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Stadt Kempen
Jazz aus Korea: Festival-Gäste begeistern in Kempen

Stadt Kempen. Auch auf der Weltkarte des Jazz ist Südkorea ein bedeutendes Land. Das Jarasum International Jazz Festival zum Beispiel gehört inzwischen zu den größten der Welt und präsentiert jährlich sowohl die Top-Stars der globalen Szene als auch die interessantesten Acts aus dem eigenen Land. Von letzteren kamen nun auch einige nach Kempen, und das hiesige Publikum zeigte sich begeistert. Schon der erste Abend am Mittwoch im Campus war prima besucht, und vor allem der Pansori-Sänger Han Seung Seok schlug die Zuhörer in seinen Bann. Von Mojo Mendiola

Am Donnerstag trat zunächst der Gitarrist Jo Young-Deok mit seinen Begleitern Park Ji Woong am Kontrabass und Choi Yoseph am Schlagzeug auf die Bühne. Im Jahr 2012 errang das Trio auf der Insel Jarasum den Nachwuchspreis. Young-Deok spielte eine semi-akustische Gitarre, und auch sein eher weicher, von Verzerrungen freier Ton und seine ausgeprägte Liebe zum Melodischen erinnerten an den großen Wes Montgomery. Getragen von und eingebettet in das makellose, zwischen Swing und Bop changierende, einmal auch rockig-bockige Spiel an Bass und Drumset, agierte der Gitarrist - überwiegend in den hohen Tonlagen - souverän im globalen Jazz-Idiom, verlieh ihm dabei aber auch einen dezenten Touch von ostasiatischer Lyrik. Vielleicht hat sich Young-Deok auch ein wenig vom Weltmusikwanderer Paul Simon inspirieren lassen, denn gleich zweimal erinnerten seine Einfälle an bestimmte Simon-Songs. Zwar spielten die drei jungen Männer, streng betrachtet, stets eine Idee zu schnell, wirkten dabei aber nie hastig und verloren niemals die klare Struktur ihres Zusammenklangs und die Konsequenz im Aufbau ihrer Stücke. Die Repetition war ein auffällig intensiv genutztes Stilmittel, und das verband auch die beiden Bands des Abends, aber bevor es in die Pause ging, musste das Trio eine Zugabe geben.

Mit dem Pianisten Nam Kyungyoon übernahm dann ein vergleichsweise alter Hase die Führung, der auf Anhieb mit seiner filigranen Spielweise bestach. Zwischen lyrischer, gelegentlich fast meditativer Melodik und komplexer, auch zu heftigem Aufschäumen fähiger Rhythmik schuf er ein emotional aufgeladenes Spannungsfeld und öffnete zugleich weite Räume für seine Mitstreiter. Ko Jaekyu am Bass wusste diese wohl zu nutzen, nahm einerseits stets klar zum Piano Bezug, fand aber ebenso gewiss eigene Antworten. Profil bewies auch die Schlagzeugerin Seo Mihyun, die den Becken mehr Aufmerksamkeit schenkte als viele Kollegen, eine Vorliebe für rollende Wirbel auf den Trommeln verriet und zwischendurch in allerliebstem Deutsch erzählte, wie sie sich zu Hause heimlich verdünnisiert hatte, um in Frankfurt die Aufnahmeprüfung für ihr Jazz-Studium zu absolvieren. Toine Thys, Saxophonist aus Belgien, war mehr als nur Gast in dieser Band, und so nahm man den stürmischen Jubel aus dem Saal zu viert entgegen.

Quelle: RP
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