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Stadt Willich
Ernüchterndes Desinteresse

Stadt Willich: Ernüchterndes Desinteresse
Willichs Kämmerer Willy Kerbusch schafft es, komplexe Zusammenhänge verständlich und unterhaltsam zu erklären. Doch nur wenige Bürger folgten seiner Einladung. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Willichs Kämmerer Willy Kerbusch hatte Bürger zu einem Informationsabend eingeladen, um den Haushalt 2016 zu erläutern. Doch es kamen hauptsächlich Ratsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter. Von Nadia Joppen

Das Ergebnis ist ernüchternd: Zu der ersten Bürger-Infoveranstaltung zum Willicher Haushalt am Donnerstagabend kamen lediglich zehn Zuhörer, die augenscheinlich nicht einer Partei, der politischen Arbeit in Willich oder der Verwaltung zuzuordnen waren - die anderen etwa 25 Zuhörer waren Ratsmitglieder oder Verwaltungsmitarbeiter. Kämmerer Willy Kerbusch hatte die Veranstaltung terminiert, um den Bürgern darzulegen, wie ein städtischer Haushalt strukturiert ist, welche Finanzierungssystem es gibt, warum Willich sparen muss und es so wichtig ist, den Haushalt auszugleichen, damit die Ratsmitglieder als gewählte Vertreter der Bürger und die Verwaltung gemeinsam die Entscheidungen in der Stadt gestalten können.

Sei der Haushalt nicht ausgeglichen, müsse er dem Landrat zur Genehmigung vorgelegt werden, und der werde unter Umständen darauf bestehen, bestimmte Projekte, die sich die Willicher wünschen, aus Spargründen zu streichen, so Kerbusch. Unter anderem erklärte er, welche finanziellen Überlegungen hinter dem geplanten Baugebiet "Schiefbahner Dreieck" stecken, und sagte, dass er im Interesse der Stadt die jetzige Kaufoption nutzen wolle. Die läuft bis 31. Dezember, danach wollen die Eigentümer den Quadratmeter-Preis erhöhen. Er sei als gewählter Beamter verpflichtet, Schaden von der Stadt abzuhalten, so Kerbusch - und meinte im Nebensatz, dass er sich vorstellen könne, einen Teil der Fläche für notwendige städtische Bauten zu nutzen. Hintergrund: Die Stadt braucht Wohnungen zur Unterbringung von Asylbewerbern. Sie plant Objekte in Schiefbahn und Neersen, die später im sozialen Wohnungsbau genutzt werden könnten.

Bei der Frage, wie sich "Stadt" finanziert, brachte er neben den für die Bürger offensichtlichen Steuern und Gebühren das Thema "städtische Beteiligungen" vor: Die Stadt Willich erzielt Einnahmen aus mehreren Unternehmens-Beteiligungen wie den Stadtwerken oder dem Wasserwerk, der Volksbank Mönchengladbach oder der Raiffeisenwarengenossenschaft RWG sowie dem städtischen Eigenbetrieb Gemeinschaftsbetriebe Willich. Andere Städte haben diese Einnahmequellen nicht mehr, weil sie ihre Beteiligungen verkauft haben.

Thema war auch die geplante Erhöhung der Elternbeiträge für Kitas und OGS. Das sei nur eine von ganz vielen Stellschrauben und Sparmaßnahmen, so Kerbusch. Zu dem Thema kam nach dem einstündigen Vortrag die einzige Frage: Stefan Dörhöfer wollte wissen, ob klar sei, wie die Erhöhung ausfallen werde. Kerbusch erwiderte, dass das im Fachausschuss beraten und mit den Eltern besprochen werde. Auf jeden Fall solle es sozial ausgewogen abgestuft werden. Damit war der Fragesteller zufrieden. Auf Anfrage erklärte er nach dem Vortrag, er finde es gut, dass die Stadt "so was macht. Wenn man sich nicht informiert, kann man sich nicht beschweren".

Kerbusch betonte, dass die Bürger in den nächsten Wochen formlos - "auch auf einem Schmierzettel oder Bierdeckel" - ihre Anregungen bei der Stadt einreichen können. "Alles, was wir lesen können, wird bearbeitet", von der Verwaltung eingeschätzt und den Ratsmitgliedern zur Beratung weiter geleitet. Online geht es auch - auf www.stadt-willich.de

Quelle: RP
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