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Stadt Willich
Kaum noch Chancen für Kugelahorne

Stadt Willich: Kaum noch Chancen für Kugelahorne
Das historische Hinzen-Haus steht derzeit im Schatten der Kugelahorn-Bäume, Außengastronomie ist daher dort nur eingeschränkt möglich. Doch das soll sich bald ändern. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Willich. Der Planungsausschuss hat mehrheitlich dafür gestimmt, den Marktplatz-Entwurf voranzutreiben, der die Fällung der Bäume vorsieht. Einige Bürger wollen das nun durch eine Unterschriften-Aktion verhindern. Von Marc Schütz

Realistisch betrachtet, ist das Aus für die Kugelahorn-Bäume vor der Kirche am Willicher Marktplatz besiegelt: Die Mitglieder des Planungsausschusses stimmten jetzt bei zwei Enthaltungen der Grünen dafür, den Entwurf des Planungsbüros "Kraft.Raum." ausarbeiten zu lassen. Und in diesem müssen die Ahorne weichen. Der Stadtrat muss nun am kommenden Mittwoch noch zustimmen. Auf die Frage "Haben die Bäume noch eine Chance?" antwortete der Ausschussvorsitzende Christian Pakusch (CDU) im Anschluss an die Sitzung mit einem Zögern: "Nein. Ich gehe nicht davon aus, dass der Rat anders abstimmen wird."

Dieses Zögern ist es, aus dem die Baumfäll-Gegner noch etwas Hoffnung schöpfen dürften. Denn wie zu hören ist, gab es auch in den Fraktionen sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Thema - auch wenn sich am Schluss bis auf die Grünen alle für den Markt ohne Kugelahorne, aber mit anderen Bäumen an anderer Stelle aussprachen. "Wir sollten jetzt den nächsten Schritt machen und uns nicht wegen der Ahorn-Bäume auf eine komplett neue Planung des Platzes einlassen", sagte Bernhard Grotke (CDU).

Die Technische Beigeordnete Martina Stall wies noch einmal darauf hin, dass der Bezirksregierung bis zum 1. Dezember die Ausbaukosten vorgelegt werden müssen, wenn die Stadt in den Genuss des Landeszuschusses kommen und 2016 mit der Umgestaltung beginnen wolle. Zeit für grundlegende Änderungen des "Kraft.Raum."-Entwurfs, der zudem bereits allgemeine Zustimmung gefunden habe, bleibe also nicht. "Sonst müssen wir ein Jahr warten." Und das können sich CDU, SPD und FDP im Gegensatz zu Roland Müller von den Grünen nicht vorstellen. Die Grünen hatten beantragt, unter Beibehaltung der Kugelahorne weiter zu planen. In begründeten Einzelfällen könne eine Umpflanzung vorgenommen werden - Stichwort "Hinzen-Haus".

Der Besitzer des unter Denkmalschutz stehenden Hinzen-Hauses habe signalisiert, die Gastronomie erweitern und zum Marktplatz hin öffnen zu wollen, sagte Martina Stall im Ausschuss. "Wir wollen insgesamt eine offene Platzgestaltung, die mehr Möglichkeiten bietet", so Stall, und dafür müssten alle Kugelahorne weichen. Auch solche Äußerungen riefen Zustimmung im recht gut besetzten Publikum hervor, denn es gibt durchaus unter den Bürgern auch Befürworter der Baum-Fällung. Cornelia Wingerath (SPD): "In der Stadtschmiede hat es viele Gespräche mit Bürgern zur Umgestaltung des Marktplatzes gegeben. Wie mir zu Ohren gekommen ist, war da nie die Rede davon, dass die Bäume erhalten werden sollen. Wir können uns doch jetzt nicht im Kreis drehen." Dem stimmte Karl-Heinz Koch von der FDP zu: "Es gab lange genug Einspruchsmöglichkeiten, und die wurden nicht wahrgenommen."

Am Ende der Sitzung formierten sich einige Bürger, darunter Conny Türk und Christa Disselkamp, die nun eine Initiative für den Erhalt der Bäume gründen wollen und über eine Unterschriftenaktion nachdenken. Hilfe hat ihnen Almut Grytzmann-Meister, Vorsitzende des BUND Stadt und Kreis Viersen, zugesichert, die im Vorfeld und während der Sitzung allerdings mit ihren Kommentaren nicht gerade durch diplomatische und sachliche Formulierungen aufgefallen war.

Quelle: RP
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