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Kreis Viersen
Herbstlaub schafft neues Leben

Kreis Viersen: Herbstlaub schafft neues Leben
Die mächtigen Platanen auf dem Kempener Buttermarkt legen so allmählich ihr Sommerkleid ab. In wenigen Wochen zum Weihnachtsmarkt werden sie wieder mit Lichterketten geschmückt. FOTO: Kaiser Wolfgang
Kreis Viersen. Garten-Experten empfehlen Blätter auf den Beeten als besten Dünger. Naturschützer raten davon ab, im Herbst aus falsch verstandenem Ordnungssinn Laubsauger zu verwenden. Von Joachim Burghardt

Im Herbst haben viele Hobbygärtner Hochsaison: Sie harken und sammeln und picken und saugen alle Blätter vom Boden, um "Ordnung im Garten" zu haben. Dabei nehmen sie in Kauf, dass sie den Beeten Schutz und Nährstoffe nehmen: "Laub im Garten ist kein lästiger Abfall, sondern zersetzt sich zu wertvollem Humus", sagt Hermann Gröne. Weshalb der Garten-Experte sich mit Naturschützern und Biologen einig ist: Sie sind keine Freunde von Laubsaugern.

"Erst können wir uns über die bunten Blätter freuen, und nachher düngt das Laub die Beete", schildert Gröne die angenehme Folge herbstlichen Wandels an Bäumen, Sträuchern und manchen Stauden. Ein Gartenfreund mache sich diese natürlichen Abfolgen zunutze. Wer sämtliche Blätter von Beeten entferne, riskiere, dass die Böden auslaugen - und später dann gedüngt werden müssten: "Das kann man sich sparen", so Gröne.

Letztes Grün am mächtigen Stamm. FOTO: Kaiser Wolfgang

Warum trotzdem so viele Vorgärten und Gärten nahezu keimfrei gesäubert werden, liegt an falsch verstandenem Ordnungssinn, meint Heinz Tüffers vom Naturschutzbund Nabu: "Ordnung ist kein Kriterium für einen Garten, auch gestaltete Anlagen sollten nicht gegen Prinzipien der Natur gepflegt werden." Immer wieder erlebe er, dass durch falsch verstandenen Ordnungssinn Tieren und Pflanzen Lebensräume genommen würden: "Man sollte wenigstens eine wilde Naturecke im Garten haben, zum Beispiel mit Laubhaufen und Reisig." Igel und Kröten, Spinnentiere und Insekten wie Schmetterlingslarven suchten darin Schutz und Quartier für den Winter.

Tiere sind es auch, die daran mitwirken, Blätter auf Beeten zu Humus zu zersetzen, von Würmern bis zu Mikroorganismen. Doch gerade ihnen machen Laubsauger den Garaus: "Tausendfüßer oder Springschwänze in den organischen Bestandsabfällen werden einfach weggesaugt", nennt Dr. Ansgar Reichmann von der Biologischen Station Krickenbecker Seen als Beispiel. Haben die Sauger dann noch eingebaute Häcksler, bleibt den Tierchen keine Überlebenschance.

Das Farbenspiel auch dieses Baumes, den RP-Fotograf Wolfgang Kaiser am Stadtrand von Kempen entdeckte, ist einfach herrlich. FOTO: Kaiser Wolfgang

Als typisches Beispiel für den Trend zur "zunehmenden Motorisierung der Gartengeräte mit unerwünschtem Energieverbrauch und Lärmemissionen" führt der Nabu den Laubsauger auf. Daher fordert man Kommunen auf, möglichst "Laubsauger überhaupt nicht einzusetzen", zumindest nicht an Hecken und Gebüschen. "Eine Harke tut es auch, und sie macht vor allem nicht solch nervenden Lärm", rät Biologe Reichmann. Beim Harken bleibt zumindest manch ein Blatt liegen, das man laut Gröne ruhig einmal aus der Nähe betrachten sollte: "Das Farbenspiel der Blätter sorgt für abwechslungsreiche Farbtupfer im herbstlichen Garten." Bunte Blätter als Stimmungsaufheller an trüben Herbsttagen also, vor allem wenn sie bei Dunst oder Nebel in der Nässe in verschiedenen Schattierungen schimmern.

Vom Winde noch nicht verweht ist dieser Blätterberg, den RP-Fotograf Wolfgang Kaiser dieser Tage auf dem Kempener Buttermarkt entdeckte. FOTO: Kaiser Wolfgang

Davon abgesehen, ist "Laub der beste Dünger überhaupt", so Gröne. Sein Tipp: "Blätter auf Beeten liegen lassen, überschüssiges Laub in den Kompost." Nur auf die Wiese gehöre kein Laub: "Die Blätter auf dem Rasen kann man mit dem letzten Laub im November wegnehmen."

Quelle: RP
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