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Stadt Willich
Karla Schröter erklärte dem Publikum ihre Barockoboe

Stadt Willich. Was ein Cembalo ist, weiß ein Konzertbesucher normalerweise. Was aber unterscheidet eine Barockoboe von einer Oboe, wie sie im heutigen Sinfonieorchester verwendet wird? Das mochte sich so mancher Zuhörer in der gut besuchten Matinee in der Neersener Kapelle Klein-Jerusalem gefragt haben. Vom Kölner Bläserensemble "Concert Royal" war das Duo Karla Schröter (Barockoboe) und Harald Hoeren (Cembalo) gekommen. Und Karla Schröter nutzte die Gelegenheit, den Zuhörern ihr Instrument genauer zu erklären. Von Gert Holtmeyer

Optisch, meinte sie scherzend, erinnere es ja an ein gut geschnitztes Barock-Stuhlbein. Nur zwei Klappen gibt es; damit wird das Greifen der Töne natürlich schwieriger. Ob es noch aus der Barockzeit stamme, wollte ein Zuhörer wissen. Nein, denn dann hätte man es dauernd mit Störfällen zu tun. Ein Konzert reibungslos zu Ende zu bringen, sei dann kaum möglich. Sie spielt auf einem nach alten Prinzipien gebauten neuen Instrument. An dem hätte Frankreichs König Ludwig XIV., der die Oboe mochte und ihre Weiterentwicklung anregte und förderte, mit großer Wahrscheinlichkeit seine Freude gehabt.

Auch wenn aufgrund der schlichteren Bauweise das Instrument wesentlich schwerer zu spielen ist als ein heutiges: Schröter begeisterte ihr Publikum nicht nur durch ihre mitreißende Virtuosität. Sie bringt auch Kantilenen mit langem Atem tonschön zum Klingen und versteht sich, in langsamen wie in schnellen Sätzen, auf eine durchdachte Artikulation. Das demonstrierte sie in Sonaten von Georg Friedrich Händel (F-Dur HWV 363a), Johann Georg Linike (F-Dur), William Babell (Nr. 9 B-Dur) und Johann Sigismund Weiss (g-moll). Eindrucksvoll gelang auch das Choralvorspiel "Befiel du deine Wege" von Gotthilf Friedrich Ebhardt, in dem das Cembalo der einfühlsam gespielten Melodie eine selbstständige Stimme gegenüberstellt.

Harald Hoeren am Cembalo bewährte sich nicht nur als Begleiter, sondern auch als Solist. Deutsche Barockkomponisten brachte er mit Händel (Suite in d-Moll HWV 437) und Bachs Französischer Suite Es-Dur BWV 815 zum Klingen. Damit schlug er zugleich eine Brücke zum französischen Barock. Der fand, ebenfalls authentisch gespielt, Berücksichtigung mit Tänzen aus der Feder von Jean-Philippe Rameau (Rigaudon 1 und 2, Musette en rondeau und Tambourin).

Quelle: RP
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