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Halle 4
Großes Fest zum 100-jährigen Bestehen am Stahlwerk

Halle 4: Großes Fest zum 100-jährigen Bestehen am Stahlwerk
Direkt vor "Halle 4" zeigten Klaus Caris (rechts) und sein Praktikant Pascal Schwarz, wie vor 100 Jahren die Eisenbearbeitung funktionierte. FOTO: Prümen
Stadt Willich. 100 Jahre alt ist die denkmalgeschützte "Halle 4", das größte Gebäude im Willicher Gewerbepark "Stahlwerk Becker". Sie wurde 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, eingeweiht.

Ein historischer Jahrmarkt mit Dampf-Karussell, Hochrad-Fahrschule und Nostalgie-Spielplatz erwartete stilgerecht die Besucher auf der Freifläche vor dem Backsteinbau. Der ist gewaltige 122 Meter lang und 66 Meter breit und wurde von den Düsseldorfer Architekten Viktor Schulz und Ernst Bangert als freitragende Halle konstruiert. Nachdem es um die "Halle 4" viele Jahre sehr schlecht bestellt war, ihre Zukunft ungewiss erschien, erstrahlt sie heute in top restauriertem Zustand und ist mit neuem Leben gefüllt. Sie diente im 1908 gegründeten, damals expandierenden Stahlwerk von Reinhold Becker als Draht- und Feinwalzwerk. Pro Monat konnten hier bis zu 1000 Tonnen Stahl zu Profilen aller Art verarbeitet werden.

Eine von Stadtarchivar Udo Holzenthal konzipierte Ausstellung im Gründerzentrum zeigt historische Aufnahmen. Sie geben einen Eindruck von der Größe des Stahlwerks, das auf dem Gelände hinter dem alten Willicher Güterbahnhof entstanden war und damals bis zu 6000 Menschen beschäftigte. Heute lagern in der hellen "Halle 4" mehrere tausend Tonnen Stahlrohre in abgetrennten Arealen. "Stahl zu Stahl. Das passt alles wunderbar zusammen", findet Bernd Hollaender. Er ist Geschäftsführer der Firma Propipe. Seit 2011 ist der internationale Rohrhandel Mieter der "Halle 4". Dirk Graumann von Propipe erinnert sich an den maroden Zustand, in dem sich die 9.500 Quadratmeter große Halle einst befand. Alles sei vermüllt gewesen, die Fenster waren kaputt, die Eisenträger verrostet.

Nach dem Abzug der britischen Rheinarmee hatte das Gebäude seit 1993 leer gelegen. Welche Probleme die Sanierung bereitete, weiß Kämmerer Willy Kerbusch, Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich. "Wir haben das Areal zum 31. Dezember 1997 gekauft, am 2. Januar habe ich es zum ersten Mal betreten", erinnert er sich. Die Briten warteten auf dem Gelände seit den 1950er-Jahren ihre Panzer. Die Altlasten seien "dramatisch" gewesen, erklärt Kerbusch: "Wir sind zunächst mal mit dem Geigerzähler über das Gelände gegangen." Allein 2,4 Millionen Euro verschlang die Sanierung der "Halle 4". Doch der Aufwand habe sich gelohnt, sagt Kerbusch. "Heute haben sich im Gewerbepark insgesamt 158 Firmen mit 1500 Arbeitsplätzen angesiedelt. Die Gewerbesteuereinnahmen belaufen sich auf drei Millionen im Jahr", erklärt er.

(evs)
 
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