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Stadt Kempen
Gymnasiasten durchdenken ihren Tod

Stadt Kempen: Gymnasiasten durchdenken ihren Tod
Schulleiter Benedikt Waerder vor der schwarzen Tafel mit den Lebenswünschen seiner Schüler. Rechts neben ihm die Sterbe- und Trauerbegleiterin Gerda Kretschmann sowie Monika Thobe, Brigitte Pieper und Irmgard Klewitz vom Kempener Ortsverein der Hospizinitiative Viersen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Nach Vorbild des weltweit erfolgreichen Kunstprojekts "Bevor I die" setzen sich die Schüler des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums eine Woche lang mit dem eigenen Sterben und ihren Lebenswünschen auseinander. Von Beate Wyglenda

Es sind teils grundlegende und tiefgründige, aber auch ganz handfeste Dinge, die sich die Schüler des Luise-von-Duesberg (LvD) Gymnasiums vor ihrem Tod wünschen. "Allen Menschen, die ich liebe, zeigen, wie wichtig sie mir sind", hat etwa ein Neuntklässler auf das schwarze Brett in der Aula geschrieben. "Meine Mitte gefunden haben", "geheiratet haben" und "nach Japan fahren" stehen ebenso drauf. Mit dem 2011 initiierten Projekt "Bevor I die" (bevor ich sterbe) hat die amerikanische Künstlerin Candy Chang einen Anstoß gegeben, sich über diese Lebenswünsche Gedanken zu machen. Nun brachte die Hospizinitiative des Kreises Viersen das Kunstprojekt für eine Woche an die Kempener Schule.

Als ein geliebter Mensch aus Changs Umfeld starb, begann die Künstlerin sich Gedanken zu machen: "Was ist eigentlich im Leben wichtig, wenn wir schon den Tod im Nacken haben", fragte sie sich und mit Hilfe einer schwarzen Tafel auch die Menschen in ihrer Umgebung. Jahre später ist aus der persönlichen Studie ein weltweit erfolgreiches Kunstprojekt geworden. Inzwischen haben in vielen Ländern schwarze Tafeln gestanden, die zum Nachdenken, Aufschreiben und Austauschen anregen sollten.

Eine Woche lang hat die Hospizinitiative des Kreises Viersen die schwarze Tafel auch ans LvD-Gymnasium geholt. "Ich habe das Kunstprojekt vergangenes Jahr in New York gesehen und fand die Idee toll, das Thema mit einer so einfachen Methode in die Öffentlichkeit zu bringen", erklärt die Sterbe- und Trauerbegleiterin Gerda Kretschmann. Der Tod sei noch immer ein Tabuthema in der Gesellschaft. Gerade Kinder und Jugendliche machten sich selten Gedanken über das Sterben. "Daher fand ich es besonders spannend zu lesen, was diesen jungen Menschen zu dem Thema einfällt", sagt Kretschmann.

Die schwarze Tafel steht im LvD-Gymnasium im Vorraum der Aula. Der Philosophiekurs der neunten Jahrgangsstufe war bereits da. Kursweise können auch die Schüler der Religions- und Lateinkurse ihre Gedanken aufschreiben. Wer sich vor den anderen nicht so weit öffnen möchte, kann seine Wünsche anonym notieren.

Die Aussagen aller Schüler fänden leider nicht genug Platz, so Schulleiter Benedikt Waerder, allerdings lasse sich die Idee auch genauso gut in den einzelnen Klassen ausführen. "Das Thema Tod ist durchaus in unseren Lehrplänen enthalten", erklärt Waerder. "Aktuelle Anlässe wie die Anschläge in Paris, der Germanwings-Absturz oder vor einiger Zeit der Tod einer Kollegin werden von verschiedenen Kursen aufgegriffen."

Darüber hinaus seien die Schüler trotz ihres jungen Alters auch im Privatleben von dem Thema betroffen. "Manche mussten bereits den Tod der Großeltern oder sogar eines Elternteils miterleben. Letztlich ist aber selbst ein verstorbenes Haustier etwas, das erst einmal verarbeitet werden muss", so Waerder. Entsprechend erstaunt waren die Initiatoren, wie offen die Schüler das Kunstprojekt aufnahmen. "Es ist faszinierend, was sich die Kinder haben einfallen lassen. Alle haben sich unvoreingenommen und teils sehr reflektiert mit dem eigenen Sterben auseinadergesetzt", sagt Kretschmann.

Die Sterbebegleiterin ergänzt: "Das Thema Tod mal mit Kinderaugen zu sehen, ist auch für uns Erwachsene sehr lehrreich."

Quelle: RP
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