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Stadt Willich
Heyes: "Gemeinsam schaffen wir das!"

Stadt Willich: Heyes: "Gemeinsam schaffen wir das!"
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Stadt Willich. In der Kulturhalle ging es um Fragen der Unterbringung, um ehrenamtliche Hilfe und um zu erwartende Zahlen: Die Willicher Verwaltung informierte zur Situation der Asylbewerber-Zuweisungen. Rund 500 Bürger kamen. Von Nadia Joppen

Wie wird sich die Zahl der Willich zugewiesenen Asylbewerber und Flüchtlinge entwickeln, und wie will die Stadt damit umgehen? Zu diesem Thema hatte die Willicher Verwaltung einen Info-Abend in der Kulturhalle in Schiefbahn organisiert - mehr als 500 Bürger kamen am Montagabend.

Bürgermeister Josef Heyes begann den Vortrag mit einem großen Lob an die Bürger: "Die Hilfsbereitschaft der Willicher ist beispielhaft", dankte er und betonte die wichtige Arbeit des Arbeitskreises Fremde in der Stadt Willich (AKF) und der Initiative LOT. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass noch viel mehr Anstrengungen notwendig sein werden, denn der Stadt werden in den nächsten Wochen weitere Menschen im Asylbewerberverfahren zugewiesen, "für deren Unterbringung sind wir zuständig". Mit ihm im Podium saßen alle drei Beigeordneten, die jeweils Aspekte ihres Zuständigkeitsbereiches erläuterten: Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger (Soziales) zeigte die Zahlenentwicklung auf und betonte, dass die Stadt weiter eine dezentrale Unterbringung verfolge. Die Menschen in den vorhandenen Unterkünften würden von Hausmeistern betreut, "die leisten dort Integrationsarbeit, wir brauchen keine Security", so Schwerdtfeger.

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Die Technische Beigeordnete Martina Stall erklärte die provisorischen Unterbringungspläne mit Niershalle, der Nutzung der früheren Kirche St. Mariae Rosenkranz und Fertig-Elementen sowie die strategische Bauplanung mit festen Gebäuden, die später als Sozialwohnungen genutzt werden sollen. Weil trotz vieler Anfragen kein Bürger sein Grundstück an die Stadt verkaufen wolle, seien städtische Grundstücke ausgewählt worden: Standorte sind am Rubensweg/ Schiefbahner Dreieck (Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen für circa 80 Menschen), insgesamt neun Reihenhäuser an der Fontane-Straße (80 Menschen), drei Reihenhäuser und zwei Doppelhaushälften am Bruch (45 Menschen) und zwei Mehrfamilienhäuser am Niersweg für 160 Menschen.

Der Erste Beigeordnete Willy Kerbusch erklärte die Kosten - und die sind hoch: So sind Sanitär-Einheiten heute doppelt so teuer wie vor 14 Tagen. Aber die Stadt werde das finanzieren. "Kein Verein muss Angst haben, dass der Zuschuss gekürzt wird", so der Kämmerer. Er betonte, dass ehrenamtliches Engagement für die Betreuung der Menschen benötigt werde. Dazu erklärte er, dass private Grundstückseigentümer sozialen Wohnraum mit Förderung bauen und vermieten könnten. "Günstiger werden Sie es nicht mehr bekommen."

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Die Zuhörer nahmen die Informationen insgesamt gelassen und mit großem Interesse auf. Nach den Vorträgen baten Gisela Michels und Jutta van Amern (AKF) um mehr Hauptamtler zur Unterstützung der Ehrenamtler - Heyes und Schwerdtfeger erklärten, dass die Stadt mehr Stellen einplane und das Konzept im Sozialausschuss vorgestellt werde. Ein anderer Bürger sagte, es gebe Sorgen und Ängste der Bürger: "Keiner weiß, wer da kommt", wo gehe die Entwicklung hin, wenn Angela Merkel die Zuwanderung nicht stoppe, und wann sagten die Kommunen "es geht nicht mehr?". Er erhielt Beifall. Heyes antwortete, dass Willich eine dezentrale Unterbringung verfolge, weil dort soziale Kontrolle entstehe. "Wir sind gefordert, eine Willkommenskultur zu schaffen." Brigitte Schwerdtfeger appellierte: "Das Unbekannte macht immer Angst. Lernen Sie die Leute kennen. Sie sind bereit, sich zu integrieren." Unruhe kam bei einem Beitrag eines anderen Bürgers auf, der seinen Namen nicht nannte: Er behauptete, dass 80 Prozent der "Asylanten" seit Jahren Empfänger von "Hartz IV" seien. Er erhielt Beifall, aber auch Zwischenrufe "Das sind Asylbewerber", als er darauf beharrte, den häufig abwertend gebrauchten Begriff zu verwenden. Ein anderes Mitglied des AKF erhielt lauten Beifall, als es fragte: "Wir haben Flüchtlinge seit Jahren. Jetzt soll mir einer sagen, wo wir Probleme haben?" Eine Anwohnerin der Niershalle fragte, warum diese eingezäunt und beleuchtet sei? Das sei zum Schutz der Hallen-Bewohner, so Schwerdtfeger. "Wir merken ja, dass das sehr wohl notwendig ist." Der frühere Polizist Dieter Lambertz (CDU-Ratsherr) berichtete aus seiner beruflichen Kenntnis, dass die Flüchtlinge nicht mit den umherreisenden Einbrecherbanden gleichzusetzen seien - und Bürgermeister Heyes beendete die etwas mehr als einstündige Veranstaltung mit der Bitte an alle um Unterstützung: "Gemeinsam schaffen wir das!"

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