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Stadt Willich
Facharzt-Nummer ist kein großer Erfolg

Stadt Willich. Seit knapp neun Monaten gibt es die Servicestelle, die bei der Vermittlung von Terminen beim Facharzt helfen soll. Aber nur wenige Patienten in Willich und Tönisvorst nutzen den Service. Auch die Ärzte sind wenig angetan. Von Willi Schöfer

"Hier soll mit der Brechstange etwas Neues versucht werden, das ist der total falsche Ansatz", hatte schon vor etwa einem Jahr der Schiefbahner Allgemeinmediziner Harald Hüsgen gesagt. Es geht um die recht neue Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, mit deren Hilfe Kassenpatienten schneller als bisher einen Termin bei den Fachärzten bekommen sollten. Und die ersten Erfahrungen, die damit die KV gemacht hat, sind alles andere als erfolgversprechend.

Seit Ende Januar 2016 gibt es diese Termin-Servicestelle (TSS). Von der Pressestelle der KV zieht Christopher Schneider ein erstes Fazit: "Unter dem Strich zeigt sich nach über einem halben Jahr TSS-Betrieb, dass mit dem Blick auf die Gesamtzahl der Behandlungsfälle in Nordrhein (pro Jahr sind dies etwa 65 Millionen) nur relativ wenige Patienten davon profitiert haben."

Schneider legt weitere Zahlen vor, die dies bekräftigen: So haben im September aus dem gesamten Kreis Viersen nur 45 Personen bei der Servicestelle angerufen. Elf davon hätten nur allgemeine Fragen oder keinen Anspruch auf einen Facharzttermin binnen vier Wochen gehabt, sodass nur 34 Personen vermittelt werden konnten. Im dritten Quartal 2016 waren es aus dem Kreis Viersen insgesamt 143 Anrufe bei 116 Vermittlungen. Im KV-Bereich Nordrhein seien seit Ende Januar über 7500 Facharzttermine über die TSS vermittelt worden; im Schritt werde die Servicestelle wöchentlich von 500 bis 600 Personen kontaktiert.

Bedenken hatte seinerzeit unter anderem die Anrather Hausärztin Brigitte Brockmanns-Pelss. Sie praktiziert im 25. Jahr und ist für einen Einzugsbereich von etwa 34.000 Personen zuständig. Sie sieht nach wie vor die Notwendigkeit solch einer Servicestelle nicht ein, zumal bei ihr die Patienten bei akuten und dringenden Fällen innerhalb vier Wochen den ersten Termin bekämen. Ihre Patienten wollen keinen Mausklick, sondern den direkten persönlichen Kontakt mit dem Arzt oder der Ärztin.

FOTO: dpa, sja kat rho

Mit der Zeit geht schon seit Langem die Krefelder Hautärztin Ursula Peterseim, zu der auch viele Patienten aus Willich und Tönisvorst kommen. Sie hält nach wie vor von diesem freiwilligen Service nichts. Die Ärztin vergibt schon seit etwa sechs Jahren auf ihrer Internetseite Termine. Man kann auf einem Kalendarium sehen, zu welchen Uhrzeiten freie Termine sind. Etwa 15 Prozent ihrer Kunden würden davon Gebrauch machen. "Und dieses Online-Verfahren bieten auch immer mehr meiner Kollegen an, dafür brauchen wir keinen besonderen Service", sagte sie.

Auch Martin Kamp, der als HNO-Arzt im 13. Jahr am Kempener Burgring praktiziert, hatte stets kritisch hinterfragt, ob dies der richtige Weg sei. Auch bei ihm würden akute Fälle sofort behandelt, müssten keine längeren Wartezeiten in Kauf genommen werden.

Angesichts der geringen Inanspruchnahme der Servicestelle sagt Christopher Schneider: "Dafür hätte es aus unserer Sicht keiner gesetzlichen Regelung bedurft, die auf ärztlicher Seite einen hohen Verwaltungs- und Bürokratieaufwand verursacht." Insofern hält die Kassenärtzliche Vereinigung Nordrhein den Service insofern für entbehrlich, "da die Terminvermittlung in dringenden Fällen nach wie vor durch die kollegiale Kontaktaufnahme zwischen den Haus- und Fachärzten gut funktioniert". Dies habe in der Vergangenheit auch geklappt.

Quelle: RP
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