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Stadt Willich
Ja zum Schüleraustausch mit Spanien

Stadt Willich: Ja zum Schüleraustausch mit Spanien
Beim Bürgermeister-Besuch im Schloss trugen sich die spanischen Schüler und ihre deutschen Gastgeber ins Kondolenzbuch ein. Bürgermeister Heyes fuhr dann anschließend zur Trauerfeier nach Köln. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Am Tag der Trauerfeier für die Opfer des Germanwings-Fluges kamen erstmals spanische Austauschschüler auf Einladung der Robert-Schuman-Gesamtschule nach Willich. Bürgermeister Heyes begrüßte sie im Schloss. Von Willi Schöfer

Gestern war im Kölner Dom die Trauerfeier für die Opfer des Germanwings-Flugzeuges, das am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abstürzte. Ums Leben kam dabei auch eine Spanisch-Austauschgruppe einer Schule aus Haltern. Gestern empfing Bürgermeister Heyes Austauschschüler aus dem spanischen Santander, die für eine Woche zu Gast in Willich sein werden. Bewusst haben alle Initiatoren am geplanten Austausch zum jetzigen Zeitpunkt festgehalten.

Nicht ohne Grund heißt die Willicher Gesamtschule "Robert Schuman Europaschule". Es gibt seit langem zahlreiche grenzüberschreitende Kontakte. Jetzt ist ein neues Land dazu gekommen: elf Schüler und Schülerinnen aus einer integrativen Gesamtschule ("Instituto de Educación Secundaria") aus Santander, einem beliebten Badeort im Norden der iberischen Halbinsel, sind gerade bei einem einwöchigen Austausch in der Stadt Willich. Gestern wurden sie in Schloss Neersen von Bürgermeister Josef Heyes empfangen.

Es sind sechs Jungens und fünf Mädels gekommen, zwischen 14 und 18 Jahre alt. Mit dabei war gestern Ulrich Wendzel, der an der Europaschule in Willich auch Spanisch unterrichtet. Er sagte: "Da die spanische Sprache in der Wirtschaft immer wichtiger wird, haben wir über die Spanische Botschaft in Berlin nach einer Austauschschule gesucht." Schnell war der Kontakt zur Schule in Santander und zur dortigen Deutsch-Lehrerin Sabine Brüstle hergestellt. Die 57-Jährige kommt aus dem Schwarzwald, ist eine waschechte Badenerin, unterrichtet in Santander seit 1992 ("Es war die Sprache und die Liebe, die mich dahin gezogen haben"). Sie fügte gestern hinzu: "In unserer konservativen Region in Kantabrien ist es noch nicht so richtig angekommen, dass Fremdsprachen wichtig sind." Auch vom Ministerium gäbe es wenig Unterstützung, zumal von Verantwortlichen oft die deutsche Sprache als "unlernbar" abgetan werde.

Etwa 60 Schüler sind da derzeit anderer Meinung und nehmen an der Schule in Santander am Deutsch-Unterricht teil. Darunter sind Marina Gomez (15) und Adrian Fonseca (17). Die beiden hatten direkt beim Austausch zugesagt, lernten sich wie die anderen schon in den vergangenen Monaten durch das Internet kennen und sind bei den Familien der deutschen Schüler aus der elften Jahrgangsklasse untergebracht. So Marina bei Christina Cremer (18) in Willich-Wekeln, Adrian bei der Schiefbahner Familie von Maurice Schweer (17). Neben Sabine Brüstl ist als Begleitperson die Französisch-Lehrerin Laura Saiz (38) dabei. Und Sabine Brüstl spricht auch die 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder an, darunter eine Schulklasse aus Haltern, die bei dem Flug am 24. März von Barcelona nach Düsseldorf ums Leben gekommen waren. Die 57-Jährige sagt: "Natürlich hatte es bei den Eltern und Schülern direkt danach Irritationen und die Sorge gegeben, dass so etwas noch einmal passieren könnte. So wurde zum Beispiel gefragt, ob der Flieger die gleiche Route wie die Unglücksmaschine nimmt." Dennoch habe man an der Tour festgehalten. Und die Schüler aus beiden Ländern trugen sich gestern im Neersener Schloss in ein Kondolenzbuch ein, das zum Gedenken an die zwei Willicher Opfer des Absturzes, Oleg Bryjak und Frank Bahners, ausgelegt wurde.

Die erste Verständigung und der erste Austausch mit den spanischen Schülern klappte gut; unter anderem sah man sich bereits Köln und Düsseldorf an. Und man saß gemeinsam in den Klassenräumen der Robert-Schuman-Gesamtschule, so in Englisch, Mathematik oder beim Fachunterricht. Am Mittwoch nächster Woche geht es bereits wieder zurück. "Und wahrscheinlich fahren Schüler und Schülerinnen aus Willich im Oktober nach San-tander", darin waren sich gestern Sabine Brüstl, Laura Saiz und Ulrich Wendzel schon einig.

Quelle: RP
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