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Stadt Kempen
Klassik trifft Chanson: ein besonderes Konzert

Stadt Kempen. Die internationalen Musiker von "Classica francese" begeisterten ihr Publikum in der ausverkauften Paterskirche in Kempen. Von Heide Oehmen

"Classica Francese" war der wohlklingende Titel eines Konzertes wie es in dieser Vielfalt nicht alle Tage im wieder einmal ausverkauften Kulturforum Franziskanerkloster zu erleben ist.

Die rührige Anette Maiburg, Querflötistin von hohen Graden und seit elf Jahren musikalische Chefin des "Niederrhein Festivals", hat dank ihrer guten Beziehungen zu den oberen Etagen der Musikszene inzwischen ein Ensemble zusammengestellt, das höchsten Anforderungen genügt und das sie - nicht zuletzt durch fleißig gepflegte persönliche Kontakte -geschickt zusammenzuhalten weiß. Der spürbar gute menschliche Zusammenhalt ist neben der Musizierfreude und der Offenheit für Unalltägliches ein Markenzeichen der munteren Truppe - was die zunehmend animierten Zuhörer mit großer Begeisterung honorierten.

Neben Maiburg, die im "Lied des Linus" von André Jolivet (1905-1974) für Flöte, Violine, Viola, Violoncello und Harfe einen halsbrecherischen Solopart glanzvoll bewältigte, wirkte ebenso überzeugend der erst 31-jährige Soloharfenist der Pariser Oper, Emmanuel Ceysson, mit, der demnächst zu einem Probespiel an die New Yorker Metropolitan Opera reisen wird. Guido Schiefen, der weltweit gastierende Violoncelloprofessor mit Professur in Luzern, verlieh mit seinem glutvollen Spiel dem Ensembleklang eine besondere Note. Für die Violinparts war mit Karina Buschinger, der weitgereisten Dozentin bei der Villa Musica in Mainz, eine hervorragende Künstlerin zur Stelle, während Wen Xiao Zheng, der Solobratscher im Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks, sich als erstklassiger Violaspieler vorstellte. Müßig zu betonen, dass es für die Musiker keine technischen Hürden zu geben scheint, die Interpretationen minuziös ausgearbeitet sind und das Miteinander vorbildlich ist.

Neben dem ersten Satz eines stimmungsvollen Quintetts voller impressionistischer Farben von Jean Cras (1879-1932) zeigte sich das vor allem im "Prélude à l'Apres-midi d'un Faune" -"Nachmittag eines Faun" von Claude Debussy (1862-1918), einem Orchesterwerk, das Harfenist Ceysson in beispielhafter Werktreue für seine Quintett-Kollegen arrangiert hat. Diese lohnten ihm seine ausgezeichnete Arbeit mit fein abgestimmter und sensibel empfundener Wiedergabe.

Auch Chansons gehörten zu "Classica Francese" - dafür hatte Maiburg die Französin Alexandra Cravero engagiert. Dank ihrer klassischen Ausbildung war sie die richtige Wahl für die von ihr selbst oder von Andreas N. Tarkmann für das Ensemble (plus Vibraphon und Percussion, wofür Mathias Haus sich als optimale Besetzung erwies) eingerichteten Chansons von Jaques Brel, Georges Auric, Francis Lai, Barbara und Norbert Glanzberg.

Die Musiker von Classica francese hatten viel Spaß an dieser schwungvollen Musik und ließen sich gerne von der faszinierend und mit wohldosierten Extravaganzen gestaltenden Sängerin mitreißen. Cravero zog alle Register ihres beachtlichen Könnens - wurde plötzlich ernst ("Bonjour Tristesse"), dann wieder war sie voller Temperament ("Padam....Padam") oder "Göttingen"). Letzteres durfte das Publikum - nach donnerndem Applaus und zahlreichen Bravorufen - zu seiner großen Freude noch einmal hören.

Classica francese auf CD: Label MDG, Bestellnummer: 3832995

Quelle: RP
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