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Serie Ferienalphabet S Wie Segeln
In zwölf Tagen den Atlantik überquert

Serie Ferienalphabet S Wie Segeln: In zwölf Tagen den Atlantik überquert
Auf der Rennyacht, die früher einmal dem italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi gehörte, arbeiteten 17 Männer und zwei Frauen von 18 bis 80 Jahren. Tom Harmes hat bei der Regatta fünf Kilogramm abgenommen. FOTO: TOM HARMES
Willich. Der Tönisvorster Bauunternehmer Tom Harmes hat 2016 auf der spanischen Rennyacht "Fisher & Paykel" angeheuert und mit 19 anderen Seglern an der Regatta Atlantic Rally for Cruisers teilgenommen und den fünften Rang von 263 Booten erreicht. Von Eva Scheuss

TÖNISVORST Als Tom Harmes (51) sich das erste Mal wieder telefonisch bei seiner Frau Heide in Tönisvorst meldet, weint er zunächst minutenlang, bevor er sprechen kann: "Ich war völlig fertig." Auf einer spartanisch ausgestatteten Rennyacht hat er gerade in zwölf Tagen und 16 Stunden den Atlantik überquert. 2680 Seemeilen und große Strapazen liegen hinter ihm. Er hat nur stundenweise geschlafen, fünf Kilogramm abgenommen und sieht erschöpft aus. Ein Bart ist gesprossen, und die Haare hängen ihm strähnig ins Gesicht. Und doch würde er ein ähnliches Unternehmen sofort wieder starten: "Dann aber in kleinerer Besetzung", sagt er.

Vom 20. November bis zum 3. Dezember 2016 nahm er mit 19 anderen Seglern an Bord der spanischen Rennyacht "Fisher & Paykel" an der "Atlantic Rally for Cruisers" (ARC) teil, eine der größten Regattaveranstaltungen der Welt. Sie führt von Gran Canaria zur Insel Santa Lucia in der Karibik. Im Jahr 2016 nahmen 263 Yachten daran teil. Dabei sind Segelboote jeden Typus, von der kleinen Familienyacht bis zu großen Rennyacht. Zur letzteren Kategorie gehört der Zweimaster, auf dem Tom Harmes als Crewmitglied auf Zeit anheuerte.

Schöne Aussicht vom Bug der 30 Meter langen Maxi Yacht. FOTO: Tom

Die 30 Meter lange so genannte Maxi Yacht liegt normalerweise in Fuerteventura vor Anker und bietet Touristen sportliche Segelausflüge an. Doch der Eigner des 30 Jahre alten Schiffes, das früher übrigens dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi gehörte, hat weitere Ambitionen. Als Tom Harmes bei einem Urlaub im Jahr 2015 das Schiff kennenlernte, erfuhr er, dass im kommenden Jahr erstmals die Teilnahme am ARC geplant sei. Tom Harmes ist ein abenteuerlustiger und sehr begeisterungsfähiger Mensch, den die besonderen Extreme und Ausnahmesituationen locken.

Er war sofort Feuer und Flamme, "ich steigere mich dann da total rein", sagt er. "Segeln kann ich, doch einen Segelschein habe ich nie erworben", sagt er. Bevor er vor 20 Jahren das Bauunternehmen "Tom kommt" in Tönisvorst gründete, war er 12 Jahre durch die Welt gereist, lebte unter anderem vier Jahre in einem buddhistischen Kloster in Thailand.

Auf der Nordroute Richtung Grönland herrschte im Nordatlantik drei Tage lang Sturm mit vier Meter hohen Wellen. Acht Spinnacker wurden vom Wind zerrissen. FOTO: Tom

"Das Segeln kennengelernt habe ich kurz nach dem Golfkrieg im Panamakanal", erzählt er. Damals arbeitete er als so genannter "Linehander" in der Schleuse, betreute dort die Segelschiffe während des Schleusenvorgangs. Seine Bewerbung als Crewmitglied auf der "Fisher & Paykel" war erfolgreich. Die nicht unerheblichen Kosten für Teilnahme, Flug und Ausrüstung trägt dabei jeder selbst. Zusammen mit 17 Männern und zwei Frauen in internationaler Besetzung trat er die Fahrt an. Die Altersspanne reichte von 18 bis 80 Jahren. "Bis auf zwei Leute kannte ich niemanden vorher", erzählt Tom. Und doch galt es, sich nun in kürzester Zeit und unter härtesten Bedingungen als Team zusammen zu raufen.

Die Yacht ist nur auf Schnelligkeit hin konzipiert und gleicht im Inneren eher einem U-Boot. Es gibt keine abgeschlossenen Räume. Die Segler schlafen in Etagenbetten, Segel und Taue liegen sofort zugänglich daneben. "Wir haben in Vier- und Sechsstundenschichten Tag und Nacht durchgearbeitet, dazwischen einige Stunden geschlafen," berichtet Tom. Die Arbeit an Bord war kräftezehrend, da das gesamte Schiff mit 1000 Quadratmetern Segelfläche manuell bedient wird. Zweimal musste Tom in den 38 Meter hohen Mast klettern, "danach wollte ich das nicht mehr". Die "Fisher & Paykel" hatte wegen der aktuellen Windlage die so genannte Nordroute gewählt. Sie führte zunächst Richtung Grönland, dann Richtung New York und Venezuela in die Karibik. "Drei Tage lang hatten wir Sturm im Nordatlantik mit vier Meter hohen Wellen", berichtet Tom. Insgesamt acht Spinnaker zerrissen in den heftigen Böen. Tom erzählt von gefährlichen Situationen, etwa als ein Crewmitglied fast über Bord gegangen wäre und in letzter Sekunde zurückgezerrt wurde, sich dabei eine Rippe brach. Bis zu 20 Knoten (das entspricht 36 Stundenkilometern) erzielte die Yacht an Höchstgeschwindigkeit.

Lohn waren ein fünfter Platz in der Gesamtwertung, ein glücklicher Tom und eine fast noch glücklichere Ehefrau, die froh darüber war, dass ihr Mann auch dieses Abenteuer mal wieder heil überstanden hat. Seine Frau Heide hatte vorher auch schon direkt zugestimmt. Sie wusste eh, dass sie ihren Mann nicht stoppen, sondern nur liebevoll begleiten kann.

Außerdem oblag ihr in der Zeit seiner Abwesenheit für mehr als drei Wochen die Leitung des Bauunternehmens mit aktuell 17 Mitarbeitern.

Quelle: RP
 
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