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Tönisvorst
Führerschein für Nähmaschine

Tönisvorst. Einen speziellen Führerschein können schon die Jüngeren erwerben, wobei es meist Mädchen sind, die ihn machen. Mit dem dürfen sie zwar nicht Auto fahren, aber sie lernen, eine Nähmaschine richtig zu bedienen. Von Natascha Becker

Zu schauen gibt es in der Nähwerkstatt von Sylvia Harbig an der Bahnstraße 9 in St. Tönis reichlich. Dort stehen Kisten mit kunterbunten Knöpfen, Bordüren mit unterschiedlichsten Mustern liegen dicht an dicht in einem offenen Schrank, farbige Stoffballen türmen sich im Regal und viele schöne, bereits genähten Gegenstände von Taschen über Kissenhüllen bis hin zu witzigen Accessoires zeigen, was Nähkunst schaffen kann.

Doch die sechs Mädchen, die um Harbig herum an den langen Nähtischen stehen, haben dafür keine Zeit. Ihre Augen sind fest auf die Nähmaschine und die Hände der Diplom-Ingenieurin der Bekleidungstechnik gerichtet.

Oberfaden, Unterfaden

"Ganz wichtig, beim Einfädeln bleibt die Nähmaschine aus. Es gibt den Oberfaden, der von oben kommt und den Unterfaden, der von unten kommt und für diesen müssen wir als erstes eine Spule füllen", sagt Harbig. Wie das geht erklärt sie Stück für Stück. Angefangen vom Einsetzen der Spule in die dafür vorgesehene Halterung bis zur Fadeneinfädelung an der Nähmaschinennadel. Doch was bei ihr so einfach aussieht, entpuppt sich in der Praxis als ganz schön kompliziert, zumindest wenn man das erste Mal an einer Nähmaschine sitzt und selber nähen möchte.

"Ich habe der Oma oft zugeschaut, aber selber habe ich noch nie genäht. Ich möchte es gerne können, man kann so tolle Sachen machen", sagt Sofia (8). Die Kenntnisse der gleichaltrigen Sina beruhen ebenfalls bislang auf dem Zusehen. Doch heute möchte sie wie die anderen fünf Mädchen auch, den Nähmaschinenführerschein erwerben, der ihr die Grundkenntnisse im Umgang mit der Maschine bescheinigt.

"Und was jetzt?", kommt der Ruf von Carolin. Harbig eilt der Neunjährigen zur Hilfe. Der Fehler ist schnell gefunden. Carolin hat vergessen, den Oberfaden um einen Haken zu legen. Harbig und ihre Praktikantin Anna (18) haben alle Hände voll zu tun. Geduldig erklären sie, was falsch gelaufen ist und wie es richtig geht. Schließlich hat jede ihr Spülchen voll, und sowohl Ober- als auch Unterfaden sind korrekt eingelegt.

Doch bevor es losgehen kann gibt es noch ein bisschen Theorie von Harbig. Sie erklärt die verschiedenen Stich-Programme, zeigt die richtige Fadenspannung und Einstellung der Geschwindigkeit sowie Stichgrößen. Die erste praktische Vorführung der Fachfrau verfolgen die sechs mit großen Augen. "Es ist ganz einfach. Ihr müsst den Stoff nur führen. Die Maschine transportiert ihn eigenständig", informiert Harbig und macht die jungen Teilnehmer auf die Markierung neben dem Nähfuß aufmerksam, die dabei hilft gerade zu nähen.

Viel toller . . .

Dann ist es soweit. Alle legen voller Spannung das erste Stückchen Stoff unter den Nähfuß und drücken vorsichtig mit dem Fuß auf das Gaspedal der jeweiligen Maschine unter dem Tisch. Es klappt. "Das macht Spaß. Bisher habe ich nur mit der Hand genäht. Aber das ist viel toller", freut sich Anna-Maria (9).

(RP/rl)
 
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