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Stadt Willich
Fehleinschätzung ließ Hospital straucheln

Stadt Willich. Das Krankenhaus in Willich konnte nicht erfolgreich betrieben werden. Das sagt ein Mitarbeitervertreter der St.-Augustinus-Kliniken gGmbH. Dass deren Fahne weiter in Willich weht, hofft Hospital-Geschäftsführer Stefan Knöfel. Von Christian Heidrich

Das Katharinenhospital in Willich erfolgreich betreiben zu können war eine Fehleinschätzung der Geschäftsführung der gemeinnützigen St. Augustinus-Kliniken GmbH in Neuss. Das sagte gestern Dr. Günter Clausen, Vorsitzender der Gesamt-Mitarbeitervertretung des katholischen Klinikverbundes, zu dem das Willicher Krankenhaus seit sechs Jahren gehört. "Ich traue mich das zu sagen", fügte Clausen hinzu, der zugleich Vorsitzender der Dienstnehmervertretung von den 200 katholischen Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen mit rund 102 000 Beschäftigten ist. Er sei der Überzeugung, dass kein Krankenhaus, das weniger als 200 Betten habe, eine Chance habe. In Richtung Geschäftsführung sagte er: "Die haben es gut gemeint."

Beate Hild, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Hospitals in Willich, sagte, die 190 Mitarbeiter seien geschockt. 22 Jahre ist die 58-Jährige im Willicher Krankenhaus beschäftigt. Erst am Montag hätten die Mitarbeiter erfahren, dass ihnen gekündigt werde, die Unternehmensleitung aber versuchen wolle, für möglichst viele im Verbund neue Arbeitsplätze anzubieten. Bei Gesprächen mit der Geschäftsführung sei zwar immer wieder über die finanzielle Lage der Kliniken gesprochen worden, Anzeichen für eine Schließung habe es aber nicht gegeben.

Für die Stadt Willich sitzt die beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger im Beirat des Hospitals. Sie sagte, dass sie am Montagabend an der Beiratssitzung nicht teilnehem konnte. Erst gestern morgen habe sie von der Schließung erfahren, diese Information habe sie nicht vom Krankenhaus bekommen. Bei der vorangegangenen Sitzungen im März sei zwar davon die Rede gewesen, dass das Hospital nicht ausgelastet sei, von Schließung sei aber nicht gesprochen worden.

Bürgermeister Josef Heyes sagte gestern, der Geschäftsführer der Augustinus-Kliniken Paul Neuhäuser sei am 23. September zu routinemäßigen Gesprächen bei ihm gewesen. Da habe er gesagt, dass die Situation des Hospitals schlecht sei und überlegt werden müsse, wie darauf reagiert werden könne. Von Schließung sei keine Rede gewesen.

Am Montag hatte die Geschäftsführung der Augustinuskliniken verkündet, das 2007 von der Pfarre St. Katharina übertragene Hospital spätestens am 30. Juni 2014 zu schließen. Die Geriatrie will das Unternehmen nach Neuwerk verlagern, den Notarzt für Willich will es weiterhin stellen. Es sieht darin "Konzentration und Ausbau der medizinischen Versorgung am linken Niederrhein".

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Lambertz sagte, er sei wütend und fühle sich "ein bisschen verarscht". Im August habe die Willicher CDU bei ihrer Sommertour unter anderem das Hospital besucht und nachgefragt, ob es Probleme gebe, ob die Politik helfen könne. "In keinster Weise wurde die kleinste Andeutung gemacht", sagte Lambertz, vielmehr sei gesagt worden, es sei fortschrittlich, das Haus sei gut aufgestellt. Dieser Darstellung widersprach gestern Stefan Knöfel, der Geschäftsführer des Katharinenhospitals. Er habe sehr wohl darauf hingewiesen, dass die Situation für kleine Krankenhäuser wie das Willicher auf Grund der Rahmenbedingungen immer schwieriger werde.

Knöfel sagte weiter, als der Klinikverbund das Krankenhaus von der Willicher Pfarre 2007 übernommen habe, habe es über eine Liquidität von fünf Millionen Euro verfügt. Dieses Geld sei in die Baumaßnahmen am Krankenhaus geflossen, rund 4,8 Millionen Euro. Weitere 2,2 Millionen Euro aus Mitteln der Augustinuskliniken seien in medizinische und technische Bereiche geflossen.

Nach Knöfels Angaben gibt es aufgrund der Krankenhausplanung 2015 für bestimmte Fachbereiche wie Intensivstationen bestimmte Vorgaben, unter anderem, dass sie eine eigene medizinische Leitung und eine Rundumversiorgung haben müsse.Um das sicherzustellen, seien 7,5 Arztstellen notwendig, ohne dass Kliniken mehr Erlöse hätten. Zudem seien auch die Kosten für Wasser, Energie und Brennstoffe gestiefgen. 2012 gab das Katharinenhospital dafür rund 350 000 Euro aus, für dieses Jahr gehe es von 370 000 Euro aus.

Zur weiteren Nutzung des Hauses äußerte sich Knöfel sehr zurückhaltend. Es sei möglich, "dass die Fahnen der Augustinuskliniken weiterhin im Stadtgebiet wehen". Eine Krankenhausnutzung schloss Knöfel aus. Wenn es eine Nachfolgenutzung gebe, müsse es etwas sein, das zu den Augustinuskliniken und zu Willich passe.

Dr. Günter Clausen, Vorsitzender der Gesamt-Mitarbeitervertretung des katholischen Klinikverbundes, sagte, dass nun in Willich viele Mitarbeiter ihre soziale Heimat verlören. Der Unternehmensverbund habe eine hohe Verantwortung, möglichst allen einen Arbeitsplatz anzubieten. Er gehe davon aus, dass die gemeinnützige GmbH ihr Wort halte. "Aber wir werden ihr auf den Füßen stehen", sagte Clausen weiter. Ein Sozialplan sei die letzte Möglichkeit.

Quelle: RP
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