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Stadt Willich
Galantes vom "Ensemble Afflato"

Stadt Willich. Das Trio gastierte zum Neujahrsempfang in der Willicher Emmaus-Kirche. Von Gert Holtmeyer

Nicht mit lauten Böllern und Raketen starteten die "Emmaus-Konzerte" in das neue Jahr. Auch nicht mit Wiener Walzerseligkeit, obwohl es über weite Strecken durchaus beschwingt klang. Auf dem Programm stand Fröhliches und Zartes, genauer: Galantes. Denn "galanter Stil" ist die korrekte Bezeichnung für eine Musikrichtung im 18. Jahrhundert, die in einer Epoche zwischen barocker Vergangenheit und zukünftiger Klassik entstand. Ihr verschrieben sich beispielsweise Johann Sebastian Bachs Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel und Johann Christoph Friedrich. Werke von ihnen waren beim gut besuchten Neujahrskonzert in der Auferstehungskirche ebenso zu hören wie von Johann Friedrich Agricola und Carl Friedrich Abel. Ältester von ihnen war der 1910 geborene Wilhelm Friedemann, jüngster Johann Christoph Friedrich Bach (Jahrgang 1732).

Kompetente Interpreten, die schnell die Anerkennung des Publikums gewannen, kamen vom "Ensemble Afflato". Afflato ist italienisch und kann mit Atem, Hauch oder auch Eingebung übersetzt werden. Das Ensemble spielt je nach Anforderung in unterschiedlichen Besetzungen. Nach Willich kam ein Trio mit Miho Shirai (Traversflöte), Felix Zimmermann (Cello) und Ada Tanir (Cembalo).

Waren auch die aufgeführten Werke stilistisch ähnlich, so entstand doch keine Eintönigkeit. Dafür sorgten nicht nur Abwechslungen in der Besetzung; nicht bei jeder Komposition waren alle drei Spieler im Einsatz. Was gleich beim ersten Stück auffiel, war die Rolle des Cembalos. Das wurde in Johann Christoph Friedrich Bachs D-Dur-Sonate nicht als Continuo, sondern als Soloinstrument eingesetzt. Da machte es Sinn, dass Flöte und Cello sich hinter dem Cembalo platzierten. Bei Agricolas A-Dur-Sonate, als Flötistin und Cellist virtuos gefordert wurden, nahmen beide folgerichtig vor dem Tasteninstrument Platz. Wilhelm Friedmann Bachs Fantasie D-Dur war nur fürs Cembalo komponiert, bei einigen Werke wurde abwechselnd der Flötistin oder dem Cellisten eine Pause gegönnt.

Gespielt wurde auf Instrumenten historischer Bauart, auf einer Flöte ohne die vielen heute üblichen Klappen und auf einem Cello ohne Stachel. Mit einem modernen Instrument verglichen, klang die Flöte weniger kräftig, dafür weicher und zarter.

Quelle: RP
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