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Stadt Kempen
Kleinkunst im besten Sinne des Wortes

Stadt Kempen. Nach des Tages langer Hast erst einmal Platz nehmen. Dieser Einladung zum Entspannen folgten rund 60 Besucher in der Kempener "Haltestelle" gerne. Der Komiker Cirillo, welcher im wahren Leben Andreas Baumann heißt, machte aus der Bühne in eineinhalb Stunden eine ganz eigene Welt. Von Silvia Ruf-Stanley

Es ging um ein fiktives Café, in dem sich jede Menge kleine Szenen abspielten. Als Requisite reichen ein paar Kleidungsstücke und ein Tisch, schon ist die Welt des Restaurants fertig. Erklingt dazu noch die passende Melodie von Edith Piaf, stimmt die Illusion. Dabei zeigte sich, dass Cirillo ein Allroundtalent ist. Schauspieler, Zauberer, Pantomime, Musik oder Textakrobat, er beherrscht viele Spielarten. Einmal ist er Kellner und Gast im Restaurant, dann wieder zeigt er mit einer Stoffpuppe einen hinreißenden Tanz. Mit Dosen zaubert er, dass es einem schwindlig wird. Und wie schafft er es nur, in die schmalen Dosen auf einmal Äpfel hinein zu schmuggeln?

Schnüre eignen sich hervorragend zum Spielen, Servietten zum Verspeisen und wieder als Papierschlange zum Vorschein zu bringen. Nicht nur die Kinder im Publikum hatten ihren Spaß an den Taschenspielereien. Eine Hutkrempe ist noch lange nicht nur Hutkrempe, sondern kann in ganz viele Hüte verwandelt werden. Alles ohne eine Wort, doch sofort jedem verständlich, wer da gerade symbolisiert wird.

Das ganze Programm lebt davon, dass es herrlich altmodisch ist. Cirillo setzt nicht auf schnelle Effekte, sondern leise Überraschungen. Viel Poesie liegt in der Auswahl der begleitenden Texte - oder eben auch in der liebenswerten Spielerei, wenn Hund Buster eine nicht ganz ernst gemeinte Dressurnummer auf dem Hocker übernimmt. Hund und Herrchen übertragen ihren Spaß an der Sache direkt auf das Publikum. Der kleine Raum mit seinen durcheinander gewürfelten Stühlen, wo Zuschauer und Akteur sich ganz nah sind, ist dafür ideal.

Hervorragend begleitet wird der Abend von den Musikern. Martin Schädlich (Trompete), Pierce Black (Bass) und Hans Fücker (Flügel) sind gut eingespielt auf Cirillo. Musik und Spiel ergänzen sich auf wundervolle Weise. Schön ist aber auch, dass man die Musiker auch einmal alleine auf der Bühne erlebt. Das schaffte zwischen den einzelnen Szenen kurze Pausen. Zum Schluss griff Cirillo selbst als Zugabe noch zur Trompete. Und narrte seine Publikum mit einer herrlichen Pantomime zur Ratte. Mit einer kleinen Ansprache entließ er das Publikum auf einen entspannten Nachhauseweg. Gesehen hatten die Besucher an diesem Abend Kleinkunst im besten Sinne des Wortes, wie es sie leider nicht mehr oft gibt.

Quelle: RP
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