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Gemeinde Grefrath
Gutes Essen, tolle Weine, böse Buben

Gemeinde Grefrath. Krimi-Schriftsteller Martin Walker las auf Einladung von Buchhändler Karl Groß im Grefrather Bestattungshaus. Sein Held Bruno ist viel mehr als nur ein einfacher Dorfpolizist. Von Jürgen Karsten

Weltpremiere für einen international erfolgreichen Schriftsteller: Der im Südwesten Frankreichs lebende Schotte Martin Walker präsentierte seinen neuesten Kriminalroman um "Bruno - Chef de Police" und dessen neunten Fall in der Reihe "Kultur am Montag" von Karl Groß mal nicht in dessen kleiner Buchhandlung, sondern ausgerechnet im Bestattungshaus Camps. Im restlos ausverkauften Foyer war Platz für die rund 220 Gäste, die mucksmäuschenstill einer vom Kempener Journalisten Detlef Herchenbach geleiteten Gesprächsrunde und der abwechselnd in englischer (Martin Walker) und deutscher Sprache (Karl Groß) gehaltenen Lesung aus dem Roman "Grand Prix". Darin geht es um eine Oldtimer-Rallye und vor allem um die Jagd auf eines der teuersten und begehrtesten Autos der Welt, den letzten von vier edlen Bugattis, dessen Spur sich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verliert.

Wie immer in den Büchern von Martin Walker, eines britischen Weltbürgers, der sich in die beschauliche Landschaft des Périgord verliebte und mit seiner Familie in das malerische Dörfchen Le Brugue zog, geht es mehr als um die Verbrechen um das alltägliche schöne Leben mit gutem Essen, hervorragenden Weinen und guten Freunden. Das beschreibt der bekennende Genießer Martin Walker auf unnachahmliche Weise, einschließlich von Kochrezepten, die so detailliert beschrieben werden, dass jeder ambitionierte Koch es nachkochen kann. Mit seiner Frau Julia hat Walker inzwischen auch das prämiierte "Beste Kochbuch Frankreichs" geschrieben.

Seine Romane um Bruno, der viel mehr ist als ein einfacher Dorfpolizist, vielmehr ein Alleskönner und Frauenversteher, einfach ein netter Kerl und jederzeit hilfsbereit, sind eine wunderbar leichte Lektüre. Das Vorbild für diese Romanfigur fand Walker in seinem engsten Freundeskreis im Dorf. Mit viel Liebe beschreibt der gelernte Journalist und erfolgreiche Sachbuchautor dessen Wirken inmitten turbulenter Straftaten, webt gerne Geschichte und Politik ein und schafft auf diese Weise populäre Romane, die inzwischen in 16 Sprachen und allein in Deutschland in Millionenauflagen erscheinen.

Vor dem Beginn der Frankfurter Buchmesse, auf der Gastland in diesem Jahr Frankreich ist, gelang es durch Vermittlung einer Vertreterin des Diogenes-Verlags in Zürich, den Weltschriftsteller ins kleine Grefrath zu holen. Martin Walker, inzwischen 70 Jahre alt, aber erstaunlich munter und agil, sieht sich weniger als Krimi-Autor und mehr als Dokumentarist. Er arbeitete 25 Jahre lang bei der renommierten britischen Tageszeitung "The Guardian", verfasste zahlreiche Sachbücher über Gorbatschow und die Perestroika, über den kalten Krieg und Ex-Präsident Bill Clinton, der ein Studienkollege von ihm war. Walker studierte Wirtschaft und Internationale Beziehungen. Zu Zeiten von Clintons Präsidentschaft reiste er mehrmals mit der "Air Force One", dem reich ausgestatteten Flugzeug der US-Präsidenten. "Tolles Flugzeug, aber das Essen war schlecht", plaudert er in der Gesprächsrunde in perfektem Deutsch aus. Und verrät mit dem für Briten eigenen trockenen Humor, dass Bill Clinton als Student wegen seines Asthmas Haschisch nicht inhalieren konnte, dafür aber der "König der Hasch-Cookies" und schon damals ein Freund der Frauen war.

Dass dieser charmante Plauderer, der ein wahres Sprachtalent und ein begeisternder Entertainer ist, aber auch ein sehr ernsthafter Vordenker ist, beweist er als Senior Fellow in der Denkfabrik "Global Business Policy Council" in Washington, wo er einen Teil des Jahres auch lebt. Er schrieb vielbeachtete Werke wie den historischen Roman "Schatten an der Wand" (2012) und den Zukunftsthriller "Germany 2064". In Grefrath entlockte ihm Detlef Herchenbach auch Details zu seiner Arbeitsweise: So schreibt Martin Walker jeweils tausend Worte am Tag. Auch bei Karl Groß blieb er diesem Rhythmus treu und schrieb in dessen Haus sein Tagespensum für den nächsten Roman. In jedem Jahr erscheint ein neuer Roman um den inzwischen legendären Polizeichef Bruno - im Juli in englischer Sprache, im darauffolgenden April in der deutschen Version.

Die zwei Stunden Buchpräsentation im im Bestattungshaus Camps waren wie im Fluge vergangen, der humorvolle Schotte sang zum Abschluss noch ein Liebeslied auf Französisch und begeisterte mit seinem unterhaltsamen Auftritt die Besucher, die anschließend Schlange standen, um ein signiertes Buch des sympathischen Autors zu ergattern.

Quelle: RP
 
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