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Stadt Willich
Katzen kennzeichnen und kastrieren

Stadt Willich: Katzen kennzeichnen und kastrieren
Es gebe seit mehreren Jahren einen Anstieg der Katzenpopulation in Willich, viele seien krank, und die Tiere selber litten unter der unkontrollierten Vermehrung, sagt der Verein "Tierschutz für Willich". FOTO: dpa
Stadt Willich. Katzen, die als Freigänger in privaten Willicher Haushalten leben, sollen nach dem Willen von SPD, FDP und Grünen künftig gekennzeichnet und kastriert werden. Die Verwaltung soll jetzt ein entsprechendes Gebot erarbeiten. Von Nadia Joppen

Der Abgabenausschuss hat die Willicher Verwaltung beauftragt, ein Gebot für die Kastration und Kennzeichnung von Katzen zu erarbeiten, die als Freigänger in privaten Haushalten leben. Dieses Gebot soll Teil der "Ordnungsbehördlichen Verordnung" der Stadt Willich werden. Der Auftrag wurde mit den Stimmen von SPD, FDP und Grünen erteilt, die CDU enthielt sich der Stimme, weil sie das Thema noch in der Gesamtfraktion beraten wollte.

Vorbild für das Gebot sollen die Formulierungen sein, die die Stadt Altenahr in ihrer Verordnung verwendet, so die SPD. Hendrik Pempelfort (SPD) hatte in der Sitzung begründet, warum seine Fraktion den Antrag gestellt hatte: Sie sieht aufgrund der Informationen des Vereins Tierschutz für Willich, der sich um streunende Katzen kümmert, Handlungsbedarf: Es gebe seit mehreren Jahren einen Anstieg der Katzenpopulation in Willich, viele seien krank, und die Tiere selber litten unter der unkontrollierten Vermehrung. Die SPD sieht durchaus eine Gefahr für die Gesundheit der Willicher durch die vielen Katzen. Sie verweist auch darauf, dass schon 343 Städte und Gemeinden in Deutschland entsprechende Regelungen in ihren Kommunalverordnungen haben. Das Thema allein dem Tierschutzverein zu überlassen, sei nicht möglich, weil eine Katzenkastration rund 100 Euro kostet. Der Verein kastriert jährlich circa 210 Katzen. Die Stadt zahle aber nur einen jährlichen Zuschuss von 2000 Euro, so Pempelfort weiter.

Die Willicher Verwaltung hatte in ihrer Stellungnahme zu dem Antrag ausgeführt, dass sie - wie der Städtetag und der Städte- und Gemeindebund - keine "abstrakte Gefahr" durch die Katzen sieht, die eine Aufnahme in die Ordnungsbehördliche Verordnung notwendig macht. Sie hatte daher die Ablehnung des SPD-Antrags empfohlen.

Noch ist nicht klar, ob und wie ein solches Gebot tatsächlich kontrolliert werden kann. Die Politiker waren sich durchaus einig, dass dieses Gebot auch als Appell an das Gewissen der Katzenbesitzer zu sehen ist. Züchter von Rassekatzen sollen auf Antrag von dem Kastrations- und Kennzeichnungsgebot befreit werden. Gerade die Formulierung dieser Ausnahme veranlasste den Ersten Beigeordneten Willy Kerbusch zu der Frage, wer denn in der Verwaltung die entsprechende Prüfung und Befreiung vornehmen solle. Uwe Rieder (CDU) ging so weit, dass er meinte, wenn die Umsetzung des Gebotes kontrolliert werden solle, sei demnächst eine Katzensteuer notwendig - was wiederum Pempelfort in der Formulierung zu weit ging. Zahlreiche Bürger verfolgten die Diskussion im Zuschauerraum - nach der Abstimmung applaudierten sie - wobei der Ausschuss-Vorsitzende Hans-Joachim Donath sie darauf hinwies, dass Meinungsäußerungen des Publikums laut Gemeindeordnung nicht erlaubt sind.

Quelle: RP
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