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Stadt Willich
"Kabarett muss wehtun": Anny Hartmann in der Motte

Stadt Willich. Warum kann ein reicher Mann sein Gold nicht mit ins Jenseits nehmen? - "Dort schmilzt es", sagt Anny Hartmann und grinst. Die Kölner Kabarettistin unterhielt 180 Gäste am Samstag im Neersener Schloss mit ihrem Programm "Ist das Politik, oder kann das weg?". Links, emanzipiert, inkonsequent - die Essenz des Abends schmeckte nicht einzig süß, sondern hielt deutliche Bitterstoffe bereit.

"Kabarett muss wehtun", hebt Hartmann an, witzelt über Doping im Fußball, Franz-den-Kaiser-Beckenbauer ("keine Lichtgestalt, eher nicht ganz helle"), Steueroasen und Terrororganisationen. Heiko Maas' - Achtung, Wortwitz - Maßanzug sitze nur gegen "die Fahne im Wind" perfekt, findet Hartmann. "P-öses Mädchen!", schimpft sie und haut sich auf die Finger. Doch die Frau "im Körper einer untersetzten Kabarettistin" (Eigenangabe) spielt sich gerade erst warm.

"Ex-VW-Vorstandschef Martin Winterkorn bekommt 14 Millionen Euro fürs Nichtstun. Da fühle ich mich chronisch unterbezahlt!", rechnet die komische Kölnerin mit Managern ab. Ihr kluger Ausflug zu Themen wie Beitragsermessungsgrenze, Spitzensteuersätzen und der Genfer Konvention ("Im Krieg ist der Einsatz von Tränengas nicht erlaubt, bei Demonstrationen hingegen schon") endet aber bald schon im Nirvana unter Rotlicht.

Letzteres erhellt den Saal, die warme Farbe der Spots ist kein Zufall. Das Nirgendwo, in das Hartmann klare linke Parolen wirft ("Die CDU und Frauenrechte. Das ist deutscher Humor"), polstert sie mit plakativen "Ja-genau"-Sprüchen aus. Klare Kante nennt man das wohl, doch widerspricht sich die emanzipierte Trägerin des Münsterländer Kabarettpreises 2016 in ihrer gefälligen Argumentation wieder und wieder.

"Ich bin so ein Cleverchen", findet Hartmann und wirft Schokolädchen für laute Lacher ins Publikum. Sind das schon Brot und Spiele 4.0, oder kann das weg? Was bleibt, ist Freude auf Willichs nächste Lachgeschichte: Am 8. April gastiert Dieter Nuhr in der Jakob-Frantzen-Halle.

(tone)
 
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