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Stadt Willich
Kein Pauker, sondern ein Coach

Stadt Willich: Kein Pauker, sondern ein Coach
Professor Peter Struck, umgeben von den Direktoren Gunter Fischer (Clara-Schumann-Gymnasium) und Thomas Prell-Holthausen (Lise-Meitner-Gymnasium). FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Das Lernen will das Anrather Lise-Meitner-Gymnasium optimieren. In Kooperation mit dem Dülkener Clara-Schumann-Gymnasium referierte der Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Peter Struck zum Thema hirngerechtes Lernen. Von Bianca Treffer

Hochbegabte Kinder lernen langsamer, Mädchen lernen anders als Jungen und Kinder wiederum anders als Jugendliche. "Lernen können Menschen nur nachts. Tagsüber nehmen wir auf und speichern ab. Über die Träume zerlegen wir das Wahrgenommene und bauen es ein. Wir nennen es lernen. Daher wäre es optimal, wenn in den Schulen der Morgen mit einem zweistündigen Lernunterricht begonnen werden würde, in dem Üben und Anwenden zwecks Vertiefung im Mittelpunkt stehen. Neues lernen sollte dagegen am Nachmittag stattfinden." Was Professor Dr. Peter Struck im Forum des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG) den gespannt zuhörenden Besuchern über das Phänomen Lernen erzählt, lässt manchen Zuhörer staunen. Mit dem Thema "Hirngerechtes Lernen an Gymnasien - Was uns die Hirnforschung über gute Erziehung, erfolgreiche Bildung und die Entlastung der Lehrkräfte sagt", war der Erziehungswissenschaftler der Universität Hamburg zu Gast im LMG.

Das Ganze fand im Rahmen der Reihe "Forum LMG - Schule weiter denken" statt. Das Anrather Gymnasium ist dazu eine Kooperation mit dem Clara-Schumann-Gymnasium in Dülken eingegangen, denn beiden Schulleitern liegt die Optimierung des Lernens an sich am Herzen. "Effektives Lernen ist für alle von Vorteil, für die Schüler wie auch für die Lehrer. Wo man die Ergebnisse der Hirnforschung in den Unterricht einfließen lassen kann, sollte man es tun, um den Lernprozess zu verbessern", sagt Thomas Prell-Holthausen, der Schulleiter des LMG. Vielen sei nicht bewusst, dass es Unterrichtskonzepte gebe, die hirngerecht seien und damit Lernen einfacher machen, fügt Gunter Fischer, Schulleiter des Dülkener Gymnasiums an.

Oftmals sind es Kleinigkeiten, die umgestellt eine große Wirkung haben. Beide Gymnasien arbeiten so seit Längerem mit veränderten Schulstundenzeiten, tauschen sich in der Unterrichtsvorbereitung aus und nutzen freiere Lernformen. In Anrath wie auch in Dülken treten die Lehrer nicht als Pauker, sondern als Couch auf. Gelernt wird in Begleitung des Lehrers. Was Schüler sich selbst erarbeiten, bleibt besser im Gedächtnis verankert. Wissen, auf dem weiter aufgebaut werden kann.

Struck spricht von 200 Bausteinen, die das Lernen ausmachen. Nicht alle müssen umgesetzt werden, um Lernen zu optimieren. "Wenn fünf bestimmte Bausteine übernommen werden, dann gehört eine Schule bereits zu den besten in NRW", lautet die These des Referenten. Struck führt die deutschlandweit bekannte Max-Breuer-Stadtteilschule an. Eine Gesamtschule in Hamburg, die bei Untersuchungen beste Ergebnisse vorweisen kann. Eine Schule, an der Lernen anders praktiziert wird. Der Fachmann erklärt in seinen Ausführungen, warum Schule bereits mit fünf Jahren anfangen sollte, welche Vorteile ein geschlossener Bildungsgang mit sich bringt und warum es ungünstig ist, wenn Kinder mit zehn Jahren einen Bruch beim Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule erfahren. Er zeigt auf, welche Nachteile das Benotungssystem mit sich bringt.

"Lernen bedeutet auch Fehler machen. Aber in unserem System werden Fehler durch Noten bestraft. Wer durch ausprobieren lernt, ist benachteiligt", erläutert Struck. Er wirbt für das System von zwei Klassenlehrern und jahrgangsübergreifenden Klassen. Der Hamburger zieht das Milieu mit ein, in dem ein Kind aufwächst, denn auch das spiele eine Rolle. "Eine Familie erzieht, eine Schule bildet. Teilweise hängt der Bildungsauftrag aber in der Luft", sagt der Professor. Enge Zusammenarbeit mit den Eltern ist so eins seiner weiteren Stichworte.

Nach zwei Stunden ist klar: Es kann viel getan werden, um Lernen zu optimieren. Man muss nur den Mut haben, Dinge anzupacken, wie es das LMG und das Clara-Schumann Gymnasien bereits machen und auch weiter fortsetzen wollen.

Quelle: RP
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