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Stadt Willich
Gedenkprozession zum Friedenskreuz

Stadt Willich: Gedenkprozession zum Friedenskreuz
Etwa 300 Menschen beteiligten sich am Samstagabend an der Gedenkprozession zum Willicher Friedenskreuz. Es wurde Fürbitten und Gedenkworte gesprochen. Mit dabei waren auch Marita und Norbert Blüm. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Am Samstagabend zogen etwa 300 Bürger durch Willich. Sie wiederholten die Prozession, die genau vor 70 Jahren stattgefunden hatte. Damals hatten 800 Männer an der Ritterstraße ein Holzkreuz errichtet. Von Willi Schöfer

Wie früher, als es am Fronleichnamstag dort noch eine der Stationen gab, standen die Menschen und Gläubigen am Friedenskreuz zwischen Ritter-, Martin-Rieffert- und Neusser Straße in Willich. Etwa 300 Menschen erklärten dadurch ihre Verbundenheit und Solidarität mit denjenigen, die selbst ihr Kreuz zu tragen haben, die Opfer von Gewalt wurden oder wegen ihre Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung verfolgt werden. Der Gedenk- und Lichterzug setzt sich von der Pfarrkirche St. Katharina aus in Bewegung.

Die von dem Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser organisierte Gedenkprozession hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Grund. Denn im Frühjahr 1947, also vor genau 70 Jahren, als überall im Rheinland die Rückbesinnung auf religiöse Werte einsetzte, hatte Landwirt Hans Binger vom Nauenhof das Eichenholz gestiftet, aus dem dann Peter Dohmganz das Friedenkreuz zimmerte. In der Nacht des Passionsamstages, 22. März 1947, versammelten sich am fünf Meter hohen Kreuz mehr als 800 Männer, größtenteils kriegsversehrt. In der von Hunger und Not geprägten Nachkriegszeit war das Kreuz ein Symbol und die Hoffnung der Menschen nach innerem und äußerem Frieden.

Daran hat sich nicht viel geändert. Als der Lichterzug am Samstagabend dort ankam, als gesungen und gebetet wurde, sprachen einige bekannte Persönlichkeiten die Fürbitten. Darunter waren der CDU-Bundestagabgeordnete Uwe Schummer, Willichs SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd-Dieter Röhrscheid sowie das Ehepaar Marita und Norbert Blüm (81). Der CDU-Politiker gehörte viele Jahre dem Bundestag an, von 1982 bis 1998 war er Bundesminister für Arbeit und Soziales.

Marita Blüm, mit Geburtsnamen Binger, ist ein Willicher Mädel; ihr Vater hatte seinerzeit das Holz für das Kreuz gestiftet. Wohlwissend, dass die Menschen selbst für die Kriege und Terrorakte verantwortlich sind, fragte und sagte sie in ihrer Fürbitte: "Herr, wo bist Du? Ich habe dich nicht gesehen, als in Syrien Kinder vergast wurden, ich sehe Dich nicht, wenn in Äthiopien Menschen verhungern, ich habe Dich nicht gesehen, als in Petersburg Unschuldige in die Luft gesprengt wurden... Hilf uns, das Böse zu bekämpfen, Leid zu mindern und das Unrecht zu besiegen."

Worte zum Gedenken sprachen auch Seelsorger der katholischen und evangelischen Kirche, Diakon Friedhelm Messerschmitt und Rolf Klein. Sogar aus Krefeld und Kempen waren Geistliche da, neben dem Männer-Seelsorger des Bistums Aachen, Mario Schleypen.

"Männer beten für den Frieden", diese Worte waren ins Kreuz geschnitzt. Es waren aber auch viele Frauen gekommen. "Wir sind hier die Rollatoren-Gang", sagte schmunzelnd Corinna Langels, die unter anderem mit Gisela Preuß, Gerta Kerkhoff oder Käthe Dahmen da war und das Kreuz am Tag der Prozession etwas aufgehübscht hatte. "Das gelbe Tuch, das sie dort oben sehen, ist meine Tischdecke", sagte sie. "Und ich habe gesehen, als das Kreuz hier vor 70 Jahren aufgestellt wurde", ergänzte die 86-jährige Regine Baumanns.

Die von Hermann Lang angeführte Straßengemeinschaft "Steenallee" hatte gemeinsam mit Karl Greins und Klaus Radtke am Kreuz das Beet gesäubert und rings herum kleine Fahnen aufgestellt. Nachbar Philip Müller war auch da. Er wohnt seit etwa neun Jahren dort, hatte mit Hilfe der Familie Kaiser etwas über das Kreuz erfahren und mit dafür gesorgt, dass dieses vor einiger Zeit restauriert wurde. Unter anderem hatten sich daran Maler Stefan Greis, Schlosser Klaus Caris, Schreiner Karl Matter und die Feuerwehr beteiligt. Einige Mitglieder der Ehrenabteilung bildeten die Spitze des Prozessionszuges, darunter Hans Maubach, Werner Zensen oder Theo Heyes.

Der Straßenverkehr kam am Kreuz ein wenig ins Stocken. So wurden auch andere Unbeteiligte an das Kreuz erinnert. Stadtarchivar Udo Holzenthal erinnerte durch zwei Info-Tafeln an die Geschichte dieses Kreuzes. Es gab dazu sogar einen Sonderdruck. Zum Schluss stimmte Elena Filippaki-Knobbe, die 16 Jahre lang in Willich gewohnt hatte, die ersten Strophen des Liedes der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung ("We shall overcome") an.

Quelle: RP
 
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