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Stadt Willich
Flüchtlingshäuser fallen nicht auf

Stadt Willich. An der Nell-Breuning-Straße in Neersen und der Fontanestraße in Schiefbahn werden nach den Ferien Einfamilienhäuser für Flüchtlinge gebaut. Die Verwaltung stellte jetzt die konkreten Pläne vor. Nachbarn zeigten sich erleichtert. Von Marc Schütz

Der Termin war recht kurzfristig angesetzt worden - was denn auch einige Bürger verärgerte. Doch der Unmut darüber wich beim Infoabend schnell der Erleichterung. Denn die geplanten Reihenhäuser für Flüchtlinge an der Nell-Breuning-Straße in Neersen und an der Fontanestraße in Schiefbahn bieten in ihrer Gestaltung kaum Anlass zur Kritik. Sie sind mit rund 1600 Euro Baukosten pro Quadratmeter zwar einfacher als die meisten Häuser in der Nachbarschaft, unterscheiden sich optisch aber kaum von herkömmlichen modernen Einfamilienhäusern. "Das klingt vernünftig", hieß es denn auch mehrfach aus den Reihen der Bürger, die zum Infoabend ins Technische Rathaus gekommen waren. Einigen wenigen war jedoch nach wie vor deutliche Skepsis anzumerken.

Der Erste Beigeordnete der Stadt Willich, Willy Kerbusch, die Technische Beigeordnete Martina Stall und Flüchtlingskoordinatorin Regine Hofmeister stellten die Pläne vor. Die waren erst Anfang der Woche eingetroffen, womit Kerbusch auch die Kurzfristigkeit des Termins erklärte: "Ich habe versprochen, die Pläne sofort vorzustellen, wenn sie vorliegen. Und das wollte ich unbedingt noch vor den Ferien tun." Zudem betonte er, dass diejenigen, die es nicht zum Infoabend geschafft hatten, die Pläne in seinem Vorzimmer im Schloss Neersen einsehen können.

Im Vorfeld hatte es Befürchtungen der Anwohner gegeben, dass mit den neuen Gebäuden für Flüchtlinge soziale Brennpunkte entstehen. Doch die ausgehängten Pläne geben Anlass zur Hoffnung. An der Nell-Breuning-Straße werden fünf anderthalbgeschossige Reihenhäuser entstehen, deren Bebauung durch dazwischen liegende Garagen aufgelockert wird. An der Fontanestraße in Schiefbahn werden es insgesamt neun Häuser sein, die sich auf vier Doppelhaushälften und einen Dreierblock aufteilen - auch hier liegen Garagen dazwischen, die auch sofort mitgebaut werden, obwohl die Flüchtlinge wohl keine Autos haben werden. Doch das hätten sich die Nachbarn gewünscht, deren Anregungen so weit wie möglich in die Planungen einbezogen worden seien, so Kerbusch. In der Tat: Die beim Infoabend anwesenden Anwohner zeigten sich zufrieden mit der geplanten Bebauung. Kerbusch räumte ein, dass man es nicht allen Bürgern recht machen könne, doch man habe versucht, aus der Situation das Beste zu machen.

Willy Kerbusch berichtete zudem von einem neuen Finanzierungsmodell, das er gewählt hat. Anders, als ursprünglich geplant, werden keine speziellen Darlehen von Bund oder Land abgerufen. "Denn die sind völlig überzeichnet", so Kerbusch, der nun stattdessen Geld bei der NRW-Bank aufnimmt, was den Vorteil habe, dass die Häuser nicht zwingend dauerhaft für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden müssen, sondern auch als Sozialbauten genutzt werden können. Das allerdings erst dann, wenn auch für die bisher unbebaute Umgebung der Bebauungsplan steht.

Auch das war seinerzeit ein Vorschlag der Schiefbahner Nachbarschaft gewesen: Sie hatten vorgeschlagen, gleich auch die Umgebung der Flüchtlingshäuser mitzuentwickeln. Und genau das soll jetzt - wie auch in Neersen - geschehen, auch wenn sich das Aufstellen des Bebauungsplans für die beiden Gebiete laut Martina Stall noch einige Jahre hinziehen könnte, denn in Schiefbahn wie in Neersen bereitet die verkehrsmäßige Erschließung Probleme. Mit dem Bau der Flüchtlingshäuser kann aufgrund vereinfachter Vorschriften aber schon nach den Sommerferien begonnen werden. Die Bauzeit werde etwa sechs bis sieben Monate betragen, sagte Kerbusch.

Im Durchschnitt sollen in jedem der Häuser sechs Personen leben, ausschließlich Familien mit einer hohen Bleibeperspektive. Regine Hofmeister versicherte, dass sie und ihre Mitarbeiter die Flüchtlinge kennen, da die Asylbewerber in Willich - anders als vor allem in Großstädten - intensiv betreut würden. "Sie werden Nachbarn bekommen, die weiter einen Ansprechpartner bei der Stadt haben", versprach Hofmeister. Für die Integration der Menschen seien das Wohnumfeld und damit verbundene soziale Kontakte zur Bevölkerung entscheidend.

Quelle: RP
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