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Stadt Willich
Flüchtlinge oder Landschaftsschutz?

Stadt Willich. Die Interessengemeinschaft Niersweg/Mutschenweg kämpft weiter darum, Flüchtlingsbauten im Landschafts-Schutzgebiet zu verhindern. Inzwischen ist sogar von einem Bürgerentscheid die Rede. Von Willi Schöfer

So einfach, wie sich die Stadt Willich den Bau von Flüchtlingsunterkünften vorgestellt hat, ist es wohl doch nicht. Mehrmals hatte in der Vergangenheit die Technische Beigeordnete Martina Stall betont, dass es wohl kein Problem sei, in dem Landschaftsschutzgebiet am Mutschenweg in Neersen vier zweieinhalbgeschossige Mehrfamilienhäuser für Flüchtlinge vom zuständen Kreis Viersen eine Befreiung zu bekommen - zumal schön längst ein entsprechender Antrag gestellt worden sei. Wie jetzt im Kreisausschuss bekannt wurde, liegt dieser Antrag dem Kreis erst seit dem 15. Februar 2016 vor. Dem Ausschuss wurde außerdem die Beschwerde der Interessengemeinschaft (IG) Niersweg/Mutschenweg vorgelegt.

Unmut und Empörung waren deutlich zu spüren, als sich unmittelbar nach der Kreisausschusssitzung IG-Mitglieder im Café "Steffi" in Neersen trafen. Bereits zuvor war das Verhalten der Stadt bei der IG-Sprecherin Lydia Krusche auf deutliche Kritik gestoßen: "Zumal uns von der Stadt mehrmals mitgeteilt wurde, man könne die Baugenehmigung nachreichen, und der Kreis Viersen habe schon längst dieser Befreiung im Landschaftsschutzgebiets zugestimmt."

Dies ist de facto noch nicht der Fall. Zuständig für die Befreiung ist Landrat Dr. Andreas Coenen als Chef der Kreisverwaltung und der Unteren Landschaftsbehörde. Der Landrat gab zu, dass man eine Befreiung in Aussicht gestellt habe. Coenen teilte dem Kreisausschuss weiter mit, dass es zu einer Befreiung kommen könne - "... wenn dies aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich solcher sozialer und wirtschaftlicher Art, notwendig ist". Allerdings, so stand es weiter in der Vorlage zum Kreisausschuss, muss der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Viersen vorgelegt werden, ob etwaige Standort-Alternativen von der Stadt Willich geprüft worden sind.

Vor einer Befreiung sei, so der Landrat, der Landschaftsbeirat zu beteiligen. Hierzu wird auch in Kürze eine Sondersitzung dieses Gremiums stattfinden, der aber nur eine beratende Funktion hat. Dem Beirat gehört unter anderem als Vertreter des BUND Horst Meister an. Der Umweltschützer, der viele Jahre mit seiner Frau Almut Grytzmann-Meister in Anrath lebte, nahm ebenfalls am IG-Treffen im Café "Steffi" teil und sagte: "Wir müssen jetzt erst einmal, um weitere Argumentationshilfen zu haben, alles daran setzen, etwas über diese Alternativprüfungen zu erfahren, sofern diese überhaupt vorliegen." Die IG will sich um das Papier bemühen.

Aus naturfachlicher Sicht hält es derzeit die Untere Landschaftsbehörde für vertretbar, auf den Landschaftsschutzgebiet-Grundstücken Ausnahmen vom "Bauverbot" zu machen, auch aus Sicht des Artenschutzes. Auch dies wurde beim Treffen der etwa 60 Anwohner anders gesehen, zumal dort offenbar unter anderem Fledermäuse und seltene Vogelarten gesehen worden sein sollen. Dazu Almut Grytzmann-Meister: "Es muss uns auch mit der Unterstützung des BUND gelingen, dass dort von der Bezirksregierung eine große Artenschutzprüfung in Auftrag gegeben wird." Kritisiert wurde bei der IG-Versammlung ferner, dass am Mutschenweg schon Vorarbeiten hin zu einer späteren Bebauung stattfänden, wie unter anderem das Abpumpen des Grundwassers.

Geleitet wurde die Gesprächsrunde im Café "Steffi" von Martina Frey. Dabei machte Almut Grytzmann-Meister einen weiteren Vorschlag: "Hier geht es nicht um 20 Ahornbäume, sondern um viel mehr, warum machen wir nicht auch ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid?" Die Initiative wird sich sicher beim nächsten Treffen darüber unterhalten: am Dienstag, 5. April, 19 Uhr, wieder im Café "Steffi" an der Hauptstraße in Neersen. Martina Frey: "Es wäre schön, wenn wieder viele kommen, denn dann wollen wir die nächsten Arbeiten verteilen."

Quelle: RP
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