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Stadt Willich
Grüne Themen beschäftigen die Bürger

Stadt Willich: Grüne Themen beschäftigen die Bürger
Vermutlich nur noch in diesem Jahr werden die Kugelahorne vor der Pfarrkirche St. Katharina in Willich stehen. Bald wird der Marktplatz umgestaltet. Die Grünen hatten sich für den Erhalt der Bäume eingesetzt. FOTO: Hüskes Achim
Stadt Willich. Die Kugelahorne auf dem Willicher Markt werden gefällt. Die Grünen fürchten, dass das zu einem sorgloseren Umgang mit der Natur führt. Die Entscheidung, Häuser für Flüchtlinge im Landschaftsschutzgebiet zu bauen, finden die Grünen aber richtig. Von Marc Schütz

Ein "grüneres" Thema als die Kugelahorn-Bäume auf dem Marktplatz hat die Willicher in den vergangenen Jahren wohl selten derart intensiv beschäftigt. Am Ende gab es im Februar sogar einen knapp 100.000 Euro teuren Bürgerentscheid, in dem sich zwar die Mehrheit derer, die abgestimmt hatten, für den Erhalt der Bäume aussprachen, die nötige Zahl von mindestens 6228 Ja-Stimmen aber nicht erreicht wurde. Die Bäume werden nun also gefällt. Dennoch spricht Merlin Praetor, Vorsitzender der Willicher Grünen, von einer "Ohrfeige für die drei anderen Fraktionen im Stadtrat", wenn er zurückblickt. "Sie haben alles mobilisiert und am Ende nur einen Sieg zweiter Klasse erreicht." Es geht ihm aber nicht nur um die 20 Kugelahorne, vielmehr fürchtet er, dass nun ein "Präzedenzfall für den sorglosen Umgang mit Bäumen" geschaffen wurde. Denn diskutiert wird bereits über die Platanen an der Grabenstraße, die manchem Anwohner ein Dorn im Auge sind.

Als Niederlage verstehen die Willicher Grünen den Bürgerentscheid nicht. "Ich höre viele Bürger, die sagen ,das merken wir uns'", sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Raimund Berg, der findet, dass die Politik gut beraten wäre, "mehr am Puls der Menschen zu sein". Praetor ergänzt: "Die drei anderen Fraktionen haben den Bürgerwillen und den Ernst der Sache komplett unterschätzt. Wir sind konsequent geblieben." Gleichwohl würden sich die Grünen nun konstruktiv in den Prozess der Markt-Umgestaltung einbringen, um das "Bestmögliche aus der Situation zu machen", so Raimund Berg.

Eine Baumschutzsatzung, die für private Grundstücksbesitzer regelt, unter welchen Umständen sie Bäume auf ihrem Privatgelände fällen dürfen, gibt es in Willich nicht - und ist für die Grünen auch nicht zwingend erforderlich. "Denn die Schützwürdigkeit der Bäume lässt sich auch über die Bebauungspläne regeln", sagt Merlin Praetor. Allerdings stammten die zum Teil aus den 60er-Jahren, als es andere Erkenntnisse und gesellschaftliche Forderungen gab, weshalb sie von der Politik noch einmal geprüft werden sollten. Übertreiben dürfe man es mit der Bürokratie allerdings nicht, wie das nun angestoßene Neubaugebiet "Schiefbahner Dreieck" zeige. "Dort ist sogar geregelt, wo die Mülltonnen stehen müssen", sagt Berg.

Die Grünen waren von vornherein gegen das "Schiefbahner Dreieck". "Wir brauchen zwar speziell in Schiefbahn neue Wohnbebauung, aber nicht an einer Durchgangsstraße, an der man für zwei Millionen Euro eine Lärmschutzwand bauen muss", sagt Berg und kritisiert die derzeit im Raum stehenden Grundstückspreise von 330 Euro pro Quadratmeter. Aus Sicht der Grünen "soll damit der Kreisverkehr an der Ecke Korschenbroicher/Willicher Straße, den in der Form niemand braucht, finanziert werden". Das als "soziale Neubaufläche für junge Familien zu verkaufen, ist eine Veräppelung der Bürger", findet Berg.

Statt einen Kreisverkehr für 1,5 Millionen Euro zu bauen, der anschließend dem Kreis "geschenkt" werde, sollte die Verwaltung aus Sicht der Grünen lieber endlich die eigens dafür in den Haushalt eingestellten 15.000 Euro verwenden, um einen Gutachter damit zu beauftragen, Alternativen zur nicht realisierbaren Schiefbahner Nordumgehung zu entwickeln. Der Fluss des Verkehrs von Wekeln über Schiefbahn-Niederheide zur A 44 und zurück bringe eine Entlastung für Schiefbahn, so Praetor. "Experten sollen Optionen entwickeln, die öffentlich diskutiert und dann entschieden werden", ergänzt Berg und bemängelt, dass die Willicher Verwaltung allzu oft Vorlagen mache, die "politisch-gestalterisch" seien und so die Politik vor vollendete Tatsachen stelle mit dem Ziel, dass diese nur noch abnicke.

Lob von den Grünen erntet die Willicher Stadtverwaltung für die Umsetzung der Sanierungsarbeiten des St.-Bernhard-Gymnasiums, das in den vergangenen Jahren in großen Teilen neu aufgebaut worden sei und das hohe Niveau der Willicher Schullandschaft symbolisiere. Die bisher jährlich im Haushalt vorgesehenen 700.000 Euro sollten allerdings dringend für ähnliche Zwecke ausgegeben werden, wenn die Arbeiten am St. Bernhard demnächst abgeschlossen seien, so Praetor und Berg. Die energetische und nachhaltige Sanierung von städtischen Schulgebäuden, die teilweise aus den 50er-Jahren stammen, sei dringend geboten. Zudem müsse man über moderne Lernarchitekturen nachdenken, die den Schülern Raum für freies Arbeiten bieten, so Praetor, der auch Vorsitzender des Schulausschusses und selbst Lehrer ist.

Auf Nachhaltigkeit setzen die Grünen auch bei der inneren Sicherheit und warnen vor einem "Schnellschuss", wie ihn eine massive Aufstockung des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) bedeuten könne. "Der KOD ist der verlängerte Arm der Verwaltung, der der Polizei zuarbeitet, aber keine Strafverfolgungsbehörde", sagt Praetor, und Berg ergänzt: "Die steigenden Einbruchszahlen sind auf gut vernetzte und europaweit agierende Banden zurückzuführen. Das Problem löst man nicht durch einen KOD."

Einigkeit mit den drei anderen im Rat vertretenen Parteien herrscht in der Flüchtlingspolitik: "Wir können uns glücklich schätzen, dass Politik und Verwaltung in dieser kurzen Zeit qualitativ hochwertige und dauerhafte Lösungen geschaffen haben", sagt Praetor mit Blick auf die Reihenhäuser für Flüchtlinge, die bald an vier Stellen in Neersen und Schiefbahn gebaut werden. Dass in Neersen dafür auch ein Landschaftsschutzgebiet bebaut wird, ist für die Grünen vertretbar: "Die dafür vorgesehenen Ausgleichsflächen sind höher zu bewerten, als die Ackerfläche, die verloren geht", sagt Berg und betont, dass es keine Alternative sein könne, Flüchtlinge in Turnhallen, Zelten oder Containern unterzubringen.

Quelle: RP
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