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Stadt Willich
Erst mahlen, dann filtern

Stadt Willich: Erst mahlen, dann filtern
Günther und Astrid Kampmann zeigen eine kleine Auswahl ihrer riesigen Sammlung, die sie in großen Vitrinen aufbewahren. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Astrid und Günther Kampmann haben ein Faible: Kaffeefilter. Das Willicher Ehepaar besitzt eine Melitta-Filter-Sammlung von rund 600 Exemplaren.

Welche Leidenschaft Astrid und Günther Kampmann haben, ist schon im Flur ihres Hauses erkennbar. In den Vitrinen stehen Filter von Melitta in unterschiedlichen Formen, Farben, Materialien und Nutzungsmöglichkeiten. "Die Filter mit den kleinen Verschlussstäben waren nicht für die Kaffee-, sondern die Teezubereitung gedacht", erklärt Astrid Kampmann, nimmt einen der Porzellanfilter in die Hand und erklärt das Prozedere, bei dem Filtertüte und Tee in den Filter kamen, der Tee dort zog und später durch Herausziehen des Stabes in die Kanne fließen konnte. Die passenden Teemühlen von Melitta zieren ebenfalls die Vitrinen.

In zwei Räumen hat das Willicher Ehepaar ein regelrechtes Melitta-Museum eingerichtet. Werbematerial aus den Anfängen von Melitta auf, denen Aussagen wie "Erst mahlen, dann filtern" zu lesen sind, Raritäten wie die Kanne Diabolo, die eine Kanne mit einem eingebauten Filter darstellt, winzige Puppenfilter oder Tassenfilter mit Pads aus den 60er-Jahren - zu sehen gibt es jede Menge. "Melitta war quasi schon vor Jahrzehnten der Vorreiter in Sachen Pads, wobei sie sich seinerzeit aber nicht richtig durchgesetzt haben", berichtet Günther Kampmann.

Dass es einmal eine so umfassende Filtersammlung werden würde, hätten sich Astrid und Günther Kampmann Mitte der 80er-Jahre nicht träumen lassen. "Eigentlich sammelten wir Sachen der 50er-Jahre. Dazu gehörten natürlich auch die pastellfarbenen Geschirre von Melitta aus dieser Zeit", berichtet Günther Kampmann. Die beiden stießen über die Geschirre auf die ersten Filter und waren erstaunt, was dieses Stück Alltagskultur mit sich brachte. Astrid und Günther Kampmann tauchten in die Melitta-Geschichte ein und waren begeistert. Die Sammelleidenschaft für Kaffeefilter hatte sie gepackt.

Es ging auf Flohmärkte, das Internet wurde durchforstet, und sie lernten weitere Sammler kennen, mit denen getauscht wurde. Die Sammlung wuchs. Zudem setzte das Willicher Ehepaar Zeitungsannoncen im Mindener Raum auf, wo sich der Firmensitz von Melitta befindet. In diesen informierten sie über ihre Sammlung und baten um Kontaktaufnahme. Die Resonanz war überwältigend. "Wir haben viele Anrufe bekommen, jede Menge interessanter Menschen kennengelernt und fantastische Sachen für unsere Sammlung erhalten und gekauft", erinnert sich Astrid Kampmann.

So kamen die beiden unter anderem zu ihrem Nachbau eines Urfilters. Vom Original, das Melitta Benz einst erfand, gibt es einige wenige Nachbauten. Der Messingtopf mit den Löchern, den Benz einst mit Löschpapier bestückte, ziert so die Sammlung der Kampmanns. Von einem älteren Herrn, der für Melitta Werbekampagnen gemacht hatte, bekamen die Willicher Entwürfe geschenkt. "Natürlich haben wir auch Flops erlebt. Wir fuhren auf einen Anruf irgendwo hin und stießen auf eine Wanne mit kaputtem Melitta-Geschirr, für das jemand horrendes Geld haben wollte", erzählt Günther Kampmann.

Neben der Jagd auf Melitta-Schätzchen gestaltet sich die parallel laufende geschichtliche Recherche nicht minder interessant. "Melitta war eine der ersten Firmen, die eine Marketing-Strategie hatten. Sie ließen ihren Schriftzug schützen, hatten eine Leitlinie in ihren Farben. Dazu kam, dass sie Schaufensterwerbeartikel herstellten, die sie den Händlern zur Verfügung stellten, damit sie ihre Schaufenster dekorieren und so Reklame für Melitta machten", berichtet Astrid Kampmann.

Melitta fasziniert das Ehepaar immer wieder aufs Neue. Einen Stilbruch gibt es allerdings, und der steht in der Küche: eine hochmoderne Kaffeemaschine.

Bianca Treffer

Quelle: RP
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