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Stadt Willich
Hochspannung an der Notschlafstelle

Stadt Willich. Die Notschlafstelle der Stadt Willich nimmt Gestalt an. Das ehemalige Trafohäuschen in Anrath sieht schon nach Mini-Wohnung aus. Von Bianca Treffer

Das Schild "Hochspannung, Lebensgefahr" prangt noch immer an der grünlichen Metalltür, und dort soll es auch bleiben, auch wenn das ehemalige Trafohäuschen direkt gegenüber dem Anrather Bahnhof nichts mehr mit Hochspannung zu tun hat. "Das soll eine Erinnerung an die einstige Nutzung sein", sagt Willichs Streetworkerin Marion Tank, der die Begeisterung anzumerken ist.

Wo einst nur Mauerwerk mit Tür zu sehen war, gehören jetzt zwei Fenster zur Front und geben dem Ganzen einen wohnlichen Touch. Aber nicht nur von außen präsentiert sich das kleine Backsteinhäuschen anders. Keine Trafos zieren mehr den 18 Quadratmeter großen Innenraum. Stattdessen ist mittels Ständerwerk und Rigips ein kleiner Sanitärbereich entstanden. Direkt daneben ragen die Anschlüsse für eine Kücheninstallation aus dem Boden. Der frische Estrich, unter dem die Fußbodenheizung liegt, ist abgetrocknet, und nun kann es an den weiteren Innenausbau gehen. Die Notschlafstelle der Stadt Willich nimmt Gestalt an. "Wir warten aktuell auf den Installateur. Wenn er die sanitären Anlagen eingesetzt hat, kann es ans Fliesen gehen, und auch der Fußboden kann das vorgesehene Klick-Laminat erhalten. Danach streichen wir selber", berichtet Tank.

Vor rund einem Jahr hat die Streetworkerin das Projekt "Notschlafstelle" ans Laufen gebracht. Im Rahmen ihrer Arbeit kristallisierte sich immer wieder heraus, dass eine solche Möglichkeit für junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren vonnöten ist. Zwar gibt es eine allgemeine Unterbringung für wohnungslose Menschen in der Stadt Willich, aber gerade diese Altersgruppe braucht eine gesonderte Anlaufstelle und eine entsprechende Betreuung. "Unser Ziel ist es schließlich, diesen jungen Menschen eine Perspektive zu geben, und dazu gehört auch eine Unterbringung auf Zeit, in der sie erst einmal unterkommen können, um dann zu sehen, wie es weitergehen könnte", informiert Tank.

Sie schrieb das Konzept für eine solche Notschlafstelle und stieß auf offene Türen, unter anderen beim Jugendhilfeausschuss. Tank hatte dabei das ehemalige Trafohäuschen am Bahnhof ins Auge gefasst, das sich in unmittelbarer Nähe zum Café Rampenlicht befindet. Eigentlich sollte es abgerissen werden, aber Statiker der Stadt Willich stellten fest, dass die Substanz in einem guten Zustand ist. Es galt lediglich, das Häuschen entsprechend umzubauen. Tank erfuhr eine Welle der Hilfsbereitschaft. Sie sprach Firmen in Willich und Umgebung an, stellte das Konzept vor und bekam Hilfe. "Ganz viele Unternehmen haben uns geholfen, indem sie Material spendeten und uns mit Arbeitskraft unterstützten. Das ist einfach nur toll", freut sich Tank. Auch die Stadtwerke Willich brachten sich ein, indem sie kostenlos die Hausanschlüsse übernahmen.

Die Einrichtung will Tank nun mit den Jugendlichen vom "Rampenlicht" selbst bauen. Ein angehender Tischler gehört zu den Besuchern der Jugendfreizeiteinrichtung, und mit seinem Know-How sollen das Bett und die Küche aus Palettenholz geschreinert werden. Dinge wie Matratze, Kühlschrank, Spüle, Zweiplatteninduktionsherd, Mikrowelle mit Backofen und was sonst noch für die Ausstattung der Notschlafstelle benötigt wird, kann Tank dank Spenden des Vereins "Gutes beginnt im Kleinen" sowie über das Crowd-Funding-Projekt der Volksbank finanzieren. Wenn alles weiter so gut läuft, soll die Notschlafstelle Endes des Jahres in den Betrieb gehen.

Quelle: RP
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