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Stadt Willich
Forschungsprojekt Erdwärme gestartet

Stadt Willich: Forschungsprojekt Erdwärme gestartet
Viel zu sehen ist nicht, denn das Wesentliche spielt sich unter der Erde ab. Das "Erdwärmesonden-Testfeld" soll Daten zu verschiedenen Technologien, Modellen und Materialeigenschaften liefern. FOTO: Kurt Lübke
Stadt Willich. Das Wesentliche findet unter der Erdoberfläche statt: Neben dem Gründerzentrum im Stahlwerk Becker liegt das "Erdwärmesonden-Testfeld". Dieses wurde gestern in Betrieb genommen. Von Nadia Joppen

Es ist ein Forschungsprojekt mit einem ungewöhnlichen Charakter: ohne Fördergelder des Landes, sondern rein aus privatem Engagement von Unternehmern und anderen Partnern finanziert. Darauf wies Leonhard Thiem, der Vertreter der EnergieAgentur NRW, ausdrücklich hin. Gestern wurde das neue "Erdwärmesonden-Testfeld" am und im Energiezentrum Willich (EZ:W) in Betrieb genommen. Das Ziel ist es, belastbare Vergleiche zu der Effizienz und Wirtschaftlichkeit verschiedener Modelle, Technologien und Materialeigenschaften von Erdwärmesonden (Einfach U-Sonden, Doppel-U-Sonden und Koaxial-Sonden), Verpressmitteln (Standard, hochwärmeleitfähig oder Tonpellets) oder Wärmepumpen verschiedener Hersteller zu erhalten.

Die Sonden wurden unter dem Parkplatz am Gründerzentrum "versenkt" und an eine Anlage im EZ:W im Gründerzentrum angeschlossen. Über die Anlage wird der große Raum beheizt, "alle Sonden werden gleichmäßig betrieben und belastet", so Diplom-Geologe Bernd Bremerich (Ingenieurgesellschaft Geobit Aachen). In das System sind eine Vielzahl von Messgeräten eingebaut. So werden an jeder Sonde und an den Heizkreisen der Fußbodenheizung die Temperaturen im Vor- und Rücklauf sowie die Durchflussmengen der Wärmeträger-Flüssigkeit gemessen. Außerdem werden an jeder Wärmepumpe der Stromverbrauch und die erzeugte Wärme gemessen - insgesamt gibt es an 36 Messpunkten Sensoren. Durch Zu- und Abschalten der einzelnen Anlagenteile gibt es umfangreiche Möglichkeiten zur Erforschung der Systeme.

Weiterer Schritt: Die Messdaten werden über die Internet-Seite des Energiezentrums (www.energiezentrum-willich.de) veröffentlicht, sodass jeder Bürger die Entwicklung verfolgen kann. Bremerich freute sich, dass alle Industrie-Partner des Projektes bereit sind, die Veröffentlichung der Daten über ihre Komponenten mitzutragen, "das Projekt funktioniert nur durch das Know-how und die finanzielle Hilfe der Partner und der Industrie". Das Projekt soll anderen Interessierten - Studenten oder öffentlichen Forschungseinrichtungen - für eigene Arbeiten zugänglich sei. Bremerich rechnet damit, dass zum Ende der ersten Heizperiode im März 2017 erste belastbare Ergebnisse vorliegen.

Das Forschungsprojekt zieht noch weitere Kreise: Anlässlich des Beginns der Bohrungen für die Sonden waren 2015 die "1. Willicher Praxistage Geothermie" durchgeführt worden, 2016 wird es eine Folge-Veranstaltung geben - am 29. und 30. September. Dabei geht es um Themen wie die Qualitätssicherung auf Bohrplätzen und bei Schweißverbindungen oder im Praxisteil um die Bohrtechnik "Sonic Drilling" mit der Anlage eines niederländischen Herstellers, die den Bohrkopf über Vibrationen in die Erde treibt, nicht rotierend. Ein Ziel wird es dabei sein, die Qualitätssicherung den Unteren Wasserbehörden vorzustellen, so Bremerich. Denn diese müssen jede einzelne Erdwärme-Anlage genehmigen, erläuterte Margarethe Otronsek von der Unteren Wasserbehörde Kreis Viersen. Im Kreis gibt es derzeit mehr als 1000 solcher Anlagen - wobei Willich führend ist.

Die Technische Beigeordnete Martina Stall freute sich, dass es in Willich als doch eher kleinerer Stadt ein solches Modell- und Forschungsprojekt gibt. Sie betonte, dass die Stadt an allem interessiert sei, was die Energieeffizienz und den Umweltschutz voranbringe - so gebe es ja einen Klimaschutzmanager und ein Klimaschutzkonzept.

Quelle: RP
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