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Serie Freilichtmuseum Dorenburg
Handwerkskunst aus alten Zeiten

Serie Freilichtmuseum Dorenburg: Handwerkskunst aus alten Zeiten
In der Hofanlage Hagen erfährt man eine Menge über das Handwerk in alten Zeiten. FOTO: Kaiser Wolfgang
Willich. In einer Serie stellen wir die einzelnen Bestandteile des Freilichtmuseums vor. Heute ist die Hofanlage Hagen an der Reihe. Berufe wie Seiler, Küfer, Holzschuh- und Stellmacher erwachen hier zu neuem Leben. Von Bianca Treffer

Grefrath Das "Anno 1724" in dem dunklen Türbalken der Torscheune ist noch gut zu lesen. Schwieriger wird es bei den Schriftzeichen davor und darunter. Wer gute Augen hat, der kann den "26. April" entziffern und die Buchstaben "P.H.E.H.E.L." entwirren. "Hier kennen wir das genaue Datum der Errichtung der Torscheune, die einst in St. Tönis stand. Welche Namen sich hinter den Buchstaben verbergen, ist allerdings unbekannt. Die ersten beiden stehen für den Namen des Mannes, die beiden nächsten für den der Frau und das E.L. steht für Eheleute", erklärt Kevin Gröwig, der stellvertretende Leiter des Niederrheinischen Freilichtmuseums.

Die Torscheune gehört zum Ensemble der Hofanlage Hagen, die aus fünf Bauten besteht, wobei das Wohnhaus und die Scheune aus dem 17. Jahrhundert stammen. Beide reetgedeckten Gebäude bildeten einst den Spenneshof in Süchteln-Hagen. Etwas jünger ist hingegen das ehemalige landwirtschaftliche Speichergebäude. Es ist ein Jahrhundert jünger und stand in Kempen Schmalbroich-Wall, wo es zum Fückeshof gehörte. Es ist ein Gebäude, das nahezu jeder Museumsbesucher kennt, denn schließlich stellte es Jahrzehnte lang den Eingang des Freilichtmuseums dar. "Ein wirkliches Schmuckstück ist unsere Flachsdarre, die schon immer hier stand und zur Dorenburg gehört. Allerdings übersehen die Besucher sie oft trotz Ausschilderung", berichtet Gröwig.

Entlang des Färbergartens, in denen die unterschiedlichsten Pflanzen, sortiert nach den Farben, wachsen, steht das kleine Gebäude, in dem früher der Flachs getrocknet wurde. Die drei Schornsteine, die in einen weiteren münden, sind noch genau zu erkennen. Die alten Öfen, die angeheizt und danach zum Trocknen benutzt wurden, gibt es hingegen nicht mehr. "Nur reiche Höfe konnten sich eine Flachsdarre leisten. Ansonsten wurde der Flachs so getrocknet. Von den Flachsdarren ging eine hohe Brandgefahr aus, daher wurden sie im gebührenden Abstand, in diesem Fall von der Dorenburg, angesiedelt", informiert Gröwig. Heute ziert eine Dachziegelausstellung das kleine Gebäude.

Um Töpferei und Keramik dreht sich auch alles im Wohnhaus der Hofanlage. Diverse Ausstellungsstücke sind in Vitrinen zu sehen, auch eine Töpfereiwerkstatt und eine Lehmmühle erwarten die Besucher. Im hinteren Raum des Wohnhauses sollte der Blick einmal zur Decke wandern. Die Stuckdecke von 1786, die in einem Haus in St. Hubert abgetragen und in Grefrath von Restauratoren eingearbeitet wurde, erzählt von der Volksfrömmigkeit ihrer Zeit. Das gilt auch für das Christussymbol im Keienboden, wie der Kieselsteinboden genannt wird. "Allerdings muss man hier genau hinschauen, um das christliche Symbol zu erkennen. Der Boden wurde beim Bau einer Straße entdeckt und für das Museum gerettet", berichtet Gröwig.

Wer die steile Treppe hinaufsteigt, erlebt eine weitere Vielzahl von Ton-Exponaten. Darunter sind auch die Satten, wie die flachen Schüsseln mit Ausguss heißen, die dazu benutzt wurden, den Rahm von der Milch zu trennen. Zum Gang über den alten Holzboden gehört das Knacken der Balken.

Halbdunkelheit empfängt die Besucher in der Scheune, wo die holzverarbeitenden Berufe ihren Platz haben. Der Zimmermann mit seinen diversen Werkzeugen, die Tischlerwerkstatt, die Küferei, der Stellmacher und der Holzschuhmacher - anhand der ausgestellten Exponate kann genau nachvollzogen werden, wie in früheren Jahren gearbeitet wurde. Wie die Holzschuhe, auch die Gummistiefel des Niederrheins genannt, aus einem Holzblock hergestellt wurden, erfährt der Besucher genauso detailliert wie die Herstellung eines Fasses oder eines Wagenrades.

Wer die Hofanlage verlässt, sollte es nicht verpassen, einen Blick in die Seilerei zu werfen, die in der Torscheune untergebracht ist. Schnell ist man nämlich an dem Fenster mit seinen Holzstäben vorbeigelaufen, weil man nicht ahnen kann, was sich dahinter verbirgt. Das Seilerrad, an dem der Seiler die einzelnen Fäden aufspannte und verdrehte, in dem er selber auf der Seilbahn, auch Reeperbahn genannt, ging, die benötigten Werkzeuge - alles ist zu sehen. Wobei große Infotafeln die nötigen Erklärungen zur Vorgehensweise der Seilherstellung liefern.

Quelle: RP
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