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Stadt Willich
Hannen-Areal: Politik braucht noch Zeit

Stadt Willich: Hannen-Areal: Politik braucht noch Zeit
Das Gelände mit Parkplatz und Rewe-Markt möchte ein Investor kaufen - die Stadt hat aber ein Vorkaufsrecht. Die Politik möchte, dass auch das Stadtwerke-Gebäude (im Hintergrund) und die Brauerei-Passage in die Planungen einbezogen werden. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Die Entscheidung, ob die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wird, wird wohl doch noch nicht in der morgigen Ratssitzung fallen. Vorher wollen FDP und Grüne Gewissheit darüber, dass der Investor im Sinne der Stadt handelt. Von Marc Schütz

Noch bis zum 29. Mai hat die Politik Zeit, sich zu entscheiden, ob die Stadt Willich von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und somit das ehemalige Hannen-Areal, auf dem sich der Rewe-Markt und ein großer Parkplatz befinden, erwerben soll. Eigentlich sollte die Entscheidung schon am morgigen Donnerstag in der Ratssitzung fallen, und auch heute steht das Thema auf der Tagesordnung des Planungsausschusses. Doch es gibt bei den Grünen und der FDP noch Beratungsbedarf. Niemand will leichtfertig elf Millionen Euro ausgeben, wenn es doch einen Investor gibt, der das Areal kaufen - und angeblich gern weiterentwickeln - würde. Die Frage ist bloß: Wie bringt man ihn dazu, mit dem Gelände im Sinne der Stadt zu verfahren?

Der Käufer, ein Investor aus Willich, hat zwar bereits eine Kooperationsvereinbarung (einen sogenannten Letter of Intent) mit der Stadt unterzeichnet, in der die gemeinsame städtebauliche Entwicklung des Geländes beabsichtigt wird. Aber: "Der Letter of Intent ist für uns eine bloße Absichtserklärung", sagt Johannes Bäumges, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat. "Wir sind aber bereit, den Aussagen des Käufers, dass auch ihm als Willicher Bürger an einer städtebaulichen Weiterentwicklung des gesamten Areals gelegen ist und dass er die hierfür nötigen Schritte mitgehen will, Glauben zu schenken. Für die CDU-Fraktion ist wichtig, dass nach Aussage der Stadtverwaltung der Käufer auch keine Absicht habe, ein künftiges Vorkaufsrecht der Stadt Willich durch gesellschaftsrechtliche Konstruktionen zu umgehen." Nach derzeitigem Stand würde die CDU dafür stimmen, dass die Stadt das Gelände nicht kauft - "soweit der Investor erklärt, das in seinen Kräften Stehende für die Entwicklung des gesamten Areals beizutragen. Der Investor muss zu seiner Zusage stehen, die gewünschte städtebauliche Entwicklung zu betreiben und das Objekt nicht als bloße Kapitalanlage zu sehen", so Bäumges. Auch die SPD will gegen einen Kauf des Geländes durch die Stadt stimmen, so Dr. Sarah Bünstorf, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Das Finanzielle Risiko für die Stadt wäre ihrer Partei zu groß.

Beratungsbedarf haben allerdings noch die Grünen: "Wir glauben nicht, dass die Fragen, die wir haben, bis zur Ratssitzung am Donnerstag geklärt werden können", sagt Fraktionsvorsitzender Dr. Raimund Berg. Zu einer abschließenden Meinung sind die Grünen jedenfalls noch nicht gekommen, völlig unvorstellbar wäre es für sie wohl nicht, dass die Stadt das Areal kauft. So sieht es auch die FDP, deren Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Donath sagt: "Wirtschaftlich wäre ein Kauf des Geländes schon tragbar." Allerdings gehe es bei dem städtebaulich wichtigen Areal um mehr als darum, den jetzigen Zustand zu erhalten. Und um das Gelände wirklich weiterzuentwickeln, brauche man einen Investor. "Denn selbst dann, wenn sich die Investition auf dem Papier rechnen würde, würden Herausforderungen durch die Stadt eingegangen, deren Bewältigung nicht deren Kerngeschäft ist", ergänzt Johannes Bäumges.

Zudem sehen CDU und FDP das knapp 15.000 Quadratmeter große Hannen-Areal als alleinstehendes Objekt. Vielmehr müssten auch das Gebäude der Stadtwerke und die Brauerei-Passage in die Planungen einbezogen werden. Und: Mit Rewe besteht ein langfristiger Mietvertrag, "es bestehen also Verpflichtungen", sagt Bäumges. Und dieser Mietvertrag ist es auch, der die SPD daran zweifeln lässt, dass an dieser Stelle schnell eine Entwicklung geschehen kann.

Denn womöglich passiert bis zum Auslaufen des Mietvertrages mit Rewe nicht viel, sofern deren Geschäftsführung tiefgreifenden baulichen Veränderungen nicht zustimmt. Zudem wurde der Markt erst vor wenigen Monaten renoviert. Dennoch gibt es erste Ideen, wie man das Gesamt-Areal gestalten könnte. Der Zugriff der Stadt auf das Gebäude der Stadtwerke dürfte recht problemlos möglich sein, und auch Christian Paschertz, Geschäftsführer der W. Paschertz GmbH, der die Brauerei-Passage gehört, signalisiert großes Interesse daran, dass etwas passiert. "Das wäre nicht nur in unserem Interesse, sondern auch gut für die ganze Stadt", sagt Paschertz auf Nachfrage unserer Redaktion. Er stehe diesbezüglich schon seit zwei, drei jahren in Kontakt mit der Stadt und sei bereit zu investieren. So könnte man seiner Ansicht nach beispielsweise die Geschäfte der Passage zur Friedrichstraße hin öffnen, am Rande des jetzigen Parkplatzes zur Brauerei- und Grabenstraße könnte er sich weitere Geschäfte vorstellen, die dann mit der Passage verbunden werden könnten. Doch das seien bisher alles bloß Gedankenspiele. "Letztlich kommt es auf das Gesamtkonzept an", sagt Paschertz.

Die Entscheidung, die die Politik zu treffen hat, ist also keine leichte. "Es gibt nicht den besten Weg, und wir gehen Risiken ein. Im Interesse der Stadt müssen wir versuchen, diese möglichst gering zu halten", sagt Hans-Joachim Donath. In der Entwicklung des Geländes sieht er die Chance, in den vergangenen Jahren abgeflossene Kaufkraft nach Willich zurückzuholen. Und es gebe durchaus Interesse von kleineren Einzelhandels-Ketten, sich in Willich anzusiedeln. Neben Einzelhandel schwebt ihm aber auch die Schaffung von günstigem Wohnraum im Zentrum vor.

Quelle: RP
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