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Stadt Willich
Flüchtlinge werden mobil dank Fahrrad

Stadt Willich: Flüchtlinge werden mobil dank Fahrrad
Holger Moll und Miroslaw Ochenkowski reparieren in der Fahrradwerkstatt es Therapiezentrums ein weißes Damenfahrrad. Die Caritas spendete die fehlenden Ersatzteile. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Im AHG Therapiezentrum Willich werden ausrangierte Fahrräder wieder zu fahrtüchtigen Drahteseln. Im Rahmen einer Arbeitstherapie reparieren Suchtkranke ausrangierte Drahtesel. Diese werden zum Teil Flüchtlingen gespendet. Von Bianca Treffer

Fahrräder soweit das Auge reicht. Rund 30 Exemplare sind es, die sich, dicht an dicht stehend, in der Ecke der großen Halle des AHG Therapiezentrums Willich knubbeln. Fahrtüchtig sind noch lange nicht alle. Dort fehlen Pedale oder Sättel, andere haben platte Reifen, Kabel von Bremsen und Lichtanlagen sind abgerissen, Ketten defekt. Aber es gibt auch schon Räder, die die hauseigene Werkstatt durchlaufen haben, damit straßenverkehrstauglich ausgerüstet sind und nun auf ihren Einsatz warten.

Alte Fahrräder, die nicht mehr von ihren Besitzern benötigt werden und die ansonsten auf dem Sperrmüll landen würden, finden beim Therapiezentrum für drogenabhängige Menschen ihren Platz. Seit nunmehr vier Jahren gehört eine Fahrradwerkstatt mit zum Arbeitstherapieprogramm. Unter fachlicher Anleitung von Boris Jatzkowski bringen die Klienten gespendete Fahrräder wieder in Schuss. "Wir bauen oft aus zwei oder drei Rädern wieder ein funktionsfähiges", sagt der Arbeitstherapeut. In der Werkstatt findet sich ein großer Bereich, der den Ersatzteilen vorbehalten ist. Alles, was noch verwendet werden kann, finden dort seinen Platz. Schläuche und Reifen hängen ordentlich aufgereiht an der Wand. Ein Eimer voller Sättel ist genauso zu finden wie ein Karton, gefüllt mit Pedalen. Es gibt Strahler, Rücklichter und weiteres Zubehör, das von ansonsten nicht mehr einsatzfähigen Rädern stammt. Ab und zu muss allerdings auch neues Material eingekauft werden, damit wieder ein funktionierendes Rad entstehen kann. "Manchmal bekommen wir auch wirklich gute Fahrräder, weil ihr Besitzer sich ein neues angeschafft hat oder das Rad dem Sohn oder der Tochter zu klein wurde. Da braucht dann nahezu nichts mehr aufgearbeitet zu werden", berichtet Jatzkowski aus dem Alltag der Fahrradwerkstatt.

Dreimal in der Woche können die Klienten in der Werkstatt arbeiten, wobei es Angebote für Anfänger und für Fortgeschrittene gibt, aufgeteilt nach stationär und ambulant betreuten Klienten. "Wir kommen natürlich bei den Reparaturen auch an unsere Grenzen. Für manches fehlt uns einfach das Fachwerkzeug", sagt Jatzkowski.

Die Idee zu der Fahrradwerkstatt entstand vor dem Hintergrund, innerhalb einer therapiegebundenen Werkstatt etwas zu schaffen, von dem man selber profitiert und von dem auch andere etwas haben. "Wir wollten nicht nur einfach irgendwas anbieten, sondern ein Angebot mit praktischem Nutzen schaffen. Wo man sieht, wie es danach positiv genutzt werden kann", erläutert Therapiezentrumsleiter Heinz Tichelbäcker. Und genutzt werden die instand gesetzten Räder wirklich - und das nicht nur im Therapiezentrum selber. Bei den anderen Diensten rund um das Therapiezentrum ist das Angebot bekannt und wird entsprechend nachgefragt. Das Geld, neue Fahrräder anzuschaffen fehlt. Aber für kleines Geld einen recycelten fahrbaren Untersatz zu erwerben, funktioniert und schafft Möglichkeiten für Mobilität.

In Zusammenarbeit mit der Caritas Anrath kam es jetzt zu einem besonderen Projekt. Vor dem Hintergrund der Mobilität von Flüchtlingen erfolgte in Willich ein Spendenaufruf für Fahrräder. Die Caritas, über die die Aktion lief, stellte sich dabei vorab die Frage, was man mit einem Sammelsurium an eventuell defekten Fahrrädern machen sollte. Tichelbäcker erfuhr davon und hatte die Idee, mit dem ganzen Team seiner Fahrradwerkstatt aktiv zu werden. Alle brachten sich nun ein und reparierten die gespendeten Fahrräder für die Flüchtlinge, wobei die Caritas die benötigten fehlenden Ersatzteile spendete. Auf diesem Weg kamen gleich mehrere Räder für die Flüchtlinge zusammen, die jetzt auf ihre Abholung warten.

Quelle: RP
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