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Stadt Kempen
Heimat als eine Herzenssache

Stadt Kempen. Andreas Baumann alias Cirillo widmete sich in der Kempener "Haltestelle" den regionalen Kulturen und Dialekten - einschließlich eines Theaterwettbewerbs mit Jögi Löw und Jürgen von Manger. Von Silvia Ruf-Stanley

Mit Blasmusik fing der Abend in der Kempener "Haltestelle" an der St. Töniser Straße an. Richtig, an diesem Abend sollte es ja um die "Herzensheimat" gehen. Herzensheimat, wo könnte diese besser liegen als im heimischen Dialekt und kleinen Alltagsgeschichten, hat sich Andreas Baumann alias Cirillo wohl gedacht. Und so treten bei ihm fünf deutsche Regionen zu einem Theaterwettbewerb an. Es geht um Hessen, das Rheinland, Sachsen, das Ruhrgebiet und Schwaben. Aber sie sollen nicht nur ein und dieselbe Geschichte immer weiter spielen, sondern auch noch dazu improvisieren.

So fängt es mit den Hessen ganz einfach an - auf Wunsch des Publikums bei Adam und Eva. Ach ja, der Jogi Löw soll auch noch vorkommen und ein Schneebesen. Und das soll alles in die vom Moderator vorgegebene Geschichte eingebaut werden. Gut, dass mit Longinus Lange aus dem Publikum ein "Schreiberling" gefunden wird, der die Stichworte an einer Tafel festhält. Wie überhaupt Baumann das erst zögerliche Publikum immer mehr löst und einbindet. Den roten Faden der Geschichte, nämlich den frisch gekochten und immer wieder erkalteten Kaffee und die verlorene Dienstmarke eines Polizisten, müssen die verschiedenen Landsmänner immer wieder aufnehmen, ebenso die Figuren von Omas über Tanten bis Nachbarn und Schulfreunden. Alles wird immer wieder verändert, immer wieder typisch für die Region.

Die Geschichte wird immer vielfältiger durch die Vorschläge aus dem Publikum. Die Rheinländer müssen nicht nur einen Müllmann einbauen, sondern auch noch Ferdi, das Kempener Original, und eine Ukulele. Die Sachsen müssen Pippi Langstrumpf, einen Pfarrer und ein Ofenrohr aufnehmen. Im Ruhrgebiet darf Jürgen von Manger nicht fehlen, aber auch der Arbeitslose nicht, ebenso wenig der Fußball. Und die Schwaben müssen die Nachbarin und Spätzle irgendwie unterkriegen.

Es ist schon ein Wunder, dass die Teilnehmer des Wettbewerbs auf der Bühne nicht durcheinander kommen. Denn alle diese vielen Gestalten unterschiedlicher Regionen und verschiedener Dialekte tragen nur ein Gesicht - nämlich das von Andreas Baumann. Atemberaubend, wie er in die verschiedenen Figuren schlüpft. Einzige Requisiten sind dabei seine wohl ausgefeilte Mimik, seine unheimlich gewandte Körpersprache. Hervorragend wird er dabei vom Pianisten Michael Schlierf begleitet. Dieser nimmt die aktuelle Situation musikalisch auf. Manchmal improvisiert er und reagiert damit auf die Vorschläge aus dem Publikum.

Am Ende kommt dann noch eine ganz überraschende Wendung: eine Hommage an die oft gescholtene Polizei. Baumann schafft es damit wieder einmal, sein Publikum zu verblüffen. Kurze Stille, dann großer Applaus. Den teilt er gerne mit dem Pianisten und seiner Mitarbeiterin Heide Frei, die bis zuletzt mit ihm an den Texten gefeilt hat.

Quelle: RP
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