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Stadt Willich
Hohe Kosten für Hunderte Hausbesitzer

Stadt Willich. Wie können Überflutungen wie im Jahr 2010 in Anrath künftig vermieden werden? Die Willicher Verwaltung informierte die Bürger über das Konzept, das die Politik aktuell diskutiert. Für Hausbesitzer kann es teuer werden. Von Nadia Joppen

Am Ende der Veranstaltung appellierte Dagmar Schaaf (Kommunalagentur Düsseldorf) an die Solidarität der Anrather, um das Projekt erfolgreich zu machen: Am Dienstagabend informierte der Abwasserbetrieb der Stadt Willich die Bürger über das Konzept zur Verhinderung nochmaliger Überflutungen wie im Jahr 2010.

Der Hintergrund: Im Sommer 2010 hatte es kurz hintereinander zwei "Starkregen-Ereignisse" gegeben, die dazu führten, dass in Teilen Anraths das Wasser aus den Schmutzwasserkanälen hochkam und etliche Keller, Tiefgaragen und Straßen überflutete. Seither arbeiten Verwaltung, Politik und externe Experten an der Ursachenforschung und an einem zukunftsfähigen Lösungskonzept. Das hat das Ingenieur-Büro Franz Fischer erarbeitet und in der Sitzung des Planungsausschusses am 31. August vorgestellt. Diplom-Ingenieur Ralf Ostermann stellte den gut 200 Zuhörern im Forum der Johannes-Schule diese Ergebnisse jetzt vor. Die Kern-Aussage: Grund für die Überflutungen ist, dass es in Anrath in vielen Bereichen Fehlanschlüsse an die Schmutzwasser-Kanäle gibt. Diese Kanäle sollen eigentlich nur Schmutzwasser aus Häusern und Betrieben ableiten und sind dafür dimensioniert. Weil über die Fehlanschlüsse auch Regen- oder Drainagewasser aus dem hohen Grundwasser-Stand zugeführt werden, können solche Überlastungen wie 2010 bei Starkregen jederzeit wieder passieren.

Das Ingenieurbüro hat drei Lösungen erarbeitet, empfiehlt aber nur eine: die Umleitung der Fehlanschlüsse an die eigentlich vorgesehene Regenwasser-Kanalisation, die Sanierung der privaten Schmutzwasser-Kanäle und die Sanierung und Abdichtung des öffentlichen Schmutzwasserkanals - und diese Lösung müssten möglichst alle betroffenen Eigentümer umsetzen. Sie ist einerseits die wirtschaftlichste, belastet aber die Hauseigentümer: Jeder müsste pro Grundstück geschätzt 10.000 Euro selbst zahlen. Sie kann auch nur funktionieren, wenn möglichst alle Eigentümer diese mittragen. Dieser Vortrag mit Folien steht jedem interessierten Bürger im Ratsinformationssystem auf www.stadt-willich.de zur Verfügung - zu finden über die Suchfunktion auf der Seite unter dem Begriff "Fremdwassersanierungskonzept".

Dazu hatten die Bürger viele Fragen. Ein Zuhörer sagte, sein Installateur habe geraten, die Lehmschicht im Boden zu perforieren, um die Versickerung in tiefere Bodenschichten zu erleichtern. Das funktioniere nicht, so Ostermann: Das Wasser verlaufe parallel zum Wasserkörper des Rheins und könne nicht ablaufen. Ein anderer Bürger schlug vor, die Schmutzwasser-Kanäle zu vergrößern. Das gehe nicht, so Ostermann: Dadurch gelange Fremdwasser in die Kläranlage und beeinträchtige deren Funktion - das wolle die Bezirksregierung nicht. Weitere Frage: In anderen Städten würden Regen- und Schmutzwasser in einem Kanal abgeleitet - warum das in Willich nicht gehe? Dieses Mischwasser-Konzept sei in Willich seit Jahren nicht gewollt, weil es zu deutlich höheren Abwassergebühren für die Bürger führe, so Andreas Hans, Leiter des Abwasserbetriebs. Einige Zuhörer kritisierten, dass die Fremdwasser-Anschlüsse von Firmen vorgenommen worden seien, die die Stadt Willich beauftragt habe, oder dass Neubau-Gebiete entstanden seien, ohne die Kanal-Kapazitäten zu erhöhen. Das sei nicht der Fall, so Hans: Jedes Neubau-Gebiet werde über den Generalentwässerungsplan begleitet.

Die Info-Veranstaltung war auf Wunsch von CDU und SPD terminiert worden. Markus Gather (SPD) meinte zu der Frage, wie die Bürger die Arbeiten finanzieren sollten, dass es immer Finanzierungslösungen mit der Stadt über Raten oder Stundung gebe. Sascha Faßbender (CDU) wollte wissen, ob es Förderprogramme des Landes für solche Maßnahmen gebe - dazu sagte Dagmar Schaaf, dass ein Förderprogramm zum Jahresende auslaufe. Eine Fortsetzung sei gewünscht und derzeit in der Diskussion in Düsseldorf. Das Ergebnis sei aber noch nicht bekannt.

Quelle: RP
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