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Stadt Willich
Handeln statt wegschauen

Stadt Willich: Handeln statt wegschauen
Das ist nur ein Symbolbild für Jugendarbeit in Sportvereinen. Das Archivfoto zeigt ein Trining mit den früheren Bundesligaprofis Marcel Witeczek und Michael Klinkerz an der ehemaligen Johannesschule in Anrath. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. "Sexualisierte Gewalt im Sport" war das Thema eines Informationsabends, zu dem der Kreissportbund Viersen Gruppenleiter aus Sportvereinen in die Willicher Jakob-Frantzen-Halle eingeladen hat. Etwa 60 Zuhörer kamen. Von Stephanie Wickerath

Petra Lazik ist vom Fach. Die 60-Jährige hat 35 Jahre lang als Hauptkommissarin in den Bereichen Jugendkriminalität und Sexualdelikte gearbeitet. Später leitete sie das Kommissariat Vorbeugung. 2008 ist die Kaarsterin aus dem Polizeidienst ausgestiegen und hat sich als Heilpraktikerin und Familienberaterin fortbilden lassen. Heute führt sie eine Praxis für Traumtherapie und Paartherapie. Außerdem ist die 60-Jährige Fachreferentin und Fachberaterin beim Landessportbund zur Thematik "Sexualisierte Gewalt im Sport." In dieser Funktion war sie jetzt in Willich. Der Kreissportbund hatte zu einem Informationsabend eingeladen. Ein konkreter Fall von Missbrauch lag nicht vor, vielmehr gehe es um Prävention, wie Klaudia Schleuter vom Kreissportbund sagt.

Die Zahlen, die Petra Lazik auf den Tisch legt, sprechen für sich: Laut Statistik ist jedes vierte bis fünfte Mädchen von sexuellem Missbrauch betroffen, bei den Jungen ist es jeder Neunte bis Zwölfte, wobei Lazik von einer höheren Zahl ausgeht, weil Jungen seltener darüber sprechen. Die etwa 60 Zuhörer müssen ob dieser Zahlen schlucken. "80 Prozent der Täter sind männlich", informiert Lazik weiter, ein Drittel der Täter sei unter 18 Jahren. "Ich möchte Sie motivieren, sich des Themas anzunehmen, damit Sie die Problematik erkennen und vorbeugen können", sagt die Referentin. Denn klar sei: "Wenn man weiß, worum es geht, schaut man weniger schnell weg."

Dass sexualisierte Gewalt ein Thema im Sport ist, sei ohne Zweifel, sagt Lazek, denn Sportvereine seien für Täter sehr interessant, weil es dort viele Kinder gebe und es leicht sei, zu ihnen und ihren Eltern Vertrauen aufzubauen. "Außerdem gehört Körperkontakt bei vielen Sportarten dazu", weiß die Referentin. Das erleichtere es den Tätern, sich an das Kind heranzutasten. "Erfahrungsgemäß werden selbstbewusste Kinder, die früh klar machen, dass sie diese Nähe und diese Berührungen nicht wollen, seltener Opfer", weiß die 60-Jährige, denn Täter überschritten die Grenzen des Gegenübers meist in kleinen Schritten und beobachten die Reaktion. "Mit jedem Schritt schätzen sie ab, ob sie weitergehen können", erklärt Lazik.

Für Eltern und Betreuer in Vereinen gelte generell, dass sie auf ihren Bauch hören sollen, wenn ihnen etwas "komisch" vorkomme. Kümmert der Trainer sich um ein Kind besonders intensiv? Bietet er etwa Einzeltraining an oder macht einen schwachen Spieler immer wieder zum Spielführer? Informiert der Trainer andere Vereinsmitglieder, wenn er länger mit einem Kind auf dem Platz oder in der Halle bleibt? Geht der Trainer regelmäßig in die Umkleidekabine? Oder zieht ein Kind einem anderen die Hose runter? Zeigen Jugendliche den Kindern Pornohefte? All das sei unangemessenes Verhalten und zum Teil auch strafrechtlich relevant, informiert die Fachfrau.

"Sexualisierte Gewalt ist in den meisten Fällen Machtausübung. Es geht um Unterwerfung und Demütigung mit dem Mittel der Sexualität", definiert Lazik. Grenzen werden ignoriert. Das führe dazu, dass die Kinder sich unwohl fühlen, sich schämen. "Die Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen aus der Situation heraushelfen", stellt die Referentin klar und appelliert an ihre Zuhörer, die Kinder vor Übergriffen zu schützen und die Verantwortung für Maßnahmen zu übernehmen, wenn ein Kind Opfer geworden ist. "Werden Sie aufmerksam, wenn ein Kind bei Körperkontakt scheinbar überreagiert, plötzlich Konzentrationsstörungen hat, unter extremer Müdigkeit leidet, reizbar ist, Wutausbrüche hat und Schreckreaktionen zeigt." All das könnten Symptome für sexualisierte Gewalt sein.

Quelle: RP
 
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