Willich am 4. September (von 11 bis 17 Uhr, Innenhof des Neersener Schlosses) bei einem speziellen Info-Tag zu diesem Thema aufmerksam machen. "Etwa ein Dutzend Händler stellen dann ihre elektrobetriebenen Fahrzeuge vor, vom Rad bis zum Rollstuhl, vom Auto bis zur Pritsche", sagt Charly Hübner, der mit Klimamanager Marcel Gellißen dieses Premieren-Event vorbereitet. (Siehe auch unten stehenden Artikel)

Im Vergleich zu anderen Kommunen ist die Willicher Stadtverwaltung in Koordination mit den Stadtwerken und den Gemeinschaftsbetriebe Willich (GBW) schon etwas weiter. So gibt es neben zwei E-Bikes für kurze Dienstfahrten der Mitarbeiter drei weitere Elektrofahrzeuge. Zwei davon nutzt die GBW zur Pflege und Wartung in den Parks oder auf den Friedhöfen. "Unsere Mitarbeiter fahren bereits im fünften Jahr eine Pritsche, außerdem seit 2015 einen Mini-Kipper", sagt GBW-Leiter Bernd Kuhlen. Allerdings gibt es manche Probleme - gerade in den Wintermonaten, wenn die Heizung eingeschaltet ist und der dafür benötigte Strom die Akkus schnell leermacht. Auch das Radio sei ein Stromfresser. Außerdem sei, wenn dann noch ein kleiner mit Grünschnitt voll beladener Hänger gezogen wird, die Leistungsfähigkeit der Akkus im Nu aufgebraucht. "Wir schauen uns dennoch immer wieder auf dem Markt um und hoffen, dass bald die Technik und die Funktionalität besser werden", ergänzt Kuhlen. Bei der GBW kommt ferner ein großer strombetriebener Straßen-Müllsauger zum Einsatz.

"Im Prinzip ja, aber ..." , könnte man derzeit über den Einsatz der Elektro-Autos in der Stadt Tönisvorst sagen. Ordnungs- und Personalamtsleiter Wolfgang Schouten bestätigt zwar, dass man grundsätzlich solchen Fahrzeugen interessiert sei, schränkt aber ein: "Wir haben einige E-Autos teilweise über mehrere Wochen von unseren Außendienstlern, vom kommunalen Ordnungsdienst oder von den Vollstreckungsbeamten, testen lassen und sind zum Ergebnis gekommen, dass dies derzeit überhaupt nicht effektiv ist." Schouten spricht die unzureichende Betriebsdauer bei den vielen kurzen Touren an und kommt zu dem Ergebnis: "Die maximale Fahrleistung liegt bei anfangs vollem Akku nur zwischen 100 und 120 Kilometern, die Autos hängen mehr an der Steckdose als sie im Einsatz unterwegs sind." Erst müssten die Hersteller mal nachrüsten und die Autos auch preisgünstiger anbieten. Öffentliche Ladestationen für E-Bikes und E-Autos gibt es in Tönisvorst nicht, Schouten dazu: "Wir werden in Kürze deswegen Gespräche mit der NEW führen."

Eine Ladestation für Elektroautos gibt es hingegen vor der Zentrale der Stadtwerke Willich an der Brauereistraße. Doch die wird hauptsächlich von den stadtwerkeeigenen Autos genutzt, weniger von anderen Kunden. So wurde dort im vergangenen Jahr nur rund 60 Mal getankt. Seit der Umweltprämie sind dort keine neuen E-Fahrzeuge dazu gekommen. Eine Mitarbeiterin: "Leider ist es bis heute nicht gelungen, Strom effizient und günstig zu speichern." Gehofft wird offenbar darauf, dass die Akkus in der Herstellung preiswerter werden. Auch der derzeit geringe Spritpreis trägt sicherlich nicht zu einem Umdenken bei. Jedenfalls sind die Stadtwerke auf Dauer überzeugt davon, dass sich die Elektroautos immer mehr durchsetzen. Eine weitere ihrer Ladestationen gibt es vor dem Technischen Rathaus in Neersen. Von diesem Angebot wird ebenfalls nur selten Gebrauch gemacht.

Zu den Ladestationen der E-Bikes: Diese sind in Kempen, Tönisvorst und Grefrath nur vereinzelt und selten anzutreffen. Hingegen findet man auf den Internet-Seiten der Willicher Stadtverwaltung unter dem Begriff "Mobilität" etwa 20 noch gültige Adressen von Gastronomiebetrieben, bei denen die Elektroräder kostenfrei aufgeladen werden können. Das Ladegerät muss natürlich mitgebracht werden. Dazu zählen unter anderem das Schiefbahner Restaurant "Kaiserhof", der Stautenhof auf den Anrather Darderhöfen, Haus Grootens (Willich) oder der Neersener Glasladen am Grenzweg.

"Die Nachfrage nach E-Bikes ist im Vergleich zu 2015 in etwa konstant geblieben", sagt der Inhaber des Kempener Radsportgeschäftes an der Judenstraße 24, Markus Claassen. Von zehn verkauften Rädern verkauft Claassen im Schnitt nach wie vor zwei E-Bikes. Motor- und Reichweite dieser Räder seien im Laufe der Zeit schon ziemlich ausgereift.

Quelle: RP
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